Grant Gallicho, Der wundersame Fall des Carols Urrutigoity (2)

Urrutigoity in der Piusbruderschaft (FSSPX)

Carlos Urrutigoitys Weg nach Ciudad del Este war bemerkenswert umständlich. Seine Karriere als Kleriker begann Mitte der 1980er Jahre in La Reja, Argentinien, wo er in ein Seminar eintrat, das von der schismatischen Piusbruderschaft geleitet wird. Die FSSPX ist eine traditionalistische Organisation, die das II. Vatikanische Konzil zurückweist und die nicht reformierte Lateinische Messe praktiziert. Urrutigoity wurde lt. den Gerichtsakten hinausgeworfen als behauptet wurde, dass er sich einem Mitseminaristen in sexueller Absicht genähert hatte. Ihm wurde in einem anderen Seminar der FSSPX in Winona, Minnesota, eine zweite Chance gegeben, wo Bischof Richard Williamson der Superior war, einer der vier Bischöfe, die von Erzbischof Marcel Lefebvre 1988 unerlaubter Weise geweiht worden waren, eine Handlung, die automatisch die Exkommunikation von der katholischen Kirche nach sich zog.

(Als Teil seiner gescheiterten Bemühungen die FSSPX in die volle Gemeinschaft mit Rom zurückzubringen, hob Benedikt XVI. die Exkommunikation der Bischöfe 2009 auf. Bald darauf tauchte ein Video auf, in dem Williamson leugnete, dass sie Nazis Gaskammern benutzt hätten, und behauptet, dass nicht mehr als drei hunderttausend Juden in der Shoah uns Leben gekommen seien. Schließlich wurde er von der FSSPX hinausgeworfen.)

Bis 1997 lehrte Urrutigoity am Seminar in Winona. Er hatte eine ziemliche Anhängerschaft unter Priestern und Seminaristen gewonnen, eine Anhängerschaft, die Bischof Bernard Fellay, Generaloberer der FSSPX, später „seltsam“ und „anormal“ nennen würde. Urrutigoity brütete einen Plan aus, eine Gesellschaft innerhalb der FSSPX zu schaffen, die rigorosere geistliche Praktiken befürworten würde. Sie würden sich die Gesellschaft des Hl. Johannes nennen. Doch als dieser Plan im Mai 1997 von Williamson entdeckt wurde, schloss er Urrutigoity aus dem Seminar aus. Dieser ging nicht allein.

Die Absetzung in die Diözese Scranton (USA)

Innerhalb von Wochen hatten sich Urrutigoity und eine Handvoll anderer früherer Mitglieder der FSSPX – einschließlich Eric Ensey – ein Treffen mit James Timlin gesichert, der damals der Römisch katholische Bischof von Scranton war. Sie sagten dem Bischof, dass sie [ihn] „ersuchten, in die wahre Kirche zurückzukehren“, nach einem Zeitplan, der 2007 von James Earley vorbereitet worden war, der damals Kanzler der Diözese Scranton war. Timlin wurde überzeugt.

Das war im Juni 1997. Am 15. September schrieb Timlin an die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei, die für die Normalisierung des Verhältnis zu den Mitgliedern der FSSPX und anderer Traditionalisten war. Benedikt XVI. beauftragte die Kommission mit der Überwachung der Anwendung seines  Motu Proprio Summorum Pontificum von 2007, das die Genehmigung für den [räumlich] weiteren Gebrauch der alten Lateinischen Messe (die „außerordentliche Form“, wie sie nun genannt wird) gewährt. Timlin ersuchte den Rat der Kommission bezüglich der Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft der früheren Priester und Diakone der Piusbruderschaft mit Rom. Nur sieben Tage später „wurden die Zensuren, welche die früheren Mitglieder der FSSPX durch den unerlaubten Erhalt des Sakraments der heiligen Weihen erlitten hatten, aufgehoben“, so die Chronik Earleys. Sie waren wieder katholisch.

Traditionelle Johannes-Gemeinschaft

Die Mitglieder der Gesellschaft des Hl. Johannes ließen sich in einem ungenutzten Flügel der St. Gregory’s Academy nieder, eines katholischen Internats, das von der Petrusbruderschaft (FSSP) geführt wurde, einer kleinen traditionalistischen Gruppe in Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl. Ihre Mitglieder feiern ausschließlich die außerordentliche Form der Messe. Die Petrusbruderschaft errichtete ihren Hauptsitz 1992 in Scranton, als Timlin Bischof war. Ensey wurde Seelsorger von St. Gregory’s, und andere Mitglieder der Gesellschaft des Hl. Johannes unterrichteten.

Am 24. Mai 1998, weniger als ein Jahr nachdem die früheren Mitglieder der FSSPX kamen und ersuchten, in die Katholische Kirche zurückzukehren, errichtete Bischof Timlin die Gesellschaft des Hl. Johannes als eine „Gesellschaft der Gläubigen“, eine Bezeichnung, die ihnen bestimmte Rechte unter dem kanonischen Recht gewährte. Der Bischof hielt eine Reihe von Treffen mit den Mitgliedern der Gesellschaft ab, die nun offiziell von Urrutigoity geleitet wurde, um die Aufgaben der Organisation auszuarbeiten. Ihr Anliegen war, eine Gemeinschaft für Katholiken zu errichten, die den Riten der Römischen Missales von 1962 verpflichtet sind – den unreformierten Lateinischen Riten – ein katholisches College der Geisteswissenschften und ein katholisches Dorf. Timlin stimmte ihrem Plan zu, obwohl er weder eine Hintergrundprüfung irgendeines der Mitglieder der der Gesellschaft des Hl. Johannes vorgenommen noch ihre Ausbildungszeugnisse des Seminars durchgesehen hatte.

Hätte er dies getan, wäre ihm vielleicht die Überraschung erspart geblieben, einen Brief von Bischof Fellay, dem Generaloberen der FSSPX, vom Februar 1999 zu lesen der ihn warnte, dass Urrutigoity sich zweimal dem Bett eines Seminaristen in Winona namens Matthew Selinger genähert hatte, „für offensichtlich unehrenhafte Taten“. Fellay informierte Timlin, dass Urrutigoity einer „ähnlichen Tat“ in Argentinien „beschuldigt“ wurde – „mit einem Seminaristen, der nun ein Mitglied der Gesellschaft des Hl. Johannes ist“. Was Fellay jedoch am meisten störte war, dass Urrutigoity „einen befremdlichen, abnormalen Einfluss auf die Seminaristen und Priester hatte, die er mit seiner brillanten charismatischen Persönlichkeit an sich zog.“ Einer der Gründe, warum Fellay Urrutigoitys Vorschlag zurückgewiesen hatte, die Gesellschaft des Hl. Johannes in der FSSPX zu gründen, so erklärte er, war die „Guru-artige Bindung zwischen den Schülern und ihrem Führer.“ Falls Timlin [die Sache] weiter untersuchen wolle „stehen wir Ihnen zur Verfügung“. Fellay schrieb dies und versprach, dass Selinger „bereit [war], die oben genannten Tatsachen unter Eid auszusagen“, was Selinger schließlich auch tat.

Quelle

Tradition und Glauben – Angebot

7 Tage gratis lesen – testen Sie uns!

Monatsabo nur 19,99 € im Monat

Jahresabo nur 149,99 € im Jahr

Jetzt mit Print-Möglichkeit!

Besuchen Sie unseren Online-Shop

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: