Heiligsprechung und ihr Prozess (1 von 6)

Ist eine Heiligsprechung unfehlbar?

Passend zum alljährlichen Allerheiligenfest wollen wir die Frage beantworten, die sich viele insgeheim stellen, ob man die nach dem Konzil heiliggesprochenen Heiligen wirklich als heilig zu betrachten hat? Denn spätestens seit den bergoglianischen Kanonisationen von Johannes XIII., Paul VI. und Johannes Paul II. stellen sich immer mehr Katholiken die Frage, ob die Heiligsprechung ein lehramtlicher Akt ist, d. h. ob das Lehramt dabei unfehlbar ist. Hält man sich an die vorkonziliaren Dogmatiken, so muss man diese Frage bejahen. So lesen wir bei Ott, dass die Kanonisation der Heiligen zu dem sogenannten „sekundären Gegenstand der Unfehlbarkeit“ gehört.[1] Bei Diekamp-Jüssen hingegen lesen wir folgendes:

„Die Kanonisation der Heiligen ist das letzte und endgültige Urteil der Kirche darüber, dass jemand zu den Heiligen des Himmels zählt und in der ganzen Kirche als heilig zu verehren ist. Die meisten Theologen halten die feierliche Heiligsprechung mit recht für unfehlbar. Wenn die Kirche von Gott verworfene Menschen zur Nachahmung und Verehrung aufstellte, würde sie ja ihr eigenes Wesen und ihre Bestimmung, die Menschen zur Heiligkeit zu führen, verleugnen, und es wäre zweifellos ein Triumph der Hölle, wenn ein ihr verfallener Mensch für heilig erklärt und kultisch verehrt würde. Nach Thomas ist die Verehrung der Heiligen „eine Art Glaubensbekenntnis, wodurch wir an die Glorie der Heiligen glauben“ (quaedam professio fidei, qua cantorum gloriam credimus), und er schließt daraus: man muss fromm glauben dass auch im Urteil die Kirche nicht irren kann (pie credendum est, quod ne etiam in his iudicium Ecclesiae errare possit). – Die Unfehlbarkeit der Kanonisation schließt jedoch nicht ein, dass die einzelnen für die Heiligsprechung vorgebrachten Gründe, zum Beispiel die dem betreffenden Heiligen zugeschriebenen Wunder, ebenfalls mit Unfehlbarkeit festgestellt sind. Überhaupt scheinen solche Wunder nicht Gegenstand unfehlbarer lehramtlicher Entscheidung sein zu können, weil sie mit dem Offenbarung- und Glaubensgut in keinem notwendigen Zusammenhang stehen“.[2]

Weil eine Kanonisation die Überzeugung einschließt, dass:

  1. die betreffende Person im Himmel ist,
  2. sie in der ganzen Kirche als selig oder heilig zu verehren ist,

daher ist, wie richtigerweise Thomas von Aquin dargelegt, ihre Heiligsprechung „eine Art Glaubensbekenntnis“ (quaedam professio fidei). Im Kirchenrecht von Eichmann-Mörsdorf lesen wir folgende Worte:

„Mit der Verehrung der Heiligen greift die pilgernde Kirche über ihren irdischen Lebensraum hinaus und verbindet sich mit den Gliedern der Kirche, die in die himmlische Herrlichkeit eingegangen sind.“[3]


[1] Ott, Grundriss der Dogmatik, Bonn 2010, 421-422.

[2] Diekamp-Jüssen, Katolische Dogmatik, Will 2012, 84.

[3] Eichmann-Mörsdorf, Lehrbuch des Kirchenrechts aufgrund des Codex Iuris Canonici, Bd. III Prozess-und Strafrecht, Paderborn 19506, 252.

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(3) Kommentare

  1. Maria Magdalena sagt:

    Wie ist der letzte Satz zu verstehen? (Kirchenrecht von Eichmann-Mörsdorf) “Mit der Verehrung der Heiligen…”

  2. Traditio et Fides sagt:

    Die pilgernde Kirche verbindet sich mit der triumphierenden Kirche. Der Druckteufel hat gewütet, sorry!

  3. Maria Magdalena sagt:

    Alles klar! 🙂

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