Heiligsprechung und ihr Prozess (2 von 6)

Was ist eine Heiligsprechung?

Um es an dieser Stelle deutlich zu sagen, eine Heiligsprechung bedeutet, dass die Person mit ihrem Tode gleich direkt in den Himmel eingegangen ist, und zwar ohne den Umweg über das Fegefeuer zu nehmen. Würde man unter einer Kanonisation verstehen, dass jemand nicht in der Hölle landete, sondern durch Gottes Barmherzigkeit doch irgendwie gerettet wurde, dann wäre eine Selig- oder Heiligsprechung sinnlos, weil dieser Umstand ja alle im Gnadenstand Verstorbenen betrifft.  Aber lesen wir weiter:

„[Die Kirche] verehrt die Heiligen nicht um ihrer selbst willen, sondern, weil Gott sie seiner Herrlichkeiten teilhaftig gemacht hat. Heiligenverehrung ist darum Gottesverehrung […].“[1]

Und somit ist die Verehrung von falschen Heiligen eine Beleidigung Gottes, der diese Menschen nicht seiner Herrlichkeiten teilhaftig gemacht hat, sondern sie vielleicht verworfen hat. Wird jemand als Heiliger verehrt, der sich in der Hölle befindet, dann ist es ein Teufelskult.

Es stellt sich heraus, dass nicht immer eine offizielle Beatifikation oder Kanonisation erstrebenswert ist, denn:

„Glieder der Kirche, die im Rufe der Heiligkeit verstorben sind, dürfen in privater Weise verehrt werden, ohne dass es hierzu einer Gutheißung durch die Kirche bedarf.“[2]

Dies war auch der Fall bei sehr vielen Ordensgemeinschaften vor den Reformen des Selig- und Heiligsprechungsprozesses unter Johannes Paul II. im Jahre 1983. Die Ordensangehörigen konnten ihre Gründer privat verehren, wie auch mancher Laie seine verstorbene Großmutter, Schwiegermutter oder anderer Verwandtschaft. Denn privat ist privat und öffentlich ist öffentlich.

„Eine kirchenamtliche oder liturgische Verehrung darf jedoch nur jenen erwiesen werden, die von der Kirche als Selige oder Heilige anerkannt worden sind.“[3]

Mit kirchenamtlicher oder liturgischer Verehrung ist gemeint, dass der Selige oder Heilige in den Kirchenkalender und in das Brevier aufgenommen wurde, sowie dass ihm zu Ehren eine eigene Messe mit Proprien, der Epistel, dem Evangelium entworfen wurde, sodass alle Katholiken auf der Welt oder in einer Diözese zu ihm liturgisch und amtlich beten konnten.

„Der Unterschied zwischen Seligen und Heiligen besteht darin, dass Heilige (Sancti) überall und in jeder Form des amtlichen Gottesdienstes verehrt werden können, Selige (Beati) aber nur an den Orten und in den Formen, die der Papst im Einzelfalle zugelassen hat (CIC 1917, c. 1277 § 2).“[4]

Dies erklärt auch den Umstand, warum manche selige in anderen Ländern völlig unbekannt waren oder sind. Eine Selig- oder Heiligsprechung bedeutet auch, dass die Tugenden des Verstorbenen dermaßen herausragend, also heroisch, gewesen sind, dass er oder sie in der ganzen Kirche zu verehren ist. Würde eine Kanonisation bedeuten, dass der Verstorbene, wie beispielsweise die Päpste Johannes XXIII., Paul VI. und Johannes Paul II. „gute Menschen mit einem Herzen am rechten Fleck“ gewesen sind, dann wäre auch eine Kanonisation belanglos, weil das auf viele Menschen zutrifft.


[1] Eichmann-Mörsdorf, Lehrbuch des Kirchenrechts aufgrund des Codex Iuris Canonici, Bd. III Prozess-und Strafrecht, Paderborn 19506, 252.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

Tradition und Glauben – Angebot

7 Tage gratis lesen – testen Sie uns!

Monatsabo nur 19,99 € im Monat

Jahresabo nur 149,99 € im Jahr

Jetzt mit Print-Möglichkeit!

Besuchen Sie unseren Online-Shop

Zum Download für Abonnenten geht es hier:

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: