Heiligsprechung und ihr Prozess (3 von 6)

Sind auch diese Kanonisationen unfehlbar?

Leider stimmt die Theologenmeinung von der Unfehlbarkeit der Kanonisation an sich nicht mit den Beobachtungen der in der letzten Zeit heiliggesprochenen Kandidaten überein. Es ist wirklich schwer nachzuvollziehen, worin eigentlich die Heiligkeit von Paul VI.  bestanden haben mag.  Zwar ist die Lehre von der Unfehlbarkeit der Kanonisation eine weitverbreitete Theologenmeinung,[1] dennoch aber kein Dogma. Wenn man aber diese Meinung infrage stellt, so müsste man annehmen, dass die Kirche selbst nicht heilig ist, weil sie verworfene Menschen zu Gliedern ihrer eigenen Heiligkeit erklärt. Die Kirche würde dann mit sich selbst in Widerspruch stehen, indem sie, selbst heilig, aus unheiligen Elementen bestehen würde.  Dies tritt zwar auf die irdische Kirche zu, aber nicht auf die triumphierende Kirche im Himmel. Denn die Kanonisation ist eine Aussage über die triumphierende Kirche, indem man feststellt, dass dieser Kandidat oder diese Kandidatin sich unter den himmlischen Gliedern der Kirche befindet. Während also die irdische Kirche auch aus Sündern besteht, so tut dies die himmlische Kirche nicht.

Bei Mörsdorf-Eichmann ist hierzu folgendes nachzulesen:

„Die Voraussetzungen für die kirchliche Anerkennung werden in einem Verfahren geprüft, dass die strengsten Prozessformen aufweist; es ist zu unterscheiden zwischen dem Verfahren zur Seligsprechung und dem Verfahren zu Heiligsprechung.  Die Seligsprechung geht der Heiligsprechung voraus und hat nicht den Charakter einer unwiderruflichen Entscheidung; die Heiligsprechung dagegen ist die letzte und die unwiderrufliche Entscheidung, die ihrer Natur nach im kirchlichen wie im göttlichen Bereich verbindlich ist. Die Kirche handelt hier kraft stellvertretender göttlicher Gewalt. Die Heiligsprechung erfolgt durch die Aufnahme in das Verzeichnis (canon) der Heiligen; man spricht deshalb auch von Kanonisation.“[2]

Die eben zitierte Passage schließt also die Überzeugung ein, dass die Heiligsprechung ein endgültiger ehrenamtlicher Akt der Kirche ist, die „kraft stellvertretender göttlicher Gewalt“ handelt. Wir scheinen also alle vor einem Dilemma zu stehen. Einerseits gilt die Kanonisation als unfehlbar, andererseits sind die jüngsten Kanonisationen der drei Päpste zum Beispiel überhaupt nicht mit der Heiligkeit nach den vorkonziliaren Maßstäben vereinbar. Entweder sind also die Kanonisationen nicht unfehlbar und wir haben alle geirrt oder sie sind unfehlbar und daher haben in der letzten Zeit heiliggesprochenen Päpste als heilig zu gelten, gleich was wir davon halten.

Die Lösung dieser Quadratur des Kreises ist recht einfach. Unserer Meinung nach ist eine Heiligsprechung dann unfehlbar, wenn zwei Bedingungen eintreten:

  1. sie wird von einem tatsächlich amtierenden Papst verkündet,
  2. der sich bei der Verkündigung seines Urteils an die Ergebnisse des Selig- oder Heiligsprechungsprozesses, wie er zwischen 1588 und 1969 vorgeschrieben war, gehalten hat.

So gesehen sind alle Beatifikationen und Kanonisationen von Bergoglio ungültig, alle Selig- und Heiligsprechungen zwischen 1969 und 1983 zweifelhaft, diejenigen nach 1983 dagegen sehr zweifelhaft.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 84.

[2] Eichmann Mörsdorf, Lehrbuch des Kirchenrechts aufgrund des Codex Iuris Canonici, Bd. III Prozess-und Strafrecht, Paderborn 19506, 252-253.

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