Heiligsprechung und ihr Prozess (4 von 6)

Heiligsprechung als Gerichtsprozess

Wie bereits geschrieben, meinen wir, dass alle Beatifikationen und Kanonisationen Bergoglios ungültig sind, weil er kein Papst ist, alle Selig- und Heiligsprechungen zwischen 1969 und 1983 sind zweifelhaft, weil die Normen des Heiligsprechungsprozesses aufgelockert wurden und alle Selig- und Heiligsprechungen nach 1983 sehr zweifelhaft sind, weil die Kriterien völlig verändert wurden.

 Warum gerade dieser zeitliche Rahmen?

Weil, wie wir noch sehen werden, der Selig- und Heiligsprechungsprozess zwischen 1969 und 1983 durch die Kurienreform von Paul VI. verschiedenen Veränderungen unterworfen wurde, sodass es zweifelhaft ist, ob alle seit 1588 vorgeschriebenen Kriterien in dieser Zeit auch eingehalten wurden. Im Jahre 1983 dagegen trat eine Reform des Selig- und Heiligsprechungsprozesses ein, welche die seit 1588 geltenden Kriterien abmilderte, veränderte oder aufgehoben hat. Im Klartext bedeutet das, dass die Kriterien, die in dem alten Heiligsprechungsprozess galten und die Wahrheitsfindung ermöglichten, sodass der Papst aufgrund der vorliegenden Beweise tatsächlich jemanden für selig oder heilig erklären konnte, zumindest sehr aufgeweicht wurden. Dadurch wurde der Wahrheitsfindungsprozess dermaßen verändert, dass faktisch eine Feststellung der Heiligkeit kaum mehr möglich ist.

Während der alte Heiligsprechungsprozess ein Prozess im echten Sinne gewesen ist, sodass man von Prozessparteien im eigentlichen Sinne sprach[1], zu denen:

  1. der Ankläger – Glaubensanwalt oder des Teufels Advokat,
  2. der Verteidiger – Postulator,
  3. die Richter – die Kongregation der Riten gehörten.

Zwar entschieden die Richter, aber, anders als bei weltlichen Gerichten, hatte der Glaubensanwalt – advocatus diaboli – mehr Rechte als der Antragsteller oder Postulator, da es dem Glaubensanwalt oblag den katholischen Glauben vor einer ungerechtfertigten Heiligsprechung zu schützen. Die Ergebnisse dieses Rechtsstreits wurden dann der Kongregation der Riten, den zu ihr gehörenden Bischöfen und Kardinälen und schließlich dem Papst selbst unterbreitet. Diese Richter hatten bei ihrer Urteilsfindung Einsicht in die Argumentationen der beiden Seiten. Die Rolle des Glaubensanwalts wurde jedoch durch die Reform von Johannes Paul II. dermaßen abgemildert, dass er kaum noch vorhanden ist, sodass man es praktisch nur mit einer Seite des Postulators, welcher für die Heiligsprechung spricht, zu tun hat. Somit ist dies kein Prozess mehr. Die Änderung der Prozedur erklärt auch inflationär anwachsende Anzahl von der Selig- und Heiligsprechungen, hauptsächlich unter Johannes Paul II., aber auch unter den späteren Päpsten. So hat Paul VI. 84 Personen heiliggesprochen, Johannes Paul II. 483, Benedikt XVI 45 und Franziskus bis jetzt (23.10.2020 14:06) 898 (kein Witz!). Im Gegensatz dazu begnügte sich beispielsweise Innozenz XI. (1676-1689) mit zwei, Innozenz XII. (1691-1700) mit einem und Benedikt XV. (1914-1922) mit vier Kanonisationen. Man muss zwar fairerweise Weise sagen, dass Pius IX. (1846-1878) auch für 52 Kanonisationen verantwortlich ist, da diese Liste 26 Märtyrer von Japan und 19 Märtyrer von Borkum einschließt. Aber die massenweisen Kanonisationen, welche besonders Bergoglio ad absurdum betreibt (898 Stück), führen dazu, dass die Heiligsprechung an sich ins Lächerliche gezogen wird, denn ist jeder heilig, dann ist auch keiner heilig. Man stellt sich unwillkürlich die Frage, ob auch die früheren Kanonisationen auch so lax betrieben wurden und ob es überhaupt gerechtfertigte Heiligsprechungen gegeben hat.


[1] Eichmann Mörsdorf, Lehrbuch des Kirchenrechts aufgrund des Codex Iuris Canonici, Bd. III Prozess-und Strafrecht, Paderborn 19506, 254-255.

Tradition und Glauben – Angebot

7 Tage gratis lesen – testen Sie uns!

Monatsabo nur 19,99 € im Monat

Jahresabo nur 149,99 € im Jahr

Jetzt mit Print-Möglichkeit!

Besuchen Sie unseren Online-Shop

Zum Download für Abonnenten geht es hier:

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: