Hilary White, Das „Propositum monasticum“ und der Weg durch die Wüste: Das Pferd vor den Karren spannen (1 von 2)

Hilary White macht auf etwas aufmerksam, was oft übersehen wird. Es sind die Mönche und Nonnen, welche das Christentum, vor allem das christliche Europa erbaut haben. Sie haben die Wälder gerodet, die Klöster gebaut, die antiken Manuskripte aufbewahrt und abgeschrieben, die Kultur und Zivilisation gepflanzt. Und all das als Beiwerk. Die Herrscher konnten herrschen, weil ihnen jemand die spirituelle “Energie” gab es richtig zu tun. Heilige waren Berater der Herrscher, manche Herrscher wie hl. Ludwig von Frankreich oder Heinrich II. waren Heilige. Es ist alle auf Gebet gewachsen. Und wenn Sie, werter Leser, eine bessere Erziehung für Ihre Kinder von den staatlichen Schulen fordern, dann muss es zuerst jemanden geben, der dafür geistlich den Boden vorbereitet, denn Spiritualität und Gebet ist etwas Reales.  

Traditionalisten sprechen viel darüber, wie sie Wege finden können, um die Kirche – und folglich die Welt – in den Zustand der Christenheit im Zeitalter des Glaubens zurückzuführen. Wir alle haben Träume davon, die Herrlichkeiten und Gewissheiten des mittelalterlichen Christentums wiederherzustellen, und einige Klöster – Nursia, Le Barroux, Clear Creek, die Benediktiner von Maria, die Karmelitermönche von Cody, Wyoming – gehen sogar so weit, diese Träume zu verwirklichen; Realität in Stein und Mörtel. Aber so sehr wir Spitzbögen und Gregorianischen Gesang lieben – ist es möglich, dass diese Träume ein großes Puzzlestück auslassen? Zumindest vergessen wir vielleicht im Hinblick auf den Wiederaufbau einer größeren katholischen Zivilisation, dass die Früchte der christlichen Kultur einen sozialen, politischen und kulturellen Kontext voraussetzen, der solche physischen Manifestationen möglich machte?

Machen wir moderne Menschen mittelalterliche Paläste, um darin zu wohnen? Natürlich möchten wir zu der Größe der Christenheit des 13. Jahrhunderts zurückkehren. Aber verdienen wir das unter den derzeitigen Umständen? Wie kamen wir zu Scholastik und Strebepfeilern?

Ich bin weit davon entfernt zu sagen, dass wir keine großartigen physischen Strukturen bauen sollten, wo wir können, oder dass Geld nicht für schöne Dinge ausgegeben werden sollte. Aber vielleicht sollten wir die Kamera etwas zurückziehen. Woher stammen diese großen kulturellen, sozialen und philosophischen Schätze? Wie sind wir zu den Kathedralen von Chartres und Notre Dame gekommen? Aus welcher Kultur stammte der Gregorianische Gesang? Der Bau von Notre Dame dauerte 182 Jahre. Was war der kulturelle Zustand der Christenheit im Jahr 1163, der die Entscheidung ermöglichte, solche unglaublichen Ressourcen überhaupt zu mobilisieren? Befinden wir uns jetzt in einer Situation, die in irgendeiner Weise mit der des 11. oder 12. Jahrhunderts vergleichbar ist? Die Antwort liegt auf der Hand.

Aber dann müssen wir uns fragen, ob wir wirklich unsere gesamte Zivilisation auf diese Ebene zurückbringen wollen. Wenn wir eine Wiederbelebung des großen Zeitalters des Glaubens sehen wollen, wie sind sie dorthin gekommen? Wo sollen wir anfangen? Welche historische christliche Periode passt am besten zu unserer eigenen, einer Zeit großer Erfolge, Stärke und Zuversicht oder einer Zeit der Schwäche und Verfolgung? Die Antwort wird vielleicht nicht jedem gefallen. Die Wiederbelebung der Christenheit kann nur auf die gleiche Weise erreicht werden, wie sie ursprünglich geschaffen wurde.

Woher kam das Christentum wirklich? Das „Propositum monasticum“

In einem Briefwechsel per E-Mail an diesem Wochenende erzählte mir ein bekannter Mönch der Tradition, was auch immer aus diesen jüngsten Bemühungen zum Bau neugotischer Klöster hervorgehen könnte, in unserem heißen Verlangen nach dem Zeitalter der Größe des Christentums könnten wir den gotischen Karren vor das monastische Wüsten-Pferd spannen. Er sagte, wir befinden uns in solch einem Zustand der Erniedrigung, dass wir sogar an den Wurzeln der Christenheit vorbei zu deren Samen gehen müssen.

Was hatten sie 1163, das wir nicht haben? Die Christenheit wurde im 12. Jahrhundert nicht aus dem Nichts aufgebaut. Dies war eine Entwicklung von Fundamenten, die Jahrhunderte zuvor gelegt worden waren, in der Zeit von Verfolgung und Heldentum der Mönche und Nonnen. Vielleicht sollten wir nicht auf Chartres und Notre Dame schauen, sondern auf das, was dazu geführt hat. Mit den Augen voll des romantischen Glanzes des Hochmittelalters haben wir vielleicht vergessen, dass die Wüsten Ägyptens im 4. Jhd. mit tausenden von Mönchen und Nonnen bevölkert waren. Dies waren Christen, die dem Trost und dem Schutz der Welt entflohen waren – einschließlich einer abrupt legalisierten Religion, die plötzlich zur Staatsreligion erhoben worden war -, um nach einer himmlischen Lebensweise zu streben.

Als einige Jahrhunderte später ein Wiederaufleben der Verfolgung diese Männer und Frauen aus ihren klösterlichen Städten in der Wüste vertrieb, kamen sie – der Vorsehung sei Dank -, um diese himmlische Lebensweise in die übrige christliche Welt der Spätantike zu verbreiten. Dies war es, viel mehr als die chaotische imperiale Politik des frühen Papsttums[1], was das Lebendige Wasser zu den Europäern brachte, die verzweifelt nach Christus dürsteten.

Die Grundlage dieses monastischen Prinzips ist die persönliche Hingabe, sich vor allem mit Christus zu vereinigen, ein Gedanke, den man später “propositum monasticum” nennen würde – die radikale, einzigartige und unwiderrufliche Wahl eines Lebens, das ganz Christus gewidmet ist. Ihr Gedanke war revolutionär für die Alte Welt, es muss nach heidnischer Denkweise wie eine Art Manie ausgesehen haben, eine göttliche Verrücktheit, die von nichts überwunden werden konnte.

Ein halb bekehrter Herrscher hatte vielleicht entschieden, das klassische Heidentum durch das Christentum als Staatsreligion zu ersetzen, doch die Grundgedanken beider Religionen sind von Grund auf nicht miteinander vereinbar. Das Heidentum hatte dem einzelnen Menschen nie etwas über ein moralisches Leben oder Rettung zu sagen; das Christentum hatte dem Staat viel zu sagen, gewann diese Macht aber nur durch seine vorherigen Ansprüche auf die einzelnen Seelen.

Diese Umkehr der Natur der Religion war so radikal, so absolut einzigartig in der gesamten Menschheitsgeschichte, dass es die gesamte Welt erneuerte. Christus möchte nicht die kalte, offizielle Verehrung durch den Staat. Er spricht nur zur menschlichen Seele, um sie zu umwerben, „anzuziehen … und sie in die Wildnis zu führen und zärtlich mit ihr zu sprechen,“ und sie zu überzeugen, ihre Idole aufzugeben. Kein heidnischer Gott in irgendeinem klassischen Mythos sprach je so zur Menschheit.

Das Christentum wurde nicht von den Päpsten oder Herrschern gegründet, sondern auf der vorherigen Basis der individuellen Hingabe eines jeden Katholiken in Zeiten der Verfolgung inmitten einer heidnischen Gesellschaft, der Entschlossenheit, sich von der Welt abzuwenden, hin zu Christus – koste es, was es wolle.

Die starke mystische Liebe des entschiedenen Christen für die Person Christi machte den Schrecken in der Arena, wilde Tiere, Bratroste und alle Torturen und alle weltlichen Versuchungen, als seien sie Nichts. Es war diese hohe Liebe der einzelnen Seele mit dem Geliebten, welche die Grausamkeiten und das Barbarische des klassischen Heidentums umformte, nicht das Edikt von Mailand. Jeder, der wissen möchte, wie wahrlich nutzlos das Papsttum für das Entstehen eine christlichen Zivilisation sein kann, muss die Geschichte von Marozia lesen, der Theophylakti und Pornokraten des 10. Jahrhunderts.

Wenn die Novu Ordo – Strukturen uns nicht akzeptieren, weil wir Traditionalisten sind, warum wollen wir sie dann?

Mein Freund fügt die recht passende Beobachtung hinzu, dass wenn das klassische monastische Leben uns den Zutritt verweigert, „zeigt es, dass es sich nicht jenen Seelen zugänglich macht, welche die allgemeine Einladung Unseres Herrn beantworten möchten, die allen gegeben ist, ihm in Armut, Keuschheit und Gehorsam zu folgen.“

Dies scheint ein eigenartiger Kommentar zu sein, bis man beginnt, die Bedingungen selbst der bekannteren „konservativen“ heutigen monastischen Gemeinschaften zu untersuchen. In einem sehr bekannten Haus kontemplativer Nonnen, berühmt für ihre „traditionell“ angehauchte Liturgie und vita communis, wird man einer Kandidatin, die eine Vorliebe für die „außerordentliche Form“ der Hl. Messe oder des Stundengebets zeigt, eine bestimmte Schwester zuweisen deren Aufgabe es ist, die irrigen Ideen der Kandidatin zu korrigieren. Eine genaue Untersuchung des „konservativen“ Ordenslebens lehrte mich die Unterschiede, und genau da kann man oft die aggressivste Feindseligkeit gegen die Tradition finden.

„Das Wesentliche ist nicht der klassische Traum des Monastizismus’, „obwohl man ihn dort finden kann“, sagte mein Freund. Das Wesentliche ist „Sein Angesicht suchen“, die „Weltflucht und Seelen zu retten (und dabei in dieser Wüstenei [welche die Erde ist] zu überleben).“

In unserer Zeit hat die oberste Kirchenleitung die Tore des monastischen Lebens verschlossen:

„Die Hierarchie, die schon immer versucht hat, alles, was sich in der Kirche bewegt, zu kontrollieren und zu zähmen, indem sie die Anerkennung gibt oder verweigert, hat die Kirche praktisch ohne [Gott] geweihte Seelen zurückgelassen, und mit sehr wenigen Propheten bezüglich der Dokumente, die seit 1965 geschrieben wurden.“

Mein Freund geht jedoch über dies hinaus, indem er einfach sagt, dass wenn wir lamentieren, dass es keine Klöster gebe, in die man eintreten kann – so würde uns keines derselben aufnehmen wegen unserer Weigerung, bestimmte Aspekte des katholischen Glaubens aus alter Zeit aufzugeben zugunsten eines vermeintlichen „Neuen Paradigmas“ – streng genommen würden wir sie nicht brauchen. Das Leben der Hingabe, der Weihe an Christus, benötigt keine marmornen Hallen; es braucht nur den Willen, es zu leben.

Wenn wir dem Beispiel der ersten dokumentierten Mönche folgen, erinnern wir uns, dass „das monastische Leben anpassungsfähig ist, genau wie die Stammzellen der Föten [im Mutterleib], die sich an alle Anforderungen des Körpers anpassen.“ Wo ein junger angehender Heiliger des 13. Jahrhunderts den Luxus hatte, in das Kloster unten an der Straßenecke einzutreten, musste ein Christ des 4. Jahrhunderts ein Pionier sein; aber das Ergebnis war dasselbe.

„Wenn wir die Gelübde leben, fliehen wir der Welt, suchen Sein Angesicht und trachten danach, durch Gebet oder Arbeit Seelen zu retten; was braucht es mehr, um wahrhaft Mönch oder Nonne zu sein?“

Alle mit dem Wunsch nach Heiligkeit könnten so gut wie ein Mönch oder eine Nonne sein, „wie alle, die mit 18 Jahren eintraten und bis zum goldenen Jubiläum blieben“ Denn es ist [lediglich] eine Frage des Antwortens auf den allgemeinen Ruf Unseres Herrn.“

Meine Freundin fährt fort mit einem Vorschlag zum Do it yourself: „In Ägypten und Syrien und sonst wo waren die Klöster in keiner Weise wie die großen Abteien Mont St. Michel, Kelso und Cluny. Unsere monastischen Stammzellen können Abteien bauen, uns aber genauso gut ein Leben finden wie die Einsiedeleien eines St. Romuald oder wie Wandermönche wie es die Kleinen Schwestern Jesu des seligen Charles de Foucauld in chinesischen Trödler- oder Zigeunerkaravanen machten.

„Wir haben nun 2000 Jahre aller Arten von sozialen Strukturen [hinter uns], um das Ziel zu schützen: Sehen Sie nach Osten und Westen. Sie benennen es, wir hatten es. Höhlen; Klausner; Priorate; Einsiedeleien; Eremitagen, Hütten, Säulen, Klausuren mit offenem Dach. St. Simon Stock hatte eine Eiche, Mother Potter hatte ein Hospiz, und fromme Frauen lebten zusammen in Häusern mit oder ohne private Gelübde. Es gab keine Einschränkungen bezüglich der Strukturen.“

„Vom Ziel wenden wir uns nun den sozialen Strukturen zu. Aber zuerst kommt das Ziel. Dann die soziale Struktur. Jede soziale Struktur, die das Ziel schützt und nährt, bringt es zur Blüte und ist adäquat.“ Und dies bedeutet, dass bei fehlender Unterstützung durch die Hierarchie oder existierende Strukturen wir eine göttliche Freiheit genießen, um alle nur denkbaren Formen wiederaufzubauen, die uns heute dienen können, unter unseren recht angespannten Umständen.

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