Hilary White, Das „Propositum monasticum“ und der Weg durch die Wüste: Das Pferd vor den Karren spannen (2 von 2)

Kurz und gut: Wenn wir es nicht machen, dann macht es keiner. Falls Sie daran zweifeln, dann besuchen Sie doch den erstbesten Orden um die Ecke. Entschuldigen Sie sich nicht mit: Beruf, Familie, Hase, Haushalt, denn ein wenig Zeit hat jeder und kann man wirklich nicht beten, so kann man das Tageswerk aufopfern, was auch wirkt. Ja, die Laien müssen alles übernehmen: die Weitergabe des Glaubens, das Gebet, denn niemand sonst wird kommen, weil keiner das ist.

Das Ziel für alle Christen

Und diese Beobachtung kann man leicht über die Sorgen bezüglich der Aussichten auf Berufungen für das Ordensleben hinaus auf die übrigen kirchlichen Strukturen ausweiten, die gefangen sind in der tödlichen Teergrube des Neuen Paradigmas des Novus Ordo.

In seinem Innersten, wenn man all die äußerlichen Dinge weglässt, ist das Leben des Christen in jedem Lebensstand „eine Sache der Zielsetzung, einen heiligen Entschluss zu fassen, sein Leben und sein gesamtes Sein selbst Unserem Herrn zu weihen. Niemand kann Sie aufhalten. Kein Orden hat die Kontrolle darüber. Kein Bischof. Kein Papst. Jesus gab jeder Person die Macht und das Recht, dies zu tun. Das war der Weg der frühen geweihten Martyrerjungfrauen, und sie erscheinen treu in jedem Kanon der Messe und man wird täglich an sie erinnert, hunderte Male täglich auf der ganzen Welt.“ 

„Wer sich ein Ziel gesetzt hat, braucht nur noch eine soziale Struktur, um seine Weihe zu erfüllen.“ Nur die Weihe ist notwendig – die Hingabe seiner selbst, der Familie, der Arbeit, des Gebetes, aller Lebensziele, Schwierigkeiten, Kämpfe und Leiden.

Und so wurde das Christentum errichtet: die radikale Wahl einer Ganzhingabe, Weihe an Christus für das [ganze] Leben ist die Hauptanforderung für jede Hoffnung auf Wiederherstellung.

Die Wüstenzeit ist zurückgekehrt. Wir haben das alte Christentum zu Staub zermahlen. Die physischen Strukturen mögen noch stehen (und wir haben im April 2019 gesehen, wie leicht und schnell sie vergehen können), aber die sozialen, kulturellen, spirituellen Strukturen, welche sie geschaffen haben, sind schon beinahe dahin, bis zum Grund abrasiert durch 450 Jahre ungezügelten Hasses auf Christus und Seine heilige Kirche. Wenn wir anfangen sollen, sie wiederzuerrichten, haben wir nun keine andere Wahl als zu den ersten Jahrhunderten zu blicken und auf die Katholiken, die mit nichts begannen. Nichts – außer Christus, der alles in allem ist.

Was taten die Katholiken unter heidnischer (…Arianischer … Nestorianischer …) Verfolgung? Es ist wahr, dass sie sich in den Katakomben verbargen, aber vielleicht wichtiger für den Lauf der Geschichte gingen sie in die Wüsten – wörtlich oder innerlich zu Hause. Sie gaben ihr Leben – und ihren Tod – ganz und gar Gott. Sie weihten jeden wachen Augenblick Christus, Seinen Willen zu suchen und Sein Angesicht, bis es ihnen gleichgültig war, ob sie verfolgt wurden, eingekerkert oder gemartert, ob sie ihr Eigentum verloren oder verbannt wurden.

Durch seine freiwillige Annahme geistlicher Armut, Gleichmut der Welt und ihrer Wut gegenüber wuchst das Christentum zu den außergewöhnlichen Höhen des 12. und 13. Jahrhunderts. Als die Katholiken nichts hatten, als es kein Christentum gab, kein menschliches Gesetz, um sie zu schützen, keine Klöster, keine Universitäten, nichts Irdisches, das sie ihr eigen nennen konnten, keine glorreiche mittelalterliche Vergangenheit, auf die sie sehen konnten, wendeten sie sich Christus selbst zu als ihren Reichtum.

Was haben wir was sie nicht hatten?

In solch dunklen Tagen wie den unseren, in denen die gewalttätige physische Verfolgung der Christen sogar die frühen Jahrhunderte an Grausamkeit übertrifft, sagte mein monastischer Freund, müssen wir uns dessen bewusst sein, dass „alles, was überlebt, und die Bedingungen, unter denen wir alle zu überleben versuchen, uns niemals die ursprünglichen oder klassischen Formen des monastischen oder kirchlichen Lebens geben werden, von denen wir geträumt haben, denn alles ist dahin“, und um diesen schrecklichen Verlust „sollten wir weinen“.

Aber wir haben etwas, was unsere frühen Vorfahren im Glauben nicht hatten. „Wir weinen nicht um das Eine, was wir haben, und das im größten Überfluss, unsere lange Lebenszeit. Niemand hat je eine solch lange Lebenszeit gehabt, wie wir sie haben.“

Genauso wie wir heute das architektonische und Ingenieurwissen haben, um Spitzbögen und Strebepfeiler zu bauen wenn wir möchten, haben wir auch den spirituellen und intellektuellen Vorteil von 2000 Jahren Heiligen – die wahren Schätze der Christenheit, wie sie uns zur ewigen Krone führen können. Die theologischen Fragen, welche die katholische Gemeinschaft des 3. und 4. Jahrhunderts geärgert und zerrissen haben, sind definitiv beantwortet – auch wenn sie wieder gestellt werden durch jene Dummen, die sich weigern, die Antworten zu hören. Zumindest können wir dankbar sein, dass wir nicht ganz von vorn anfangen müssen. Wir können mit absoluter Sicherheit wissen, was über Gott wahr und was nicht wahr ist und kennen unsere Pflichten Ihm gegenüber, wie nachlässig wir auch sein mögen, um ihre Erfüllung zu ringen.

Und wir alle haben Zugang dazu. Jeder Einzelne von uns. das Internet ist voller Gefahren, aber es ist immer noch die einzige für den Einzelnen öffentlich zugängliche Bibliothek klassischer christlicher Gedanken aller Zeiten. Und was im Internet nicht kostenlos zu haben ist, kann man online kaufen oder sich nach Hause schicken lassen. Mit dieser außerordentlichen Ressource haben wir Zugang zu so vielen Informationen darüber, wie unsere Vorfahren ihren Ruf lebten, Sein Antlitz zu suchen und die Welt zu fliehen, um Seelen zu retten.

Wir haben kein größeres christliches Umfeld, keine große lebendige Zivilisation, in der man die monastische Kultur wieder erbauen könnte, die mit den Gebäuden verbunden war. Heutzutage kennen wir alle die Namen von Clear Creek, Fontgombault und Le Barroux genau deshalb, weil sie rare und kostbare Sonderfälle sind – und nun alle unter Belagerung. Sie sind die seltenen und glorreichen Ausnahmen, vor 20, 30 oder 40 Jahren gegründet (oder wiederbelebt) von außerordentlich begabten Menschen, und unter ziemlich schwierigen Umständen, schwerer, als wir sie derzeit erleben. Um es vorsichtig auszudrücken, mehr als dies wird man unter dem derzeitigen Pontifikat wohl nicht erreichen, oder unter dem Vatikan-Regime, das vermutlich danach kommt – für den Rest unserer Lebenszeit. Aber wir haben eine Macht, die uns nicht genommen werden kann; unser Leben Christus zu widmen. Und daraus fließen große Wunder.

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 [1] Tatsächlich kam der junge Benedikt genau zu dem Zeitpunkt für seine Studien nach Rom, in dem ein päpstliches Schisma zwischen zwei rivalisierenden politischen Fraktionen ausbrach. Es erscheint vernünftig zu denken, dass diese Weltbezogenheit Teil dessen war, was seine Flucht von der Welt zur Folge hatte, um als Einsiedler in einer Höhle zu wohnen.

Quelle: https://remnantnewspaper.com/web/index.php/articles/item/4530-the-monastic-propositum-and-the-way-through-the-desert-putting-the-horse-before-the-cart

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