Tradition und Glauben

Hl. Alphons Maria von Liguori, Vorbereitung zum Tode (10)

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3.                                                                                    Betrachtung

Gewißheit des Todes

„Dem Menschen ist bestimmt, einmal zu sterben.“ (Hebr 9,27)

1.  Punkt

Das Todesurteil ist für alle Menschen geschrieben. Du bist ein Mensch, du mußt sterben. Unser übriges Wohl und Übel, sagte der heilige Augustin, ist ungewiß; nur der Tod ist gewiß. Es ist ungewiß, ob das Kind, welches geboren wird, arm oder reich werden, ob es gute oder schlechte Gesundheit haben werde; alles ist ungewiß: gewiß ist aber, daß es sterben wird. Jeder Vornehme, jeder Herrscher wird vom Tode hinweggenommen werden. Und wenn der Tod kommt, gibt es keine Stärke, die ihm widerstehen könnte; man widersteht zwar dem Feuer, dem Wasser, dem Eisen, man leistet der Macht der Fürsten Widerstand, doch dem Tode kann man sich nicht wider- setzen. „Man widersteht den Flammen, den Wogen, dem Eisen, den Königen – es kommt der Tod und wer widersteht ihm?“ Also der heilige Augusti- nus über den Ps. 12. Vinzentius Beauvais erzählt: ein König von Frankreich habe bei seinem Lebensende gesagt: Siehe, ungeachtet aller meiner Macht, kann ich nicht erhalten, daß der Tod nur eine Stunde länger mir zu- warte. Wenn einmal das Lebensende gekommen ist, läßt es sich keinen Augenblick verschieben. „Du hast sein Ziel gesetzt, welches nicht über- schritten werden darf.“ (Job 14,5) Lebe demnach, mein lieber Leser, alle Jahre, die du noch hoffest, in Erwartung, daß ein Tag kommen werde und an diesem Tage eine Stunde, welche für dich die letzte sein wird. Für mich, der ich jetzt schreibe, für dich, der du dieses Büchlein liesest, ist schon der Tag und der Augenblick bestimmt, wo ich nicht mehr schreiben werde, und wo du nicht mehr lesen wirst. „Welcher Mensch, der da lebt, wird den Tod nicht sehen?“ (Ps 88,49) Das Urteil ist schon erfolgt. Es gab nie einen so törichten Menschen, der sich geschmeichelt hätte, niemals sterben zu dür- fen. Was unseren Voreltern begegnet ist, wird auch uns begegnen. Siehe, von so vielen – als im Anfange des vergangenen Jahrhunderts in unserm Vaterlande lebten – ist kein einziger mehr am Leben. Auch die Fürsten, die Beherrscher der Welt, kamen in ein anderes Land; von ihnen blieb nichts übrig, als ein prächtiges Grab von Marmor mit einer schönen Inschrift, wel- che uns heute zur Lehre dient, daß von den Großen der Welt nichts übrig bleibt, als eine Handvoll zwischen Steinen verborgenen Staubes. Der heilige Bernardus fragt: „Sage mir, wo sind die Liebhaber der Welt?“ und er antwortet: „Nichts blieb von ihnen, als Asche und Würmer.“ – Wir müssen daher nicht für jenes Glück Sorge tragen, das ein Ende nimmt, sondern für jenes, das ewig sein wird; denn ewig werden unsere Seelen sein. Was würde es euch nützen, glücklich zu sein (insofern es für eine Seele, die oh- ne Gott ist, eine Glückseligkeit geben kann), wenn ihr für die ganze Ewigkeit würdet unglücklich werden? Ihr habt dies Haus zu eurer vollen Zufriedenheit aufgebaut; bedenket aber, daß ihr es bald werdet verlassen, und in einer Grube werdet verwesen müssen. Ihr habt jene Würde erlangt, die euch über andere erhebt; allein es wird der Tod kommen, der euch dem geringsten Bauern der Welt gleich machen wird.

Anmutungen und Bitten

O ich armseliger Mensch, der ich so viele Jahre nur daran dachte, dich, o Gott meiner Seele, zu beleidigen! Siehe, diese Jahre sind schon vorüber, der Tod ist mir vielleicht nahe, und was finde ich anderes, als Pein und Ge- wissensbisse? O hätte ich dir, meinem Herrn, immer gedient! Wie töricht war ich! Ich lebte auf dieser Welt schon viele Jahre, und anstatt mir für das andere Leben Verdienste zu erwerben, habe ich mich mit Schulden vor deiner göttlichen Gerechtigkeit beladen. Mein lieber Erlöser, gib mir jetzt Licht und Kraft, die Schulden abzutragen. Der Tod ist vielleicht nicht fern von mir. Ich will mich auf diesen wichtigen, über mein ewiges Glück oder Unglück entscheidenden Augenblick vorbereiten. Ich danke dir, daß du mir bisher zugewartet hast. Und da du mir die Zeit lassest, das verübte Böse gut zu machen, so siehe auf mich, mein Gott, sage mir! was ich für dich tun soll. Willst du, daß ich die dir zugefügten Beleidigungen bereue ? Ich be- reue sie und habe von ganzer Seele daran Mißfallen. Verlangst du, daß ich diese Tage und Jahre, die mir noch übrig sind, in Liebe zu dir zubringe? Ja, ich will es tun. O Gott! Auch vorher habe ich öfters beschlossen, dies zu tun; allein meine Versprechen werden zu Verrätereien! Nein, mein Jesu, ich will nicht mehr undankbar sein für so viele Gnaden, die du mir erwiesen hast! Wenn ich nicht einmal jetzt das Leben ändere, wie werde ich im Tode Verzeihung und den Himmel hoffen dürfen? Siehe, ich mache nun den fes- ten Entschluß, mich in der Tat deinem Dienste zu widmen. Du aber gib mir Stärke, verlasse mich nicht. Du hast mich nicht verlassen, als ich dich beleidigte, daher hoffe ich desto mehr auf deine Hilfe, da ich mir jetzt vornehme, dir zu gefallen, alles zu verlassen. Genehmige also, daß ich dich, o un- endliche Liebe würdiger Gott! liebe. Nimm auf den Verräter, der jetzt mit Reue deine Füße umfaßt, dich liebt und um Barmherzigkeit bittet. Ich liebe dich, o mein Jesu! ich liebe dich von ganzem Herzen, ich liebe dich mehr, als mich selbst. „Siehe, ich bin dein. „ Schalte mit mir und allem, was mein ist, nach deinem Belieben. Gib mir die Beharrlichkeit im Gehorsam gegen dich, gib mir deine Liebe und tue dann mit mir, was du willst. — Maria, meine Mutter, meine Hoffnung und Zuflucht, dir empfehle ich mich, dir überge- be ich meine Seele, bitte Jesum für mich!

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