Tradition und Glauben

Hl. Alphons Maria von Liguori, Vorbereitung zum Tode (11)

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4. Betrachtung

Gewißheit des Todes

2. Punkt

Es ist bestimmt, – es ist also gewiß, daß wir alle zum Tode verurteilt sind.

„Alle werden wir geboren – sagt der heilige Cyprianus – mit dem Strange um den Hals, und so viele Schritte wir machen, umso näher kommen wir dem Tode.“ Mein Bruder, so wie du einst in das Taufbuch eingeschrieben wurdest, ebenso wirst du einst ins Totenbuch eingeschrieben werden. So wie du jetzt deine Voreltern nennest, mein Vater, mein Oheim, mein Bruder seligen Andenkens, so werden die Nachkömmlinge auch von dir reden. So wie du öfters für andere die Sterbeglocke läuten hörtest, so werden sie auch die anderen für dich ertönen hören. – Allein was würdest du sagen, wenn du einen zum Tode Verurteilten auf den Richtplatz gehen, ihn scherzen, lachen, ringsumher schauen, mit den Gedanken an Schauspiele, Bälle und Possen beschäftigt sehen würdest? Und du, gehst du nicht jetzt schon dem Tode zu, an was denkest denn du? Schaue also in diesen Gräbern diese deine Freunde und Verwandte an, denen schon Gerechtigkeit wider- fahren ist. Welcher Schrecken befällt die zum Tode Verurteilten, wenn sie ihre Kameraden schon am Galgen hängen und tot sehen! Schaue also diese Leichname an, deren jeder zu dir sagt: „Mir gestern und dir heute.“ (Eccl 38,23) Ebendasselbe sagen auch die Abbildungen eurer verstorbenen Anverwandten, ihre Erinnerungsbücher, die von ihnen hinterlassenen Häuser, Betten und Kleider. Wenn man also weiß, daß man sterben muß, und daß uns nach dem Tode eine freudenreiche oder peinvolle Ewigkeit zuteil werde; wenn man bedenkt, daß es von jenem Augenblicke abhängt, ob man ewig glücklich oder ewig unglücklich werde – wie groß ist dann die Torheit, wenn man nicht daran denkt, Richtigkeit zu treffen, und alle Mittel zu ergreifen, eines guten Todes zu sterben? Wir bedauern jene, die plötzlich sterben und die man zum Tode nicht vorbereitet findet, und wir, warum sorgen denn wir nicht dafür, daß wir bereitet seien, indem uns Gleiches widerfahren kann? Doch früher oder später, erwartet oder unerwartet, wir mögen daran denken oder nicht, werden wir sterben müssen; und mit jeder Stunde, mit jedem Augenblicke rücken wir unserem Ende näher, unwissend, welche die letzte Krankheit sein werde, die uns aus der Welt verstoßen wird. Zu jedem Zeitalter werden die Häuser, Plätze und Städte mit neuen Menschen besetzt und die vorigen hat man bereits ins Grab verstoßen. So wie für diese die Lebenstage geendet haben, ebenso wird die Zeit kommen, wo weder ich, noch ihr, noch von allen, die wir da leben, auf dieser Erde jemand leben wird. „Es werden Tage gestaltet und niemand in ihnen.“ (Ps 138,16) Zu je- ner Zeit werden wir alle in der Ewigkeit sein, welche für uns entweder ein ewiger Tag der Wonne, oder eine ewige Nacht der Qualen sein wird. Da gibt es keinen Mittelweg; ja es ist gewiß und zuverlässig, daß uns das eine oder das andere Los treffen wird.

Anmutungen und Bitten

Mein geliebter Erlöser, ich würde es nicht wagen, vor Dir zu erscheinen, wenn ich dich nicht an jenem Kreuze hängend, zerfleischt, verhöhnt und für mich gestorben sähe. Groß war mein Undank, doch größer ist deine Barmherzigkeit. Groß waren meine Sünden, doch größer sind deine Verdienste. Deine Wunden, dein Blut, dein Tod sind meine Hoffnung. Ich verdiente die Hölle vom Augenblick meiner ersten Sünde an; darauf wiederholte ich so oft die Beleidigungen wider Dich, und du hast mich nicht nur beim Leben erhalten, sondern mich mit so großer Barmherzigkeit und mit so vieler Liebe gerufen, mir Verzeihung und Frieden angeboten. Wie soll ich jetzt fürchten, daß du mich von dir weisest, da ich dich nun liebe und nichts als deine

Gnade verlange ? Ja, ich liebe dich mit meinem ganzen Herzen, o mein gütiger Herr! und wünsche nur, dich zu lieben. Ich liebe dich und bereue, dich verachtet zu haben, nicht ’so sehr der Hölle wegen, die ich verdiente, sondern vielmehr, weil ich dich, meinen Gott, der du mich so lieb hattest, beleidigte. Wohlan mein Jesu! öffne mir den Schoß deiner Güte! häufe Barmherzigkeit über Barmherzigkeit. Mache, daß ich dir nicht mehr undankbar werde und verändere mein Herz ganz und gar. Gib, daß mein Herz, das einst deine Liebe gar nicht achtete und sie gegen die elenden Freuden die- ser Welt vertauschte, jetzt ganz dein sei, und in beständiger Liebesbrunst für dich entbrenne. Ich hoffe, für immer in den Himmel zu kommen, um dich zu lieben; dort werde ich zwar nicht unter den Unschuldigen Platz nehmen können, es wird mich treffen, unter den Büßern zu sein; jedoch unter diesen will ich dich mehr als die Unschuldigen lieben. Zur Ehre deiner Barmherzigkeit soll das Paradies einen Sünder, der dich so oft beleidigte, von großer Liebe entflammt sehen. Ich nehme mir von heute an vor, ganz dein zu sein und an nichts zu denken, als dich zu lieben. Stehe du mir mit deinem Lichte und mit deiner Gnade bei; sie gebe mir Stärke, diesen meinen Wunsch zu erfüllen, den du mir durch deine Güte selbst eingibst. — O Maria! die du die Mutter der Beharrlichkeit bist, erflehe mir, daß ich diesem meinen Versprechen treu bleibe.

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