*Gratis Unser Archiv: Vorbereitung zum Tode

Hl. Alphons Maria von Liguori, Vorbereitung zum Tode (15)

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5. Betrachtung

Ungewißheit der Stunde des Todes

2. Punkt

Der Herr will uns nicht verloren sehen und unterläßt daher nicht, uns mit Androhen der Züchtigung zur Änderung des Lebens zu ermahnen: „Wenn ihr euch nicht bekehret, so wird er sein Schwert schwingen“. (Ps. 7,13) Schauet, sagt er in einer andern Stelle, wie viele – weil sie das schlechte Leben nicht aufgeben wollten – der Tod überfiel, während sie es am mindesten sich einbildeten und ruhig dahin lebten, sicher, daß sie noch viele Jahre zu leben hätten! „Indem sie nur von Frieden und Sicherheit reden werden, wird sie unversehens das Verderben überfallen.“ (1 Thess 5,3) Anderswo sagt er: „Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auf gleiche Weise zu Grunde gehen“. Wozu so viele Ankündigungen der Züchtigung, ehevor sie über uns verhängt werden, als nur deswegen, weil er will, daß wir uns bessern und so dem üblen Tode entgehen; Wer da sagt: Gib acht! ist nicht Willens, dich umzubringen; sagt der heilige Augustinus: „Jener will dich nicht töten, der dir zuruft: Sei auf der Hut.“ Es ist also notwendig, daß man die Rechnungen berichtige, ehe der Tag der Rechenschaft anbricht. Mein Christ, wenn du heute vor der Nacht sterben müßtest und es sich um dein ewiges Leben zu entscheiden hätte, was sagst du? Fändest du die Rech- nungen in Richtigkeit? Oder wie viel würdest zu zahlen, um von Gott noch eine Frist von einem Jahre, von einem Monate oder wenigstens von einem Tage zu erhalten? Und warum bringst du nicht jetzt, da Gott diese Frist dir gibt, dein Gewissen in Ordnung? Kann etwa dieser Tag nicht der Letzte für dich sein? Verziehe nicht, dich zu dem Herrn zu bekehren, verschiebe es nicht von einem Tage zum andern; denn sein Zorn wird plötzlich kommen und zur Zeit der Rache dich zu Grund richten“. (Eccl 5,9) Um dich zu retten, mußt du, mein Bruder, die Sünden lassen. Wenn du sie also einmal verlas- sen mußt, warum verlassest du sie nicht jetzt? „Wenn es doch einmal sein muß, warum nicht bald?“ also der heilige Augustinus. Wartest du vielleicht, bis der Tod kommt? Allein, die Zeit des Todes ist für Hartnäckige nicht eine Zeit der Verzeihung, sondern der Rache. „Er wird dich zur Zeit der Rache zu Grunde richten.“ Schuldet dir jemand eine große Summe, so versicherst du dich alsogleich, indem du dir eine Schuldverschreibung geben lassest und sagst: Wer weiß, was geschehen kann? und warum brauchst du nicht gleiche Vorsicht für deine Seele, an welcher doch weit mehr gelegen ist, als an jeder Summe? Warum sagst du nicht eben dasselbe: wer weiß, was ge- schehen kann? Durch den Verlust jener Summe kämest du nicht um alles, und wenn schon durch deren Verlust dein ganzes Erbteil dahin ist, so bleibt dir doch die Hoffnung, es wieder zu erwerben. Verlierst du aber im Tode deine Seele, dann hast du wahrlich alles verloren und es wird für dich keine Hoffnung mehr sein, sie wieder zu erhalten. Du bist so fleißig in Aufzeichnung der Güter, die du besitzest, aus Furcht, sie möchten, falls dich ein un- erwarteter Todesfall überraschen sollte, verloren gehen: und erfolgt dieser unversehene Todesfall an dir und befindest du dich in der Ungnade Gottes – wie wird es dann mit deiner Seele in alle Ewigkeit stehen?

Anmutungen und Bitten

Ach, mein Erlöser! du gabst für mich all dein Blut; dein Leben gabst du hin, um meine Seele zu retten und ich habe dieselbe so oft in der Hoffnung auf deine Barmherzigkeit verloren! Also machte ich so oft von deiner Barmher- zigkeit Gebrauch, und wozu ? Um dich noch mehr zu beleidigen. Eben deswegen verdiente ich, daß du mich sogleich sterben und in die Hölle fal- len ließest. Kurz, ich war mit dir im Wettstreit, du mit Übung der Barmherzigkeit gegen mich und ich mit Beleidigungen gegen dich; du suchtest mir nachzugehen, ich suchte dich zu fliehen: du wolltest mir Zeit zur Rettung geben, ich wollte mich derer bedienen, um Unbilden auf Unbilden zu häufen. Herr! laß mich das Unrecht erkennen, das ich dir zufügte und die Pflicht, die mir obliegt, dich zu lieben. Ach, mein Jesus! wie konnte ich dir denn so sehr gefallen, daß du mir nachgegangen bist, als ich dich hinwegstieß? Wie konntest du dem so viele Gnaden erweisen, der dir so viele Beleidigungen zufügte? Aus allen diesen ersehe ich, wie sehr du wünschest, mich nicht verloren zu sehen. Ich bereue es von ganzem Herzen, dich, o unendliche Güte! beleidiget zu haben. Ach, nimm dies undankbare Schäflein auf, das mit Reue zu deinen Füßen zurückkehrt, nimm es auf und halte es fest auf deinen Schultern, damit es dir nicht wieder entweiche. Nein, nicht ferner will ich dir entfliehen; lieben will ich dich, dein zu sein verlange ich und ich bin mit allen Leiden zufrieden, wenn ich nur sehe, daß ich dein bin. Und welch größeres Leiden könnte über mich kommen, als ohne deine Gnade und von dir getrennt zu leben, der du mich erschaffen hast und für mich gestorben bist? O verfluchte Sünden, was habt ihr getan! Ihr seid schuld, daß ich meinen Heiland beleidigte, der so sehr mich geliebt hat.

Ach mein Jesu! gleichwie du für mich gestorben bist, ebenso soll auch ich für dich sterben: du aus Liebe, ich aus Schmerz dich verachtet zu haben. Ich nehme den Tod an, wie und wann es dir gefällt; allein bisher habe ich dich nicht geliebt oder ich liebte dich allzu wenig; so aber möchte ich nicht sterben. Ach, lasse mich noch einige Zeit leben, damit ich dich liebe, ehe ich sterbe; verändere mein Herz, verwunde es: entzünde es mit deiner Lie- be, bewirke es durch jene Liebe, mit der du für mich gestoben bist. Ich liebe dich mit meiner ganzen Seele. Meine Seele lebt ganz für dich. Gib nicht zu, daß ich dich wieder verliere. – O heiligste Jungfrau Maria, meine Zuflucht und Mutter, sei meine Fürsprecherin!

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