Hl. Alphons Maria von Liguori, Vorbereitung zum Tode (2)

Das Buch vom hl. Alphons ist keine theoretische Lektüre, sondern eine Anleitung und ein Übungsbuch. Sie müssen alle diese Betrachtungen wirklich durchführen, um ihre Früchte kosten zu dürfen. Versuchen Sie also, sich so plastisch wie möglich all das auszumalen, wovon der Heilige unten schreibt. Es gibt keine Todesvorbereitung, sondern die sog. “Sterbebegleitung” der kurzgeschorenen Pastoralassistentinnen mit der “richtigen” Ausbildung. Aber das Sterben braucht gar nicht begleitet zu werden, da es ohnehin automatisch stattfindet. Der Mensch soll zur Reue, Beichte und Buße geführt werden, indem man ihm die Schrecken der Hölle vor Augen stellt. Auf manche hat es gewirkt, auf andere nicht, jetzt wird es nicht einmal versucht, sodass zahllose Seelen in die Hölle gehen, wo man aber im Augenblick des Todes noch etwas drehen könnte. Der Teufel spielt ein langfristiges Spiel, denn sein Lohn ist es die Seele in Ewigkeit in der Hölle martern zu können. Wahrscheinlich ist auch dadurch der Wohlstand in der westlichen, aber eigentlich auf der ganzen Welt zu erklären. Weil Gott gut ist, so belohnt er das wenige Gute, das die Menschen tun durch das Wohlergehen in diesem Leben, weil er sie in der Ewigkeit nicht mehr belohnen kann.

                                                                      Betrachtung

Schilderung eines vor kurzem ins andere Leben übergegangenen Menschen.

„Du bist Staub und sollst zum Staube wiederkehren.“ (Gen 3,19)

1.  Punkt

Gedenke, daß du Erde bist und zur Erde wiederkehren wirst. Es wird ein Tag kommen, an dem du sterben und in einer Grube dich befinden, wo du vermodern und mit Würmern bedeckt werden wirst. „Motten werden deine Decke sein.“ (Jes 14, 11) Alle wird ein und dasselbe Schicksal treffen; Vornehme und Gemeine, Fürsten und Untertanen. Sobald bei jener letzten Öffnung des Mundes die Seele vom Leibe geschieden sein wird, wird die Seele in ihre Ewigkeit, und der Leib in Staub übergehen. „Du wirst ihnen den Atem nehmen und sie werden vergehen und wieder in ihren Staub zurückkehren.“ (Ps 103, 30)

Stelle dir vor, du sehest eine Person, die vor einer kurzen Zeit den Geist aufgegeben hat. Betrachte an diesem Leichname, der sich noch im Bette befindet, das auf die Brust gesenkte Haupt, die Haare verwirrt und vom Todesschweiße noch triefend, die Augen eingefallen, die Wangen abgezehrt, das Gesicht aschfarbig, die Lippen und Zunge eisengrau, der Leib kalt und schwer. Wer ihn ansieht, erblaßt und zittert. Viele haben beim Anblick eines verstorbenen Verwandten oder Freundes ihr Leben geändert und die Welt verlassen.

Größeren Schauder noch erregt der Leichnam, wenn er zu verwesen beginnt. Es sind kaum vierundzwanzig Stunden vergangen, seitdem dieser Jüngling verschieden ist, so läßt sich schon der Gestank riechen. Man muß die Fenster öffnen und viel Rauchwerk verbrennen, man muß schnell in die Kirche schicken, um ihn unter die Erde zu bringen, damit nicht das ganze Haus erkranke. Und daß dies der Leib eines Vornehmen war, dient vielleicht zu nichts anderem, als dazu, daß er einen desto unerträglicheren Geruch von sich gibt. Ärger riechen die Leichname der Reichen, sagt irgendein Schriftsteller.

Siehe, wo ist dieser Stolze, dieser Wüstling hingekommen! Früher in Gesellschaftszirkeln willkommen und erwünscht, ist er jetzt jedem, der ihn sieht, zum Schrecken und Abscheu geworden. Daher beeilen sich die Verwandten, ihn aus dem Hause zu schaffen, und bezahlen die Träger, damit sie ihn in einen Sarg verschlossen hinwegtragen und in eine Grube werfen. Früher rühmte man überall seinen Witz, seine Artigkeit, sein einnehmendes Wesen und seine guten Einfälle; über ein kurzes aber, nachdem er gestorben ist, verliert sich die Erinnerung an ihn. „Ihr Andenken ist mit einem Geräusche untergegangen.“ (Ps 9,7)

Bei der Nachricht von seinem Tode sagt der eine: Dieser hat sich Ehre gemacht; der andere: Er hinterließ sein Haus wohlbestellt; diese trauern darüber, weil ihnen der Verblichene irgendeinen Vorteil gewährte, jene freuen sich, indem ihnen sein Tod Nutzen schafft. Übrigens wird bald niemand mehr von ihm reden. Und gleich anfangs wollen die nächsten Anverwandten nicht mehr von ihm sprechen hören, damit ihr Schmerz nicht erneuert werde. In den Beileidsbesuchen bespricht man sich über andere Sachen, und läßt jemand die Rede auf den Verstorbenen fallen, so sagt der Verwandte zu ihm, ich bitte um Himmels willen, nenne mir ihn nicht mehr! Bedenke, daß, so wie du beim Tode deiner Freunde und Verwandten dich benehmen wirst, auch andere gegen dich sich betragen werden. Es treten die Lebenden bei diesem Auftritte ein, nur um zu erscheinen und von den Gütern und der Wohnung des Verstorbenen Besitz zu nehmen, und auf den Toten achtet und lenkt man die Rede wenig oder gar nicht mehr. Anfangs werden die Verwandten einige Tage lang betrübt sein, bald aber werden sie sich mit den ihnen zugefallenen Sachen trösten, so daß sie sich in Kürze über den Tod eher erfreuen werden, und im nämlichen Zimmer, wo du wirst verschieden und von Jesu Christo gerichtet worden sein, wird man tanzen, essen, spielen und lachen wie zuvor. Und deine Seele – wo wird sie dann sein?

Anmutungen und Bitten

O Jesu, mein Erlöser! ich danke dir, daß du zur Zeit, als ich in deiner Ungnade lebte, mich nicht sterben ließest. Wie viele Jahre lang verdiente ich in der Hölle zu sein! Wäre ich an jenem Tage in jener Nacht gestorben, wie stände es um mich in alle Ewigkeit? Herr, ich danke dir dafür. Ich nehme meinen Tod an zur Genugtuung für alle meine Sünden, und nehme ihn an, so wie es dir gefallen wird, ihn über mich zu verhängen; da du aber bisher meiner harrtest, so warte noch ein wenig auf mich. Laß mich also meinen Schmerz nur ein wenig beweinen. Gib mir Zeit, über die Beleidigungen, die ich dir zufügte, zu weinen, ehe du mich richten wirst. Ich will deiner Stimme nicht mehr widerstehen. Wer weiß, ob diese Worte, die ich las, nicht der letzte Zuruf für mich seien! Ich bekenne, daß ich nicht Barmherzigkeit verdiene, du hast mir so oft verziehen, und ich Undankbarer beleidigte dich neuerdings. „Ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten. „ (Ps 50) Da du, o Herr, ein Herz, das sich gedemütiget und voll der Reue ist, nicht verschmähen kannst, so schaue doch auf den Sünder, der reumütig sich zu dir wendet. „Verstoß mich nicht von deinem Angesichte” und treibe mich nicht hinweg. Du hast ja gesagt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht verstoßen.” (Joh 6,37) Es ist wahr, ich beschimpfte dich mehr, als andere, weil ich von dir mit mehr Licht und Gnaden beschenkt wurde, als andere; allein das Blut, welches du für mich vergossen hast, gibt mir Mut, und bietet mir Verzeihung an, wenn ich Reue habe. Ja, mein höchstes Gut, es reuet mich aus ganzer Seele, dich verachtet zu haben. Verzeihe mir und gib mir die Gnade, in Zukunft dich zu lieben. Ich habe dich oft genug beleidiget. Mein übriges Leben, mein Jesu! will ich nicht mehr zubringen, um dich zu beleidigen, sondern bloß um die dir zugefügten Beleidigungen zu beweinen, und dich unendlicher Liebe würdigen Gott aus ganzem Herzen zu lieben. – O Maria, meine Hoffnung, bitte Jesum für mich.

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