Tradition und Glauben

Hl. Alphons Maria von Liguori, Vorbereitung zum Tode (21)

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6.  Betrachtung

Tod des Sünders

3. Punkt

O wichtige Sache! Gott bedroht die Sünder so oft mit einem bösen Tode. Alsdann werden sie mich anrufen; ich werde sie aber nicht erhören. (Spr 1,19) Wird Gott sein Geschrei erhören, wenn Angst über ihn kommt? (Job 27,6) Ich will zu eurem Untergange lachen und eurer spotten. (Das Lachen Gottes heißt so viel, als sich nicht erbarmen wollen.

S. Greg.) Mein ist die Rache und ich will vergelten zu seiner Zeit, auf daß ihr Fuß wanke. (Dtn 32,35)

Und in so vielen anderen Stellen droht er ihnen – und die Sünder leben so ruhig und sicher dahin, als hätte ihnen Gott für die Sterbezeit die Verzeihung und den Himmel ganz gewiß versprochen! Es ist wahr, in was immer für einer Stunde der Sünder sich bekehrt, hat ihm Gott Vergebung verheißen; allein er sagte nicht, daß sich der Sünder im Tode bekehren würde, er beteuerte vielmehr öfters, wer in der Sünde lebt, werde in der Sünde sterben. – Ihr werdet in eurer Sünde sterben. (Joh 8,21) Sterben werdet ihr in euren Sünden. (Joh 8,24) Er sagte, wer ihn erst im Tode suchen wird, werde ihn nicht finden. Ihr werdet mich suchen und nicht finden. (Joh. 7,

34) Daher muß man Gott aufsuchen, wenn man ihn auffinden kann: Suchet den Herrn, da man ihn finden kann. (Jes 55,6) Jawohl; denn es wird eine Zeit geben, wo man ihn nicht wird finden können. Arme Sünder! arme Blin- de! die ihr es auf die Sterbestunde verschiebet, euch zu bekehren, wo nicht mehr Zeit sein wird zur Bekehrung! Oleaster sagt: Nie lernten die Gottlosen Gutes tun, außer wenn es nicht mehr Zeit ist, Gutes zu tun. Alle will Gott retten; doch die Hartnäckigen straft er!

Wenn irgend ein Elender, der in der Sünde sich befindet, vom Schlagflusse getroffen, der Sinne beraubt würde, welches Mitleiden würde er in allen rege machen, da sie ihn ohne Sakramente und ohne Zeichen von Reue sterben sehen! Und wie froh wäre dann jeder, wenn jener wieder zu sich kommen, um die Lossprechung bitten und Akte der Reue machen würde! Ist der aber nicht töricht, welcher, obwohl er Zeit hat es zu tun, immer im Stande der Sünde verbleibt! Oder wird wohl der, welcher im Sündigen fortfährt ungeachtet der Todesgefahr, im Tode sich wirklich ändern? Ist es nicht furcht- bar, jemand jählings sterben zu sehen? und begeben sich nicht dennoch so viele freiwillig in die Gefahr eines solchen Todes, eines Todes in der Sünde!

Ein Gewicht und eine Waage sind des Herrn Gerichte. (Spr 16,11) Wir berechnen nicht die Gnaden, die der Herr uns erweist; der Herr aber führt Rechnung darüber und wiegt sie, und wenn er sie bis auf eine gewisse Zeit gering geschätzt sieht, so überläßt er den Sünder seinen Sünden und läßt ihn so sterben. O wie armselig ist jener, der die Buße bis auf den Tod verschiebt! „Die Buße, die von einem Kranken verlangt wird, ist krank!“ sagt der heilige Augustinus. (Sermo 57, de temp.) Der heilige Hieronymus sagt:

„Von hunderttausend Sündern, die bis zum Tode in der Sünde verbleiben, wird kaum Einer selig werden; von Hunderttausenden, deren Leben schlecht war, verdient kaum ein einziger von Gott die Verzeihung“. (S Hieronymus in Ep. Eus. de morte ejus.)

Der heilige Vincentius Ferrerius sagt (Sermo 1, de Nat. Virg.): „Ein größeres Wunder ist es, wenn solche, die einen schlechten Lebenswandel führen, gut sterben, als wenn man Tote erwecken würde. Welchen Schmerz, welche Reue wird jener im Tode über die Sünde empfinden, der bis dahin die Sünde geliebt hat?“ Bellarmin erzählt, daß er einst zu einem Sterbenden kam, um ihm beizustehen, und da er ihn zu einem Akte der Reue ermahnte, so habe ihm jener geantwortet, er wüßte nicht einmal, was Reue wäre. Bellarmin suchte es ihm zu erklären; allein der Kranke sagte: „Pater, ich verstehe Sie nicht, solche Sachen begreife ich nicht“. Und so starb er mit offenbaren Zeichen seiner Verdammung, wie Bellarmin schriftlich hinterließ.

„Ganz billig wird der Sünder damit bestraft – sagt der heilige Augustinus – daß er sterbend sich selbst vergesse, da er lebend auf Gott vergessen hat.“ (Sermo 10, de sanct.) Irret nicht, Gott läßt seiner nicht spotten. Denn was der Mensch säen wird, das wird er auch ernten; wer im Fleische säet, der wird von dem Fleische das Verderben ernten, ermahnt uns daher der Apostel. (Gal 6,7) Das hieße Gott verspotten: In Verachtung seiner Gebote leben und dann Lohn und ewige Herrlichkeit von ihm ernten wollen. Gott läßt seiner nicht spotten! Was man in diesem Leben säet, erntet man im andern. Wer verbotene Fleischeslust säet, den trifft nichts anderes, als Verderben, Elend und ewiger Tod.

Mein Christ, was man für andere sagt, sagt man auch für dich. Sage mir, wenn du nun auf dem Punkte wärest, wo die Ärzte alle Hoffnung für dich bereits schon aufgegeben hätten; wenn du der Sinne beraubt und schon in der Todesangst wärest: wie sehr würdest du dann Gott bitten, er möchte dir noch einen Monat, noch eine Woche Zeit lassen, um dein Gewissen in Ordnung zu bringen! Und Gott gibt dir jetzt diese Frist; danke ihm und mache sogleich das begangene Böse gut, ergreife alle Mittel, um dann im Stande der Gnade zu sein, wann der Tod kommt; denn alsdann wird keine Zeit zur Abhilfe mehr sein.

Anmutungen und Bitten

Ach mein Gott! wer hätte wohl so viel Geduld mit mir gehabt, als du gehabt hast? Wäre deine Güte nicht unendlich, so würde ich an der Verzeihung verzweifeln. Doch ich habe es mit einem Gott zu tun, der darum gestorben ist, um mir zu verzeihen und mich selig zu machen. Du befiehlst mir, daß ich hoffe, und ich will hoffen. Wenn mich meine Sünden schrecken und verdammen, so geben mir deine Verdienste und deine Verheißungen neuen Mut. Du sichertest dem, der zu dir wiederkehrt, das Leben deiner Gnade zu: Bekehret euch und lebet. (Ez 18,52) Du versprachst den zu umarmen, der zu dir sich wendet. Bekehret euch zu mir, so will ich mich zu euch kehren. (Zach 1,7) Du sagtest, du könntest den nicht verschmähen, der sich verdemütigt und reuig ist. Gott! du wirst ein zerknirschtes und ge- demütigtes Herz nicht verachten. (Ps 50)

Siehe mich, o Herr! ich kehre zu dir zurück, zu dir wende ich mich; ich bekenne, tausendmal die Hölle zu verdienen und bereue es, dich beleidigt zu haben. Ich verspreche dir, dich nicht mehr beleidigen und dich immer lieben zu wollen. Ach, laß mich für so viele Güte nicht mehr undankbar sein! Ewiger Vater! um der Verdienste Jesu Christi willen, der da starb, um dir zu gehorchen, mache, daß ich bis zum Tode deinem Willen gehorsam sei. Ich liebe dich, o höchstes Gut! und aus Liebe, die ich zu dir fasse, will ich in allem dir Gehorsam leisten. Gib mir die heilige Beharrlichkeit; schenke mir deine Liebe, und nichts anderes verlange ich mehr. – Maria, meine Mutter, bitte für mich!

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