hl. Alphons Maria von Liguori, Vorbereitung zum Tode (3)

Der hl. Alphons von Liguori stellt uns die Verwesung vor Augen, die wirklich jeden trifft. Man kann nicht vorsorgen, indem man sich zu Lebzeiten und sein Aussehen oder seine Gesundheit kümmert. Wenn sogar große Heilige sich vor Lebensende zurückzogen, um sich auf den Tod vorzubereiten, was blüht erst uns, den armen Würmern?

                                                          Betrachtung

Schilderung eines vor kurzem ins andere Leben übergegangenen Menschen.

2.  Punkt

Um aber besser zu sehen, was du seiest, mein Christ, so gehe, sagt der heilige J. Chrysostomus, zum Grabe hin, betrachte den Staub, die Asche, die Würmer und seufze. Sieh wie jener Leichnam zuerst gelb und dann schwarz wird. Sodann zeigt sich auf dem ganzen Leibe weißer und ekelhafter Schimmel, hierauf rinnt schleimiges und stinkendes Eiter hervor, das auf die Erde herabträufelt. Bei dieser Verwesung erzeugt sich dann eine Menge Würmer, die vom nämlichen Fleische sich nähren. Zu diesen gesellen sich Ratten, um an jenem Leichname sich zu weiden, indem die einen von außen umherlaufen, und die anderen in den Mund und in die Eingeweide hineinkriechen. Da zerfallen stückweise die Wangen, Lippen und Haare, zuerst entfleischen sich die Rippen, dann die Arme und Schenkel. Nachdem die Würmer alles Fleisch verzehrt haben, zehren sie endlich einander selbst auf, und zuletzt bleibt von jenem Körper nichts übrig, als ein stinkendes Gerippe, welches mit der Zeit sich auflöst, indem die Knochen sich trennen, und der Kopf vom Rumpfe fällt. „Sie wurden zermalmet und einem Staube auf der Tenne im Sommer gleich, den der Wind hinwegführt.“ (Dan 2,85) – Siehe da, was der Mensch ist! Eine Handvoll Staub ist er, den der Wind wie aus einer Tenne wegwehet.

Schauet jenen Adeligen an, welcher die Lust, die Seele der Gesellschaft genannt war; wo ist er? Gehet in sein Zimmer, er ist nicht mehr darin. Wenn ihr sein Bett suchet, ist es andern gegeben worden, seine Kleider und Waf- fen haben schon andere fortgenommen und verteilt. Wollt ihr ihn sehen, so gehet zu jener Grube hin, wo er in Unflat und entfleischtes Gebein verwan- delt ist. O Gott! dieser mit so vielen Wollüsten genährte, mit so großer Pracht bekleidete, von so vielem Gesinde bediente Leib ist jetzt in solchem Zustande. Ihr, o Heilige, wäret wohl klug, da ihr aus Liebe zu jenem Gott, den ihr allein auf dieser Welt liebtet, eure Leiber abzutöten wußtet, und jetzt sind eure Gebeine als heilige Reliquien in Gold gefaßt und hochgeschätzt, und eure schönen Seelen genießen Gott, dem jüngsten Tage entgegenharrend, an dem auch eure Leiber hervorkommen werden, um Mitgenossen der Herrlichkeit zu werden, so wie sie in diesem Leben Mitgenossen des Kreuzes waren. Dies ist die echte Liebe zum Leibe, ihn hienieden mit Mißhandlungen zu beladen, damit er in der Ewigkeit glücklich werde, und ihm jene Vergnügungen zu versagen, die ihn ewig unglücklich machen würden.

Anmutung und Bitten

Dies ist’s also, mein Gott, was aus meinem Leibe werden wird, durch den ich dich so oft beleidigt habe! Ach! Würmer und Fäulnis! Doch ich betrübe mich nicht, o Herr! es ist mir vielmehr lieb, daß dies mein Fleisch so verwesen und verzehrt werden wird, durch das ich dich, mein höchstes Gut, verloren habe. Was mich betrübt, ist, daß ich – anstatt mir diese elenden Ver- gnügen zu versagen, dir so viel Mißvergnügen verursachte. Aber ich will kein Mißtrauen auf deine Barmherzigkeit setzen. Du harrtest auf mich, um mir zu verzeihen! „ Es wartet der Herr, daß er sich euer erbarme“ (Jes 30, 18), und du willst mir vergeben, wenn ich reumütig bin. Ja, aus ganzem Herzen bereue ich es, daß ich dich, o unendliche Güte! verachtet habe. Mit der heiligen Katharina von Genua will ich zu dir sagen: „Mein Jesu, keine Sünden mehr, keine Sünden mehr!“ Nein, nimmermehr will ich deine Geduld mißbrauchen, und nicht so lange zögern, dich, meine gekreuzigte Liebe zu umarmen, bis du mir in meinem Tode vom Beichtvater wirst gegeben werden; von jetzt an umarme ich dich, von nun an empfehle ich dir meine Seele. „In deine Hände, o Herr! empfehle ich meinen Geist“. Meine Seele war so viele Jahre auf der Welt, und liebte dich nicht; gib mir Licht und Stärke, auf daß ich in dem mir noch übrigen Leben dich liebe. Ich will es nicht auf die Todesstunde verschieben, dich zu lieben; von diesem Augen- blicke an umarme und schließe ich mich an dich, und verspreche, dich nicht mehr zu verlassen. O heiligste Jungfrau, verbinde mich mit Jesu Christo, und erlange mir, daß ich ihn nicht mehr verliere.

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