"Vorbereitung zum Tode" Unser Archiv:

hl. Alphons Maria von Liguori, Vorbereitung zum Tode (4)

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Es gibt doch tatsächlich eine Gattung der Privatoffenbarungen, welche man „Stimmen aus dem Jenseits“ nennen könnte. Es sind Berichte von verdammten Seelen oder Seelen im Fegefeuer. Manche wurden von der Kirche gutgeheißen und von Heiligen aufgeschrieben. Solche Berichte sind bei hl. Beda Venerabilis, hl. Gregor von Tours, hl. Gregor dem Großen, Caesarius von Heisterbach und bei anderen zu finden. Dazu kommen noch Berichte anonymer Autoren. Und all diese Seelen bedauern all das, was sie im Leben gemacht haben, obwohl sie irgendwie spürten, dass es falsch ist. Also ein kleines Unrechtsbewusstsein war schon dabei, welches sich dann, als sie ihr Leben im Lichte Gottes sehen konnten, zu einem großen Unrechtsbewusstsein wurde. Denn die Verdammten und Geläuterten sehen es wirklich objektiv und stimmte ihrer Bestrafung zu, was für den Wahrheitsgehalt dieser Privatoffenbarungen spricht. Denn hier, auf Erden, reden man sich bis zum letzten Atemzug raus oder man redet sich selbst schön.

   1. Betrachtung

Schilderung eines vor kurzem ins andere Leben übergegangenen Menschen.

3. Punkt

Mein Bruder, in dieser Abbildung des Todes siehst du dich selbst, und das, was mit dir zu geschehen hat. „Gedenke, daß du Staub bist, und zum Staube wiederkehren sollst“. Bedenke, in wenigen Jahren, und vielleicht in wenigen Monaten oder Tagen wirst du Fäulnis und Moder werden. Job wurde durch diesen Gedanken heilig: „Ich habe zur Verwesung gesagt: du bist mein Vater und zu den Würmern, ihr seid meine Mütter und Schwestern“. (17, 14)

Alles muß enden; und geht im Tode deine Seele verloren, so wird für dich alles verloren sein. Stelle dir vor, sagt der heilige Laurentius Justinianus, als wärest du schon tot, da du weißt: du wirst sterben müssen. (De ligno vitae. C. 4) Wenn du schon gestorben wärest, was würdest du wünschen, nicht getan zu haben? Jetzt, da du am Leben bist, bedenke, daß du einst tot sein wirst. Der heilige Bonaventura sagt: „Um dem Schiffe die rechte Richtung zu geben, setzt sich der Steuermann an das Ende des Schiffes; ebenso soll der Mensch, um ein gutes Leben zu führen, sich immer vorstellen, als wäre er tot“. Von da aus, sagt der heilige Bernardus, schaue zuerst und erröte; überschaue die Sünden der Jugend, und schäme dich darob. Schaue die Sünden des mittleren Alters, und seufze darüber; schaue die Sünden des männlichen Alters, und weine. Schaue die des hohen Alters, und zittere; überschaue die gegenwärtigen letzten Verirrungen deines Lebens, zittere und eile um Hilfe dagegen.

Der heilige Camillus de Lellis sagte, wenn er in die Gräber der Verstorbenen hinabschaute, bei sich selbst: Wenn diese wieder aufleben würden, was täten sie wohl für das ewige Leben? Und ich, der ich noch Zeit habe, was tue ich für die Seele? Dies sagte der Heilige aus Demut. Du aber, mein Bruder, kannst vielleicht mit Recht zittern, jener unfruchtbare Feigenbaum zu sein, von dem der Herr sprach: „Siehe, es sind nun drei Jahre, daß ich komme, Früchte auf diesem Feigenbaume zu suchen, und keine finde“. (Lk 13,7) Du bist länger als drei Jahre auf der Welt – welche Frucht hast du getragen? Siehe, sagt der heilige Bernardus, der Herr sucht nicht nur Blüten, auch Früchte will er, das heißt, nicht bloß gute Wünsche und Vorsätze, sondern auch heilige Werke verlangt er. Verstehe es also wohl, diese Zeit zu benützen, die Gott durch seine Barmherzigkeit dir schenken wird, warte nicht so lange, bis du die Zeit wünschen wirst, Gutes zu tun, wo nicht mehr Zeit sein, und man zu dir sagen wird: Es ist keine Zeit mehr, reise ab. Hur- tig! nun ist es Zeit, von dieser Welt abzureisen; eile! was geschehen ist, ist geschehen.

Anmutungen und Bitten

Siehe, mein Gott, ich bin dieser Baum, der seit so vielen Jahren die Worte zu vernehmen verdiente: „Haue ihn ab, warum nimmt er wohl den Platz ein?“ Jawohl, denn so lange ich auf der Welt bin, brachte ich dir keine an- dern Früchte, als Distel und Dornen – Sünden. Doch du, o Herr! willst nicht, daß ich verzweifle. Du sagtest, wer dich suchet, findet dich. „Suchet, und ihr werdet finden. „ Ich suche dich, mein Gott, und verlange deine Gnade. Alle Beleidigungen, die ich dir zufügte, mißfallen mir von ganzem Herzen, und sterben möchte ich aus Schmerzen darüber. Vorher floh ich dich, jetzt aber achte ich deine Freundschaft höher, als den Besitz aller Königreiche der Welt. Deiner Stimme will ich nicht ferner widerstehen. Willst du mich ganz für dich ? Ich ergebe mich dir ganz und gar, ohne Vorbehalt. Du gabst dich mir am Kreuze ganz hin. Ich ergebe mich gänzlich.

Du hast ja gesagt: „ Wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, so werde ich es tun. „ (Joh 14,14) Mein Jesu, im Vertrauen auf dieses große Versprechen bitte ich dich in deinem Namen und um deiner Ver- dienste willen um deine Gnade und deine Liebe. Gib Überfluß an Gnade und an deiner heiligen Liebe meiner Seele, wo die Sünde in Überfluß war. Ich danke dir, daß du mir den Verstand gabst, diese Bitte an dich zu stellen; daß du mir solche einflößest, ist ein Zeichen, du wollest mich erhören. Erhöre mich, mein Jesu! gib mir eine große Liebe zu dir, ein heftiges Verlangen, dir zu gefallen, und gib mir sonach die Kraft, es wirklich zu tun. O Maria, meine mächtige Fürsprecherin, erhöre auch du mich; bitte Jesum für mich!

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