Hl. Alphons Liguori Unser Archiv: Vorbereitung zum Tode

Hl. Alphons Maria von Liguori, Vorbereitung zum Tode (7)

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Mit dem Tode endet alles und das, worüber wir uns heute große Sorgen machen, wird im Augenblick des Todes völlig irrelevant und vergessen sein. Der Tod ist auch der große „Gleichmacher“, denn er ereilt jeden und ist nicht verhandelbar.

3. Betrachtung

1 Punkt

Mit dem Tode endet alles

Die Kürze des Lebens

„Was ist euer Leben?

Ein Dunst ist es, der sich eine geringe Zeit sehen läßt.“ (Jak 4,14)

  1. Punkt

Was ist unser Leben? Einem Dunste ist es gleich, der bei einem Windchen verschwindet und nicht mehr ist. Alle wissen, daß sie sterben müssen, aber viele täuschen sich, indem sie wähnen, der Tod sei so fern, als hätte er nie zu kommen. Doch nein! Job belehrt uns, das Leben des Menschen sei kurz: „Der Mensch keimt wie eine Blume auf, lebt eine kurze Zeit und wird zertreten.“ (Job 14) Eben dasselbe befahl der Herr dem Isaias zu predigen:

„Alles Fleisch ist Heu. Fürwahr das Volk ist Heu; das Heu ist dürre geworden, und die Blume ist abgefallen.“ (Jes 40) Das menschliche Leben gleicht einer Grasblume; es kommt der Tod, man mähet das Heu ab, und es fällt die Blume jeder Größe und jedes irdischen Gutes, und siehe, das Leben endet.

„Meine Tage waren schneller als ein Läufer.“ (Job 9) Der Tod läuft uns schneller als ein Läufer entgegen, und wir laufen mit jedem Augenblicke dem Tode zu. Bei jedem Schritte, bei jedem Atemzuge nähern wir uns dem Tode. „Was ich schreibe“, sagte der heilige Hieronymus, „wird aus meinem Leben genommen. Während der Zeit, da ich schreibe, komme ich dem Tode näher.“ „Wir alle sterben und werden auf die Erde ausgegossen, wie Wasser, das nicht wiederkommt.“ (2 Kön 14,14) Schaue zu, wie dieser Bach in das Meer sich ergießt. Und diese Gewässer, welche dahin fließen, kommen nicht wieder zurück. So, mein Bruder, vergehen deine Tage und du näherst dich dem Tode. Es vergehen die Freuden, es vergehen die Scherze, die Pracht, die Belobungen, das Freudengeschrei, und was bleibt übrig? „Und das Grab allein bleibt mir übrig.“ (Job 17,1) Wir werden in eine Grube geworfen werden und dort bleiben, um, von allem beraubt, zu verwesen. Bei unserem Tode wird uns die Erinnerung an alle im Leben genossenen Vergnügen, an alle erworbenen Ehren zu nichts dienen, als zur Vergrößerung der Leiden und des Mißtrauens, das ewige Leben zu erlangen. Werden also – wird das elende Weltkind sagen – werden mein Haus, meine Gärten, diese so geschmackvollen Zimmergeräte, diese Gemälde, diese Kleider, in kurzem nicht mehr mir gehören? „Und das Grab allein bleibt mir übrig.“ Ach, dann schaut man mit Verdruß die Güter dieser Welt an, wenn man sie mit solcher Anhänglichkeit liebte. Und was wird dieser Verdruß nützen, als das Seelenheil noch größerer Gefahr auszusetzen, indem man aus Erfahrung sieht, daß Leute, die der Welt so anhängen, von nichts anderem hören wollen, als von ihrer Krankheit, von Ärzten, die man noch holen könnte und von Mitteln, die da helfen dürften: und sagt man ihnen etwas von der Seele, so werden sie gleich überdrüssig und sagen dir, du sollest ihnen Ruhe lassen, es tue ihnen der Kopf wehe, sie können nicht reden hören, und wenn sie hin und wieder Antwort geben, so sind sie verwirrt und wissen nicht, was sie sprechen. Und oft erteilen ihnen die Priester, doch nicht deshalb, weil sie die Kranken für gehörig vorbereitet halten, sondern weil keine Zeit mehr ist, zuzuwarten, die Lossprechung. So sterben jene, die wenig an den Tod denken.

Anmutungen und Bitten

Ach, mein Gott und Herr! unendliche Majestät! ich schäme mich, vor dir zu erscheinen. Wie oft entehrte ich dich, indem ich deine Gnade einem schmutzigen Vergnügen, einer Befriedigung des Zorns, einer Handvoll Erde, einer Laune, einem Rauche hintansetzte! Ich bete an, und küsse, o mein Erlöser, deine heiligen Wunden, die ich dir zwar durch meine Sünden geschlagen habe; aber eben durch diese Wunden hoffe ich Verzeihung und das heilige Gib mir, o mein Jesu! das große Unrecht zu erkennen, das ich dir tat, indem ich dich als die Quelle alles Guten verließ, um aus faulen und vergifteten Gewässern zu trinken. Was habe ich für so viele dir zugefügte Beleidigungen anderes, als Leiden, Gewissensbisse und Schuld für die Hölle ? „Vater, ich bin nicht würdig, dein Kind genannt zu werden.“ Mein Vater, verstoß mich nicht! Ich verdiene zwar nicht mehr deine Gnade, die mich zu deinem Kinde macht, allein du bist ja gestorben, um mir zu verzeihen. Du sagtest: „Wendet euch zu mir, und ich werde mich zu euch wenden. (Zach. 1,3) Ich verlasse alle meine Vergnügen, ich verzichte auf alle Freuden, welche die Welt mir machen kann, und wende mich zu dir. Vergib mir doch um deines für mich vergossenen Blutes willen, indem ich alle dir zugefügten Beschimpfungen von ganzem Herzen bereue. Ich beweine sie, und liebe dich über alles. Ich bin nicht würdig, dich zu lieben, du aber bist wert, geliebt zu werden: genehmige es, daß ich dich liebe, verschmähe es nicht, daß dich dies Herz liebe, das zu einer Zeit dich verachtete. Du ließest mich absichtlich nicht sterben, als ich in der Sünde war, damit – ich dich lieben sollte; ja, ich will dich in meinem noch übrigen Leben lieben, und nichts lieben als dich. Hilf mir, gib mir die heilige Beharrlichkeit, und deine heilige Liebe. – Maria, meine Zuflucht, empfehle mich Jesu Christo!

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