Tradition und Glauben

Hl. Alphons Maria von Liguori, Vorbereitung zum Tode (6)

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2. Betrachtung

Mit dem Tode endet alles

3. Punkt

David nannte die Glückseligkeit des gegenwärtigen Lebens einen Traum, aus dem man erwacht: „Wie ein Traum beim Aufwachen.“ (Ps 72,20) Ein Schriftsteller erklärte sie für einen Traum; denn bei eingeschläferten Sinnen kommen uns Dinge groß vor, die gar nichts sind, und alsogleich verschwinden. Die Güter dieser Welt erscheinen groß, allein sie sind nichts und von kurzer Dauer, gleich wie der Traum nur kurze Zeit währt, und alsdann wieder verschwindet. Dieser Gedanke, daß mit dem Tode alles ende, brachte den heiligen Franciscus Borgias zum Entschlusse, sich ganz Gott zu widmen. Es traf den Heiligen, den Leichnam der Kaiserin Isabella nach Granada zu begleiten. Als man nun den Sarg öffnete, flohen alle vor Schrecken und Gestank davon: allein der heilige Franciscus blieb vom göttlichen Lichte geleitet bei dem Leichname, betrachtete an ihm die Eitelkeit der Welt und sagte ihn anschauend: Du bist also meine Kaiserin? Bist du es, vor der so viele Große aus Ehrfurcht die Knie beugten? O, Frau Isabella, wo ist deine Majestät, deine Schönheit? So also – schloß er bei sich – enden die Herrlichkeiten und Kronen dieser Welt? Von heute an also will ich einem Herrn dienen, der nicht mehr sterben kann. Und so weihte er sich in der Folge ganz und gar der Liebe zum Gekreuzigten, legte sodann das Gelübde ab, in einen Orden zu treten, wenn seine Gemahlin sterben würde; was dann wirklich erfolgte, er trat in die Gesellschaft Jesu ein.

Ganz richtig schrieb also ein Mann, der eines Bessern belehrt worden war, auf einen Totenkopf diese Worte: „Dem Nachdenkenden wird alles feil.“ Und warum gibt es denn so viele unglückliche Liebhaber dieser Welt? Weil sie nicht an den Tod denken. „Menschenkinder, wie lange werdet ihr eines schweren Herzens sein? Warum liebt ihr die Eitelkeit und strebet nach Lügen? (Ps 4,3) Ihr elende Kinder Adams, warnet uns der Heilige Geist, warum verjagt ihr nicht aus euren Herzen eure große Zuneigung zur Welt, wodurch die Eitelkeit und Lüge euch lieb wird? Was euren Vorfahren geschehen ist, wird euch ebenfalls geschehen. Auch sie wohnten in eurem Palaste, in eben diesem Bette schliefen sie, und jetzt sind sie nicht mehr da; das nämliche wird auch euch begegnen. Gib dich also, mein Bruder, Gott sogleich hin, ehe der Tod kommt. „Tue hurtig, was deine Hand zu tun vermag.“ (Eccl 9,10) Was du heute tun kannst, verschiebe nicht auf morgen; denn der heutige Tag vergeht, und kommt nicht wieder, und morgen kann der Tod zu dir kommen, welcher dich nichts mehr tun lassen wird. Reiß dich schnell von dem los, was dich von Gott fern hält und entfernen kann. Wir wollen daher in der Tat diese Güter der Welt verlassen, ehe der Tod uns mit Gewalt davon losreißt. „Selig sind die Toten, die im Herrn sterben.“ (Offb 14,13) Selig, die der Liebe zu dieser Welt bei ihrem Tode schon abgestorben sind! Solche fürchten den Tod nicht, sondern wünschen und umarmen ihn fröhlichen Mutes, indem er sie hernach, anstatt von den Gütern, die sie lieben, zu trennen, mit dem höchsten Gute vereint, das allein von ihnen geliebt zu werden verdient und sie ewig beglücken wird.

Anmutungen und Bitten

Mein lieber Erlöser, ich danke dir, daß du meiner harrtest. Wie stünde es mit mir, wenn du mich hättest sterben lassen, als ich fern von dir war? Gepriesen werde immer deine Barmherzigkeit und Geduld, die du so viele Jahre mit mir hattest. Ich danke dir für das Licht und für die Gnade, womit du mir beistehest. Damals liebte ich dich nicht und bekümmerte mich wenig darum, von dir geliebt zu werden. Jetzt liebe ich dich aus ganzem Herzen, und habe kein größeres Leiden, als dies, daß ich einen so guten Gott so oft beleidigt habe. Dieser Schmerz peiniget mich; doch süß ist diese Pein, indem dieser Schmerz mir Vertrauen gibt, daß du mir schon verziehen habest. Mein süßer Heiland, ach, wäre ich eher tausendmal gestorben, hätte ich dich doch niemals beleidiget! Ich bebe vor Furcht, dich in Zukunft wieder zu beleidigen. Ach, laß mich lieber den schwersten Tod, den es gibt, sterben, als daß ich neuerdings deine Gnade verliere. Einst war ich ein Sklave der Hölle, nun aber bin ich dein Diener, o Gott meiner Seele! Du sagtest, du habest den lieb, der dich lieb hat: „Ich liebe, die mich lieben.“

Ich liebe dich, also bin ich dein und du bist mein. Ich kann dich in der Folge verlieren; allein dies ist die Gnade, um die ich dich bitte: laß mich eher sterben, als daß ich dich wieder beleidige. Du hast mir so viele, von mir nicht verlangte Gnaden erwiesen, ich kann nicht befürchten, daß du mich wegen dieser Gnade nicht erhören wollest, um die ich dich jetzt bitte: Laß nicht mehr zu, daß ich dich verliere; gib mir deine Liebe, nichts wünsche ich mehr. – Maria, meine Hoffnung, bitte für mich.

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