Tradition und Glauben

16. November: Hl. Gertrud von Helfta

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Gertrud, zu Eisleben in Sachsen einem vornehmen Geschlechte entstammend, brachte im Alter von fünf Jahren im Benediktinerinnenkloster von Rodersdorf ihre Jungfräulichkeit und sich selbst Jesu Christo zum Opfer. Von dieser Zeit an wandte sie sich von den weltlichen Dingen vollständig ab, verlegte sich mit allem Eifer auf die Tugend und begann eine himmlische Lebensweise. Mit der weltlichen Wissenschaft verband sie die Kenntnis der göttlichen. Durch die Betrachtung derselben wurde sie immer heftiger zur Tugend entflammt und erreichte in kurzer Zeit die christliche Vollkommenheit. Von Christus und von den hehren Ereignissen seines Lebens redete sie häufig mit frommer Seelenstimmung, und einzig nach der Verherrlichung Gottes trachtend, bezog sie darauf alle ihre Wünsche und Handlungen. Obwohl sie aber mit vielen außergewöhnlichen Gaben der Natur und der Gnade ausgestattet war, kam sie sich selbst so minderwertig vor, daß sie unter den hervorragenden Wundern Gottes auch dieses erwähnte, daß er sie bei ihrer Unwürdigkeit in seinem Erbarmen am Leben erhalte.

In ihrem 30. Lebensjahr wurde sie zuerst für das Kloster von Rodersdorf, wo sie das Ordensleben gelobt hatte, alsdann für das in Helfta zur Vorsteherin gewählt und verwaltete 40 Jahre lang mit einer solchen Liebe und Klugheit und mit einem solchen Eifer für die Ordenszucht ihr Amt, dass das Kloster als eine Wohnung der klösterlichen Vollkommenheit erschienen. In beiden Orten wollte sie aber, wo, obwohl sie allen Mutter und Lehrerin war, als die Geringste von allen gelten und benahm sich in der gleichen Herablassung als deren Dienerin. Um freier für Gott leben zu können, peinigte sie ihren Körper mit Nachtwachen und Fasten und anderen schmerzvollen Züchtigungen; sie blieb sie stets gleich und zeigte eine einzigartige Unschuld im Wandel, Sanftmut und Geduld. Für das Heil der Mitmenschen sorgte sie mit allen Mitteln und erntete von ihrer frommen Sorge reichlicher Frucht. Infolge der Gewalt der Liebe zu Gott geriet sie häufig in Verzückung und erlangte die Gabe des höchsten Grades der Beschreibung und der Vereinigung mit Gott.

Um die Verdienste seiner so lieben Braut zu offenbaren, bezeugte Christus, dass er in Gertruds Herzen einen im angenehmen Aufenthalt habe. Die jungfräuliche Gottesmutter verehrte sie wie eine von Jesus erhaltener Mutter und Sorgerin mit besonderer Andacht und erhielt von ihr viele Wohltaten. Gegen das heiligste Sakrament der Eucharistie und das Leiden der Herren war sie von einer solchen Liebe unser dankbarer Gesinnung erfüllt, dass sie manchmal mit reichlichen Tränen übergossen wurde. Den Seelen der Verstorbenen, die zu den sühnenden Flammen verurteilt sind, stand sie mit täglichen Hilfswerken und Gebeten bei. Vieles schrieb sie zur Förderung der Frömmigkeit. War sie berühmt wegen der Gabe der göttlichen Offenbarungen und der Weissagung. Schließlich schied sie, mehr urch ihre glühendste Liebe zu Gott als durch eine die Krankheit, im Jahre 1229 aus dem Leben. Während ihres Lebens und nach ihrem Tode wurde sie von Gott durch Wunder verherrlicht.

Quelle: Erzpriester Stephan, Das kirchliche Stundengebet oder das römische Brevier, Bd. II, Regensburg 1927, 1087 f.

Kirchengebet

O Gott, Du hast Dir im Herzen der heiligen Jungfrau Gertrud eine liebliche Wohnstätte bereitet; tilge in Deiner Milde um ihrer Verdienste und um ihrer Fürsprache willen die Makeln unseres Herzens und gib, daß wir uns der Gemeinschaft mit ihr erfreuen. Durch unser Herrn. Amen.

Wenn Sie o.a. Kirchengebet mit der Intention einer Ablassgewinnung beten, empfangen Sie einen Ablass, den Sie für sich selbst oder für die Armen Seelen verwenden können. (Enchiridion indulgentiarum (1999) Nr. 21 § 1: „Ein Teilablass wird einem Gläubigen gewährt, der an einem beliebigen Heiligentag, der im Kalender vermerkt wurde, zu Ehre dieses Heiligen fromm ein aus dem Messbuch entnommenes oder ein anderes rechtskräftig approbiertes Gebet verrichtet“) .

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