Tradition und Glauben

Hl. Leonard: Die kleine Anzahl derer, die gerettet werden (4 von 10)

Beitrag hören
Bewerten Sie den post

Warum ist es so schwierig gerettet zu werden? Weil die Welt schlecht ist. Der Schreiber dieser Zeilen hat in vielen Branchen gearbeitet und hat kaum jemanden kennengelernt, den er als einen „einigermaßen anständigen Menschen“ hätte bezeichnen können. Die Interessen sind wie folgt gestaffelt:

(1) Sex,

(2) Geld,

(3) andere übers Ohr zu hauen,

(4) sich für den Größten zu halten.

Ja, wirklich überall, international, auch in der Akademie, auch in der Kirche. Der Mensch ist ein soziales Wesen und entschuldigt sich dadurch, dass „alle es so machen“. Das ist aber keine Entschuldigung. In der Hölle wird man auch allein, obwohl in der Gesellschaft sein. Dass die Anzahl der verdammten Priester sehr groß ist und ihnen die Dämonen sehr dankbar sind, braucht uns anno 2018 wirklich nicht zu verwundern. Wenn der hl. Johannes Chrysostomus (gest. 407) solch eine schlechte Meinung  über seine Amtsbrüder hatte, was sollen wir erst sagen?

Nach der Werbung geht's weiter

Rettung in den verschiedenen Lebensständen

Aber ach, ich sehe, dass wenn ich auf diese Weise von Allen insgesamt spreche, ich mein Thema verfehle. Lasst uns also diese Wahrheit auf verschiedene Lebensstände anwenden, und ihr werdet verstehen, dass ihr entweder alle Vernunft, Erfahrung und den gesunden Menschenverstand der Gläubigen über den Haufen werfen müsst oder bekennen, dass die Mehrzahl der Katholiken verdammt wird. Gibt es irgendeinen Stand in der Welt, der günstiger für Unschuld ist, in dem Errettung leichter scheint und von dem die Menschen eine höhere Meinung haben als jener der Priester, die Stellvertreter Gottes? Wer würde auf den ersten Blick nicht denken, dass die meisten von ihnen nicht nur gut, sondern sogar perfekt sind; dennoch bin ich sprachlos vor Entsetzen wenn ich höre wie der Heilige Hieronymus erklärt, dass obwohl die Welt voller Priester ist, kaum einer von hundert auf eine Art und Weise lebt, die mit seinem Stand konform ist; wenn ich einen Diener Gottes Zeugnis geben höre, dass er durch eine Offenbarung erfahren hat, dass die Anzahl der Priester, die täglich in die Hölle fallen, so groß ist, dass es ihm unmöglich schien, dass noch welche auf der Erde zurückgelassen werden; wenn ich den Heiligen Chrysostomus mit Tränen in den Augen rufen höre:

„Ich glaube nicht, dass viele Priester gerettet werden; ich glaube im Gegenteil, dass die Anzahl derer, die verdammt werden, größer ist.“

Schaut weiter nach oben und seht die Prälaten der Heiligen Kirche, Hirten, welchen die Sorge für die Seelen anvertraut ist. Ist die Anzahl derer, die von ihnen gerettet werden größer als die Anzahl derer, die verdammt werden? Hört [Thomas von] Cantimpré [Theologe, gest. 1272] zu; er wird euch von einem Ereignis erzählen, und ihr mögt daraus Schlüsse ziehen. In Paris wurde eine Synode abgehalten, und eine große Anzahl von Prälaten und Pastoren, welchen die Sorge für die Seelen anvertraut war, waren zugegen; Der König und Fürsten kamen auch, um durch ihre Gegenwart der Versammlung Glanz zu verleihen. Ein bekannter Prediger war eingeladen zu sprechen. Während er seine Predigt vorbereitete, erschien ihm ein abscheulicher Dämon und sprach:

„Lege deine Bücher zur Seite. Wenn du eine Predigt halten möchtest, die diesen Fürsten und Prälaten nützlich sein wird, sage von uns: ‚Wir, die Fürsten der Finsternis, danken Ihnen, Fürsten und Prälaten und Seelenhirten, dass auf Grund Ihrer Pflichtvergessenheit die Mehrzahl der Gläubigen verdammt wird; wir werden euch auch für diesen Liebesdienst belohnen, wenn ihr bei uns in der Hölle sein werdet.’“

Weh euch, die ihr anderen befehlt! Wenn so viele durch eure Fehler verdammt werden, was wird euch geschehen? Wenn wenige von denen, die in der Kirche Gottes die ersten sind, gerettet werden, was wird euch geschehen? Nimm alle Stände, beide Geschlechter, jeden Umstand: Ehemänner, Ehefrauen, Witwen, junge Frauen, junge Männer, Soldaten, Kaufleute, Handwerker, Reich und Arm, Adlige und solche aus dem Volk. Was sollen wir über all diese Leute sagen, die ein so schlechtes Leben führen? Die folgende Geschichte des Heiligen Vincenz Ferrer [Dominikaner, Prediger, gest. 1419] wird euch zeigen, was ihr davon halten könnt. Er berichtet, dass ein Erzdiakon in Lyon sein Amt aufgab und sich an einen verlassenen Ort zurückzog, um Buße zu tun, und dass er am selben Tag und zur selben Stunde starb wie der Heilige Bernhard [von Clairvaux, gest. 1153]. Nach seinem Tod erschien er seinem Bischof und sagte ihm:

„Wisse, Monsignore, dass zu der selben Stunde, in der ich starb, auch  dreiunddreißigtausend andere Menschen starben. Von dieser Zahl gingen Bernard und ich ohne Aufschub in den Himmel, drei kamen in das Fegefeuer und alle anderen fielen in die Hölle.“

Unsere Chroniken berichten sogar ein noch viel entsetzlicheres Geschehen. Einer unserer Brüder, bekannt für seine Lehre und Heiligkeit, predigte in Deutschland. Er stellte die Abscheulichkeit der Sünde der Unreinheit so kraftvoll dar, dass eine Frau vor lauter Gram vor allen tot umfiel. Als sie dann zum Leben zurückkam, sagte sie:

„Als ich vor das Gericht Gottes geführt wurde, kamen gleichzeitig sechzigtausend Menschen aus allen Teilen der Welt; von diesen wurden drei gerettet, da sie ins Fegefeuer kamen und alle anderen wurden verdammt.“

O Abgrund der Urteile Gottes! Von dreißigtausend wurden nur fünf gerettet! Und von sechzigtausend gingen nur drei in den Himmel! Ihr Sünder, die ihr mir zuhört, in welcher Gruppe werdet ihr aufgezählt werden? … Was sagt ihr? … Was denkt ihr? …

Ich sehe fast alle von euch den Kopf senken, mit Erstaunen und Entsetzen erfüllt. Aber lasst uns unseren Stumpfsinn beiseitelegen und statt uns selbst zu schmeicheln lasst uns versuchen, einigen Gewinn aus unserer Furcht zu ziehen. Ist es nicht wahr, dass es zwei Wege gibt, die in den Himmel führen: Unschuld und Umkehr? Nun, wenn ich euch zeige, dass sehr wenige einen der beiden Wege wählen, werdet ihr als vernünftige Menschen daraus schließen, dass sehr wenige gerettet werden. Und um Beweise zu erwähnen: in welchem Alter, an welchem Arbeitsplatz oder unter welchen Umständen findet man, dass die Zahl der Gottlosen nicht hundertmal größer ist als die der Guten, und über die [Alter, Arbeitsplatz, Umstände] man sagen könnte:

Nach der Werbung geht's weiter

„Die Guten sind so rar und die Gottlosen so groß an Zahl“?

Wir könnten über unsere Zeit sagen, was Salvianus [von Marseille, Theologe, gest. 475] über die seine sagte: es ist leichter, eine unzählbare Vielzahl an Sündern zu finden, die in alle Arten von Ungerechtigkeiten eingetaucht sind, als einige unschuldige Menschen. Wie viele Diener sind absolut ehrlich und treu in ihren Pflichten? Wie viele Kaufleute sind fair und gerecht in ihrem Handel; wie viele Handwerker genau und ehrlich; wie viele Händler uneigennützig und ehrlich? Wie viele Juristen geben die Gerechtigkeit nicht auf? Wie viele Soldaten treten nicht die Unschuld mit Füßen; wie viele Herren behalten nicht ungerechterweise den Lohn derer ein, die ihnen dienen, oder versuchen nicht, ihre Untergebenen zu beherrschen? Überall sind die Guten rar und die Niederträchtigen groß an Zahl. Wer weiß nicht, dass es so viel Libertinage unter den Erwachsenen gibt, Freiheit unter jungen Mädchen, Selbstgefälligkeit unter Frauen, Zügellosigkeit im Adel, Korruption im Mittelstand, [Sitten-] Verfall im Volk, Respektlosigkeit unter den Armen, dass man sagen könnte, was David von seiner Zeit sagte:

„Alle sind abgewichen, alle verdorben. Keiner ist da, der Gutes getan, auch nicht einer!“ (Ps 14/13, 3; Ps 53/52, 4).

Geht auf die Straßen und Plätze, in Paläste und Häuser, in die Städte und auf das Land, in das Strafgericht und den Gerichtshof, und sogar in den Tempel Gottes. Wo wird man Tugend finden?

„Ach“ ruft Salvianus, „außer einer sehr kleinen Zahl, die das Böse fliehen, was ist die Versammlung der Christen anderes als ein Sündenpfuhl?“

Alles was wir überall finden können ist Selbstsucht, Ehrgeiz, Maßlosigkeit und Aufwand. Ist nicht der größere Teil der Menschen besudelt mit dem Laster der Unreinheit (vgl. Hos/Os 4, 21), und sagt nicht der Heilige Johannes zurecht:

„Die ganze Welt“ – wenn man etwas so Verdorbenes so nennen kann – „hat in der Schlechtigkeit Platz genommen.“ (vgl. 1 Joh 5, 192).

Nicht ich bin es, der euch das sagt; die Vernunft zwingt euch zu glauben, dass von denen, die so schlecht leben, sehr wenige gerettet werden.

1        Hos 4, 2. Meineid und Lüge, Mord, Diebstahl und Ehebruch sind im Schwang. Bluttat reiht sich an Bluttat.

2        1 Joh 5, 19. Wir wissen, das wir aus Gott sind die Welt dagegen sich ganz in der Gewalt des Bösen befindet.

Nach der Werbung geht's weiter

 

 

Beitrag hören
Bewerten Sie den post

Zum Download für Abonnenten geht es hier:

Translate

Werbung

Letzte Beiträge

Letzte Beiträge

Kommentare

Top Beiträge

Christine Niles, FSSPX-PRIESTER VON FRANZÖSISCHEM SEXSKANDAL VERFOLGT (1 VON 2)
Jetzt alle vorkonziliaren Breviere auch auf Deutsch online
Hl. Alphons Maria von Liguori, Vorbereitung zum Tode (23)
Proprium missae - Palmsonntag - Dominica II Passionis seu in Palmis
24. August: Fest des Hl. Apostels Bartholomäus
Litanei zu allen Heiligen Gottes

Archive

Gesamtarchiv
Monatsarchive

Beitrag teilen

Werbung

UNSERE pRODUKTE

Werbung

Spenden

Ihre Paypal-Spende

Möchten Sie uns unterstützen? Wählen Sie einen Betrag. Bei der Übernahme der Paypal-Gebühren kommt mehr bei uns an. Vergelt's Gott, wir beten für Sie!

€10,00

Blogstatistik

Kommentar- und Printfunktion nur für Abonnenten.

  • 585.213 Besuche

You cannot copy content of this page

error: Content is protected !!