Himmelfahrt Christi Unser Archiv:

Hl. Thomas über die Himmelfahrt (6 von 6), Tertia Pars, Quaestio 57, art. 6

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Tertia Pars. Quaestio 57

Sechster Artikel. Die Himmelfahrt Christi verursacht mit unser Heil.

  1. Dies scheint nicht.

Denn:

I. Insoweit hat Christus unser Heil gewirkt, als Er für uns verdient hat. Die Himmelfahrt Christi aber hat nichts uns verdient, sondern war rein Belohnung, die sich vom Verdienste unterscheidet wie das Ziel vom Wege.

Kommentar: Und was habe ich davon? Inwiefern betrifft es mich? War es nicht eine Sondergabe für Christus?

II. Höchstens könnte das Aufsteigen Christi gen Himmel die Ursache sein für unser Aufsteigen dahin. Dies hat uns aber sein Leiden verdient, nach Hebr. 10.: „Wir haben Vertrauen, in das Heilige einzutreten durch sein Blut.“

Kommentar: Leiden ist nicht Himmelfahrt, wozu die letztere also?

III. Das von Christo uns erworbene Heil ist ewig (Isai. 51). Christus aber bleibt nicht ewig im Himmel, sondern „Er wird so wiederkommen, wie ihr Ihn habt hinaufsteigen sehen“ (Apg 1, 11). Zudem hat Er Sich auch, wie wir lesen, vielen Heiligen hier auf Erden gezeigt, wie nach Apg 9. z. B. betreffs des heiligen Paulus feststeht. Also ist sein Auffahren gen Himmel nicht im mindesten Ursache unseres Heiles.

Kommentar: Wenn er sich zeigt, dann ist er nicht dauerhaft körperlich im Himmel oder?

Auf der anderen Seite sagt Er selbst (Joh. 16.): „Es frommt euch, daß ich gehe.“

b) Ich antworte, das Aufsteigen des Herrn sei Ursache unseres Heiles 1. von unserer Seite her; 2. von Christi Seite her: 1. Von unserer Seite her; weil durch sein Aufsteigen unser Geist veranlaßt wird, zu Ihm sich hinzubewegen in Glaube, Hoffnung und Liebe (Art. 1.) und weil wir größere Ehrfurcht vor Ihm haben, da wir Ihn nicht mehr als einen irdischen, sondern als einen himmlischen Menschen anerkennen, nach 2. Kor. 5.: „Und wenn wir Christum nach dem Fleische (d. h. als sterblich) gekannt haben, nun erkennen wir Ihn nicht mehr so.“ 2. Von seiner Seite her ist Er Ursache unseres Heiles, weil er aufgestiegen:

a) „damit Er uns den Platz bereite“ (Joh. 14, 2.; Mich. 2, 13.); denn da Er unser Haupt ist, müssen wir als Glieder Ihm folgen, wie Er selbst sagt: „Damit wo ich bin, auch ihr seid“ (Joh. 14); und um dies auszudrücken hat Er die Seelen der Altväter mit Sich genommen in den Himmel, nach Ps. 67.: „Aufsteigend in die Höhe, hat Er gefangen genommen und mit Sich geführt die Gefangenschaft;“ —

b) weil, wie der Hohepriester im Alten Bunde eintrat in das Allerheiligste, um für das Volk zu beten, Christus „in den Himmel eintrat, um unser Fürbitter zu sein;“ denn dass die menschliche Natur so im Himmel sich vorstellt, dies selbst ist eine gewisse Fürbitte für uns, dass Gott, der diese Natur in Christo so hoch erhoben hat, nun auch unserer sich erbarme, für die der Sohn Gottes die Natur des Menschen angenommen; —

c) weil Er nun im Himmel thronend als Gott und Mensch, göttliche Gaben den Menschen zuteilt, nach Ephes. 4.: „Er stieg auf über alle Himmel, daß Er Alles anfülle“ d. i. „mit seinen Gaben“ (Glosse).

Kommentar: Erstens gibt die Himmelfahrt Chrisi uns die Vertikale, an der wir unsere Horizontale ausrichten können. Zweitens hat er uns den Himmel geöffnet, in dem Sinne, dass das diese spirituellen Dimensionen zum ersten Mal durch die leibhafte Himmelfahrt Christi durch seine Menschheit für Menschen durchdrungen wurden. Und hier etwas, wovon eigentlich nur Esoteriker oder Okkultisten schreiben oder wissen. Es gibt wirklich einige spirituelle Dimensionen, nennen wir sie „Himmel“, in die man durch bestimmte Praktiken „reisen“ kann. Dies erfuhr schon Apuleius oder nicht er allein. Diese Reisen können die Dämonen verursachen, das sie als „Geister der Lüfte“ auch über diese herrschen können. Wenn also viele Menschen auch bei Nahtodterfahrungen über ihre „Himmelfahrten“ berichten, so kann es sein, dass sie zwar zu bestimmten Himmeln vorgedrungen sind, aber nicht zum eigentlichen und höchsten Himmel. Christus hat durch seine Himmelfahrt alle diese Dimensionen für die aufsteigenden Seelen „sicher gemacht“, indem er sie mit seiner Menschheit durchdrungen hat. Er hat auch die Seelen der Altväter, also von Abraham, Moses, Adam etc. in den Himmel genommen, indem er sie sozusagen nach sich zog. Denn vorher waren die höheren Regionen für Menschen verschlossen.

ad I. Die Auffahrt Christi ist Ursache unseres Heiles als wirkende Ursache, nicht in der Weise des Verdienstes; wie oben bei der Auferstehung gesagt worden.

Ad II. Das Leiden Christi hat verdient unser Heil und die Hindernisse dafür entfernt. Die Himmelfahrt ist direkt Ursache unseres Aufsteigens zum Himmel als ein gewisser Anfang im Haupte, dem die Glieder gleichförmig werden müssen.

Ad III. Einmal zum Himmel aufsteigend hat Christus für Sich und uns in Ewigkeit das Recht und die Würde der himmlischen Wohnung erlangt. Dieser Würde aber schadet es nicht, wenn infolge irgendwelchen Ratschlusses Gottes Christus bisweilen körperlich auf die Erde steigt; sei es um Sich allen zu zeigen wie am letzten Tage, sei es um einem einzelnen Sich zu zeigen wie bei Paulus. Und damit man nicht glaube, Christus sei da nicht körperlich gewesen, sondern nur vermittelst irgendwelcher Erscheinung, fügt der Apostel, um darzuthun die Wahrhaftigkeit der Auferstehung, hinzu (1. Kor. 15.): „Zuletzt aber wie einer Frühfrucht ist Er auch mir erschienen.“ Es würde dies nichts zum Zwecke Dienliches beweisen, wenn der Herr nicht wahrhaft mit seinem Körper dem heiligen Paulus erschienen wäre.

Kommentar: Dies ist der Beweis für etwas, was viele Mystiker erfahren. Die körperliche, nicht nur die geistigen Anwesenheit Christi. Keine Einbildung, sondern Wirklichkeit. Christus kann auch körperlich, nicht nur eucharistisch, hinabsteigen, wenn er es will.

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