Tradition und Glauben

Identitätskrise und Berufsehre

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Da DSDZ [der Schreiber dieser Zeilen] schon in vielen Berufen gearbeitet und Einblicke in zahlreiche Berufszweige erhalten hat, so weiß er, dass bei allen Menschen, die überhaupt etwas tun, ein Stadium auftritt, wo sie meinen aufgrund dieser Qualifikation eine bestimmte höhere Weihe (nicht liturgisch gemeint) erhalten zu haben.

Sei es der Hilfsbauarbeiter, sei es der Hilfskellner oder die quer eingestiegene Altenpflegerin, sie sagen alle dasselbe:

Das, was ich mache, ist etwas Besonderes. Das kann nicht jeder!

Hat man aber nur den geringsten Abschluss und ist Schreinergeselle oder gelernter Schweißer, dann ist die Berufsehre gar nicht mehr im Zaum zu halten. Man sieht sich über die übrige Menschheit erhoben, auserwählt und begnadet. Dies passiert meistens kurz nach dem Berufsabschluss, hält aber manchmal für immer. Je dümmer man ist, desto höher denkt man von sich (siehe der Dunning-Kruger-Effekt). Wenn Sie dachten, dass nur Ärzte, Anwälte oder Architekten eingebildet sind, dann haben sie keine Putzfrauen kennengelernt. Der Stolz ist oft umgekehrt proportional zur Intelligenz und Ausbildung.

Aber eigentlich haben all die Berufsenthusiasten recht. Nicht jeder kann das, nicht jeder will das, nicht jeder möchte es ausschließlich sein Leben lang tun und eine persönliche Genugtuung, die mit Berufsehre verbunden ist, daraus beziehen. Viele Studenten arbeiten in Fabriken oder bei McDonald‘s, sie machen das sehr gut, wissen aber, dass sie sich weiterentwickeln möchten und sie auf die Dauer diese Arbeiten nicht ertragen.

Ganzer Stolz. Nicht jeder kann das!

Der Schreiber dieser Zeilen hat sich neuerdings eine Tischkreissäge gekauft und angefangen Holzregale für seine Dachschrägen zu bauen. Er macht es gut, ihm macht es auch Spaß. Er bedauert jetzt keine Schreinerlehre gemacht zu haben, denn eine Ausbildung würde sicherlich die Lösungsfindung verkürzen und manches erleichtern. Er würde gerne mit Tischlern fachsimpeln und nach dem besten Tischkreissägen-Umgang fragen. Er versteht endlich, warum Menschen handwerken und welche Genugtuung damit einhergeht. Man fühlt sich mächtig, kompetent, schöpferisch und man sieht, anders als in der intellektuellen Arbeit, die Ergebnisse sofort.

Wenn man DSDZ jetzt sagen würde, dass er wie ein Profi tischlert, so wäre er unsäglich stolz. Dies trifft derzeit noch nicht zu, was aber nicht ist, kann noch werden.

Fassen wir also zusammen, wenn man:

  1.  etwas tut,
  2. was mit Kompetenzen,
  3. Mühe,
  4. und Selbstüberwindung

verbunden ist, dann ist man stolz auf sich, auf sein Werk und glaubt nicht, dass jeder es kann.

Das kann nicht jeder

Deswegen ist es so verwunderlich, dass die Geistlichen der Liturgischen Bewegung all das, was eigentlich ihre Identität ausmachte, d. h. den Vorsitz bei der Liturgie, dem Volk abgeben wollten, „weil es jeder kann“. Diese Einstellung wäre in etwa damit zu vergleichen, wenn ein Tischler seine Tischkreissäge weggeben oder eine Koloratursopranistin eine zufällige Person, weiblichen Geschlechts, im Publikum dazu auffordern würde die Arie der Königin der Nacht („Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“) zu singen, „weil es jeder kann“.

Das auch nicht

Wenn man aber davon ausgeht, dass man etwas tut, was nicht jeder kann oder nicht jeder auf diese Art und Weise kann, dann will man es gar nicht abgeben, sondern als sein ein und alles festhalten. Dies erklärt auch die hohe Berufsehre der Künstler, da wirklich nicht alle das können, was sie als Künstler können.

Warum sind also die lieben Geistlichen der Liturgischen Bewegung auf die Lösung „Liturgie dem Volk“ gekommen? Weil sie ungläubig waren und die ganze Liturgie als ein Nach-Vorne-Kommen und Blah-Blah-Blah-Sagen auffassten. Hält man das Blah-Blah-Blah möglichst einfach, dann kann es wirklich fast jeder.

Das hingegen schon

Liturgie aber ist eine Weitergabe der göttlichen Geheimnisse und eine Teilnahme an ihnen durch sich selbst als ein quasi Vermittlungsrohr. Es ist wie Singen, wo Sie bestimmte Töne und Worte in sich selbst, als in einem Transmitter, produzieren und weiterleiten. Dasselbe Stück hört sich aber, abhängig vom Sänger, seiner Stimme, seinem Können, seinem emotionalen Engagement anders an. Je neutraler der Sänger selbst ist, desto mehr kommt von Bach, Purcell, Brahms oder Wagner bei Ihnen an. Da der Kleriker die wahrhaft göttliche Musik vermittelt, so muss er selbst sich auf derselben Schwingungsebene wie das Gesungene aufhalten. Um das Reine zu vermitteln, muss man selbst rein sein, um das Heilige – heilig.

Weil also das Chorsingen eine liturgische Handlung ist, so muss sie von denen dargebracht werden, die dafür spirituell und sakramental ausgestattet sind. DSDZ war in der Karwoche in der Abtei Fontgombault, wo er Stimmen fand, die jeder Operndirektor vom Fleck weg engagieren würde, so gut waren sie. Aber nicht nur stimmlich war diese Liturgie ein Hochgenuss, sondern auch geistlich, da die Mönche durch sich selbst eine spirituelle Dimension vermittelten, an denen sie durch ihr asketisches Gebetsleben teilhatten. Es war als würden sie dem Volk ein reines Quellen Wasser durch den liturgischen Gesang zuleiten.

Ein im heterosexuellen oder homosexuellen Konkubinat lebender und ungläubiger Geistlicher kann das nicht. Auf irgendeiner Ebene weiß er das selbst und deswegen möchte er, dass jeder das tut, was er nicht kann. Weil er nichts tut, was ihn kosten würde, deswegen hält er es für nichts und denkt, dass dieses nichts jeder kann oder können sollte. Sie geben doch auch Möbel, Kleider oder andere Sachen weg, an denen Ihnen nichts mehr liegt nach dem Motto:

Das brauche ich nicht, das kannst Du haben!

Wenn man nichts tut, dann hat man auch keine Berufsehre und ist an der „Demokratisierung“ seines Berufes interessiert. Er ist nämlich nichts wert.

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