Intention bei der Sakramentenspendung. (1 von 6)

Gültig oder ungültig? Wie ist es mit der Intention

Wir wollen hier die Thematik der Gültigkeit der Novus Ordo Sakramente wieder aufgreifen und um den Aspekt der Intention vertiefen, der schon hier angesprochen wurde. Die Lehre, welche die Piusbruderschaft bezüglich der Gültigkeit der neuen Messe verbreitet, ist wenigstens in der schriftlichen Fassung, wie sie auf den FSSPX-Seiten oder Publikationen angegeben, ist im Großen und Ganzen theologisch korrekt.[1] Es sind jedoch die Zwischentöne und die Zwischenbemerkungen der FSSPX-Publikationen samt dem Internetfilm, welche uns Grund zur Sorge geben. So lesen wir im Katholischen Katechismus zur kirchlichen Krise im 89. Sind die nach den neuen Riten gespendeten Sakramente gültig? Folgendes:

„[…] Zudem besteht wegen der vielen Experimente und Verstöße gegen das (neue) Rituale sowie aufgrund der schlechten theologischen Ausbildung der Priester in der konkreten Sakramentenspendung die Gefahr der Ungültigkeit. […][2] In der heutigen Zeit muss man jedoch befürchten, dass es immer mehr Priester gibt, die bewusst nicht mehr das tun wollen, was die Kirche tut. Viele Priester sind in ihrer Ausbildung gegen den katholischen Sakramentenbegriff regelrecht aufgehetzt worden, indem man diesen als Magie und Hokuspokus vergällt hat. Es wäre darum kein Wunder, wenn sie bei der Sakramentenspendung ganz bewusst kein die Gnade vermittelnde Zeichen setzen wollen, sondern nur eine Gemeinschaftsfeier nach protestantischer Manier abhalten wollen.“[3]

Man arbeitet hier mit Unterstellung, nicht mit Fakten, denn eine fehlende Intention lässt sich ja kaum beweisen. Die oben beschriebene Vorgehensweise kann zwar für Einzelfälle zutreffen. Ein besonders bösartiger Priester kann sicherlich bewusst den Gläubigen die Sakramente vorenthalten. Dies kann aber genauso für den Alten Ritus und die Piusbruderschaft gelten, für alle möglichen Situationen und Gemeinschaften, wo sich ein verkommenes Individuum befinden könnte. Die Intention ein Sakrament zu verungültigen liegt also beim einzelnen Priester. Sie ist nicht dem Ritus oder der theologischen Ausbildung im Seminar geschuldet. Man sollte heutzutage davon ausgehen, dass sogar in einem Priesterseminar in D-A-CH der katholische Sakramentenbegriff gelehrt wird, sodass der einzelne Priester weiß, was die Kirche mit dem Sakrament beabsichtigt, das er spendet. Wir können jedoch diese These von der mangelnden theologischen Ausbildung, welche auf die Spenderintention abfärbt, ebenso wenig wie die Piusbruderschaft, für alle deutschsprachigen Seminare verifizieren oder falsifizieren. Wir wollen uns dennoch näher theologisch mit der Intention befassen und erinnern an das bereits Geschriebene.

Die Messen eines ungläubigen und in Todsünde lebenden Priesters müssen nicht automatisch ungültig sein, da zu der Sakramentenspendung nicht rechtgläubige Ansichten verlangt werden, sondern nur die Intention das zu tun, was die Kirche tut (intentio faciendi quod fecit Ecclesia).[4] Da […] viele Traditionalisten diesbezüglich irren, so wollen wir hier ganz kurz die katholische Lehre über die Intention bei der Sakramentenspendung darlegen. Thomas von Aquin sieht das alles recht gelassen und minimalistisch:

„Auch der ungläubige [treulose] Diener [Priester] kann die Absicht haben das zu tun, was die Kirche tut, auch wenn er dies für nichts hält. Und solch eine Intention reicht zur Verwirklichung des Sakraments.“[5]

Non obstante infidelitate (minister) potest intendere facere id quod facit Ecclesia, licet aestimat id nihil esse. Et talis intentio sufficit ad sacramentum.”

Das Lehramt sieht es ebenfalls recht minimalistisch, was die Enzyklika Leos XIII Apostolicae curae aus dem Jahre 1896 beweist:

„Über die Gesinnung (mens) oder die Absicht (intentio) urteilt die Kirche nicht, da diese ja an sich etwas Innerliches ist; insofern sie aber geäußert wird, muss sie über diese urteilen. Wenn nun aber jemand, um ein Sakrament zu vollziehen und zu spenden, ernsthaft und ordnungsgemäß die gebührende Materie und Form angewandt hat, so nimmt man eben deshalb von ihm an, er habe offenbar das zu tun beabsichtigt, was die Kirche tut (facere intendisse quod facit Ecclesia). Auf diesem Grundsatz stützt sich die Lehre, die festhält, dass es sich selbst dann überhaupt um ein Sakrament handelt, wenn es durch den Dienst eines häretischen oder nicht getauften Menschen – sofern nur nach dem katholischen Ritus – gespendet wird.“ (DH 3318)“[6]

Kurz und gut wird die vorgeschriebene Sakramentenform eingehalten, so muss man davon ausgehen, dass das Sakrament stattfindet. Anders formuliert, es wird beim richtigen Tun die richtige Intention angenommen, da man niemandem ins Herz schauen kann und eine entgegengesetzte Aussage alle Gläubigen ständigen Zweifeln aussetzen würde. Wenn also die Kirche eine Taufe anerkennt, die von einem Häretiker oder Nichtgetauften nach katholischem Ritus gespendet wurde, obwohl diese tatsächlich nicht über die katholische Rechtgläubigkeit verfügten, so müssen rst recht die richtig gespendeten Sakramente eines ungläubigen oder häretischen katholischen Priesters anerkannt werden. Und sie werden auch anerkannt.

Die fehlende Rechtgläubigkeit macht die Messe nicht ungültig, welche dann eintritt, wenn der Pfarrer die Heilige Messe nicht dafür hält, was sie ist, d.h. für die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi, sondern sie beispielsweise als ein brüderliches Gemeinschaftsmahl im Sinne des „Miteinanders“ betrachtet und seine Intention danach ausrichtet.

Die Instruktion des Heiligen Inquisitaion an den Bischof von Nesqually, vom 24. Januar 1877 formuliert die Antwort auf die Frage nach Gültigkeit der „schismatisch, häretisch oder auch ungläubig gespendeten Taufe“ folgendermaßen:

„Daraus folgt, dass besondere Irrtümer, die die Spender – ob privat oder auch öffentlich – vertreten, keineswegs die Gültigkeit der Taufe oder welches Sakramentes auch immer beeinträchtigen können [….] Vielmehr schließen […] besondere Irrtümer der Spender auch nicht durch sich und aus eigenem Wesen jede Absicht aus, die der Spender der Sakramente haben muss, nämlich zu tun, was die Kirche tut“ (DH 3126, vgl. DH 3100-3102)

Diese Antwort ist nur konsequent. Die Häretikertaufe wurde von der Kirche immer anerkannt, wenn sie im Namen des Vaters des Sohnes und des Heiligen Geistes gespendet wurde, d.h. wenn die minimale, von der Kirche verlangte Materie und Form eingehalten wurde. Die Frage nach der Intention des Spenders entstand verhältnismäßig spät und wurde erst im 19. Jahrhundert lehramtlich festgelegt, obwohl schon die früheren Theologen, wie Thomas von Aquin, dieselbe Ansicht vertraten. Wenn ein Häretiker oder Schismatiker ein Sakrament spendet und er dabei die vorgeschriebene minimale Form einhält, so nimmt man an, dass er die Absicht hat das zu tun, was die Kirche (intentio faciendi, quod facit Ecclesia) möchte. Seine Irrtümer, Häresien, seien sie privat oder öffentlich vertreten, spielen dabei keine Rolle. Und daher sind die Novus Ordo Messen auch bei Priestern, die nicht an die Wesenswandlung glauben und andere Häresien vertreten, wozu in Deutschland wahrscheinlich die Mehrheit gehört, gültig.

[1] Katholischer Katechismus zur kirchlichen Krise, Jaidhof: Rex Regum Verlag 2012,160-161.

[2] Ebd., 160.

[3] Ebd., 161.

[4] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Alverna Verlag 2012, 843; Ebd., 848-849; vgl. Diekamp Franciscus, Theologiae dogmaticae manuale, Vol. IV, Paris 19426, 64.

[5] Thomas Aquinatus, Summ. Theol. III q. 64 a. 9 ad 1; vgl. In Sent. 4 d. 6 q. 1 a. 3 sol. 2 ad 1.

[6] Denzinger-Hünermann (=DH), Enchiridion symbolorum definitionum et declarationum de rebus fidei et morum, Lateinisch-Deutsch, Freiburg 201043, Nr. 3318.

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