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Intention bei der Sakramentenspendung. (2 von 6)

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Welche Intentionen gibt es? Arten und Unterteilung.

Nach der ganz allgemeinen Darlegung der katholischen Lehre von der Intention, betrachten wir diese ein wenig genauer. Die Lehre von der rechten Intention ist ein Dogma, das wie folgt lautet:

Um ein Sakrament gültig zu spenden, muss der Spender die Intention haben, wenigstens zu tun, was die Kirche tut. (De fide)[1]

Was ist aber Intention, zu Deutsch „Absicht“? Sie ist, nach Pesch, deliberata voluntas conficiendi sacramentum – „ein entschiedener Willen das Sakrament zu spenden“.[2] Daher unterscheidet sich die Absicht (Intention) von der Aufmerksamkeit (Attention), denn nur die Erstere ist „die auf eine zielgerichtete Willensbewegung“ (Summ. Theol. Ia, 2 q.12 a. 1).[3]

a) die Intention kann in verschiedener Stärke vorhanden sein:

  1. ausdrücklich vor und während der Handlung (intentio actualis),
  2. ausdrücklich nur vor der Handlung, aber so dass diese unter dem Einfluss der Willensmeinung vor sich geht (intentio virtualis),
  3. gleichfalls ausdrücklich vor der Handlung, jedoch so, dass die Absicht nicht mehr auf den Akt einwirkt, aber auch nicht förmlich zurückgenommen worden ist (intentio habitualis),
  4. nur von anderen als vorhandene vorausgesetzt, während sie in Wirklichkeit nie vorhanden war oder zurückgenommen worden ist (intentio interpretativa).[4]

Was bedeutet das jetzt?

Ad 1.

Eine intentio actualis liegt dann vor, wenn der Priester, während er zum Beispiel das Wasser auf den Kopf des Kindes schüttet und die Worte „Ich taufe Dich“ ausspricht ganz genau daran denkt, was die Taufe ist, was sie bewirkt, was er durch die Taufe dem Kind zukommen lässt etc. Dies bedeutet, dass seine Aufmerksamkeit sich auf die theologische Bedeutung der Taufe konzentriert und seine liturgischen Handlungen 1:1 begleitet. Weil er sich also während der Handlungen ständig vor Augen stellt, was die Kirche mit diesem Sakrament beabsichtigt, daher verfügt er über die aktuelle Intention während der ganzen Sakramentenspendung. Diese Art der Intention ist in etwa mit der Situation zu vergleichen, wenn jemand betet und sich gleichzeitig die theologischen Inhalte, die er rezitiert, vor Augen führt, weil er diese beim Beten betrachtet. Dies ist möglich, aber anstrengend und bei langen Gebeten und vielen Psalmen schweifen früher oder später ihre Gedanken von dem Gebeteten ab, sodass Sie das eine aussprechen, d. h. tun, und an etwas anderes denken. Dann ist aber keine aktuelle Intention mehr vorhanden.

Ad 2.

Eine virtuelle Intention findet dann statt, wenn man sich am Anfang einer Handlung, zum Beispiel der Sakramentenspendung oder am Anfang des Gebets im Klaren ist, was man tut und was es bedeutet. So vergegenwärtigt sich der Priester am Anfang der Taufe, was die Taufe ist, was sie theologisch bedeutet, was die Kirche mit diesem Sakrament beabsichtigt, während er bei den Taufhandlungen selbst sich auf das Praktische konzentriert, wie er beispielsweise das Kind zu halten hat, damit es nicht in das Taufbecken fällt, wie er segnet, wie er die Eltern und die Paten zu instruierten hat usw. Somit geht die ganze Taufhandlung „unter dem Einfluss der Willensmeinung vor sich“.

Ad 3.

Bei einer habituellen Intention fasst beispielsweise der Priester am frühen Morgen die Intention ein Kind zu taufen, gemäß dem, was die Kirche mit der Taufe beabsichtigt. Er nimmt diese Absicht auch nicht förmlich zurück, indem er zum Beispiel denkt „ich will das Kind nicht nach den katholischen Grundsätzen taufen“, da aber die Taufe auf den späten Nachmittag fällt, so denkt er unmittelbar vor den Taufhandlungen, die er automatisch ausführt, nicht über die Intention nach und somit auch nicht darüber, was die Kirche mit dieser Tathandlung beabsichtigt. In diesem Falle wirkt die am Morgen gefasste Intention nicht mehr auf den Taufakt selbst ein.

Ad 4.

Eine intentio interpretativa ist dann vorhanden, wenn alle um den Priester herum bei den Taufhandlungen annehmen, dass er die Absicht hat mit der Taufe das durchzuführen, was die Kirche mit der Taufe beabsichtigt. Der Priester selbst aber diese Intention gar nicht hat, weil er an nichts mehr glaubt oder diese Intention förmlich und willentlich zurückgenommen hat, sodass er bösartig keine Taufe spenden möchte.

Kehren wir wieder zur Aufzählung der Arten der Intention, nahe Diekamp-Jüssen, zurück.

b) „Ihrem Objekte nach heißt die Intention intentio externa, wenn die Absicht auf den genauen äußeren Vollzug der Handlung gerichtet ist, intentio interna, wenn sie irgendwie auf die innere Bedeutung des Aktes geht.“ Dies bedeutet in unserem Falle, dass eine intentio externa, dann vorhanden wäre, wenn der Priester nur die Absicht hätte die äußeren Taufhandlungen (Begießen mit Wasser, Salben mit Öl, Anzünden der Kerze, Gebete etc.) korrekt durchzuführen. „Eine intentio interna wäre die Verbindung des äußeren Zeichens mit seiner theologischen Bedeutung (z.B. Begießung mit Wasser als Abwaschen der Sündenschuld). Wird also die innere Bedeutung einer Handlung dabei im Einzelnen erwogen und beabsichtigt, so nennt man die Absicht intentio specialis et reflexa, andernfalls ist sie eine intentio generalis et directa.

c) Die Intention ist entweder absolut oder bedingt, je nachdem man bedingungslos oder unter einer Bedingung etwas beabsichtigt.“ [5]

Warum ist Intention so wichtig?

Weil die Gnade und das Priestertum etwas reales sind. Da die Priester von Thomas von Aquin mit Rohren der Gnade (Summ. Theol., IIIa, q. 64 a. 5) verglichen werden, so haben sie als Menschen die Möglichkeit durch ihren freien Willen die Intention oder die Absicht ein- oder auszuschalten. Um bei dem Rohrbeispiel zu bleiben, so haben sie demnach die Möglichkeit den Wasserhahn der Gnade aufzudrehen oder zuzulassen. Wenn sie die Sakramente nicht real, sondern nur symbolisch, wie die Protestanten meinten, so bräuchte man keine Priester und keine Intention des Sakramentenspenders. Um jetzt die katholische Sakramentenlehre wirklich auf die Spitze zu treiben, so lässt sich die folgende Frage stellen:

Ist ein katholischer Priester also ein „Magier“, der etwas bewirken oder unterlassen kann, wenn er es will?

Die Antwort darauf lautet:

Ja, das ist er!

Das ist wirklich die Macht des Priestertums, welche Christus den Aposteln und ihren Nachfolgern hinterlassen hatte.

[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil: Alverna-Verlag 2012, 846.

[2] Pesch, Compendium Theologiae Dogmaticae, Vol. IV, Der Sacramentis, Freiburg 1936, 41.

[3] Diekamp-Jüssen, 846.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

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