Intention bei Sakramentenspendung (3 von 6)

Das Lehramt über die Intention

Positiver Beweis zur Lehre über die Intention bei der Sakramentenspendung

1. Kirchliches Lehramt

Die Reformatoren erklärten die Intention des Spenders für völlig belanglos, da nach ihrer Meinung die Sakramente nur psychologisch auf den Empfänger wirken. Darum erließ das Tridentinum die Glaubensentscheidung (S. 7 can. 11 de sacram. in gener.):

Kan. 11. Wer sagt, bei den Spendern sei, wenn sie die Sakramente vollziehen und spenden, nicht die Absicht erforderlich, wenigstens zu tun, was die Kirche tut: der sei mit dem Anathema belegt. (DH 1611)

Can. 11. Si quis dixerit, in ministris, dum sacramenta conficiunt et conferunt, non requiri intentionem, saltem faciendi quod facit Ecclesia: anathema sit. (DH 1611)

Da die Macht des Priesters dermaßen groß ist, so lässt sich auch die Frage stellen, ob der Priester etwas Sakramentales bewirkt, wenn er etwas lediglich ausspricht. Luther gab die vom Priester lediglich im Scherz gesprochene Absolution (si non serio, sed ioco absolveret) für gültig aus. Leo X. verdammte  diesen Satz in Exsurge Domine (1520):

[Es ist nicht so, dass:] 12. Wenn – den unmöglichen Fall angenommen – der Beichtende nicht reuig wäre oder der Priester nicht ernsthaft, sondern im Scherz losspräche, dann ist er, wenn er dennoch glaubt, daß er losgesprochen sei, ganz wahrhaftig losgesprochen.

Und das Tridentinum bestätigte dieses Urteil (S. 14 can. 9. De sacram. Poenit.)

Kan. 9. Wer sagt, die sakramentale Lossprechung des Priesters sei kein richterlicher Akt, sondern ein bloßer Dienst der Verkündigung und Erklärung; die Sünden seien dem Bekennenden vergeben, wenn er nur glaubt, er sei losgesprochen, oder der Priester nicht ernsthaft, sondern im Scherz losspricht; oder sagt, das Bekenntnis des Büßenden sei nicht erforderlich, damit ihn der Priester lossprechen kann: der sei mit dem Anathema belegt (DH 1709)

Bereits das Symbolum Innozenz‘ III. für die Waldenser (1208) enthielt das Bekenntnis, dass die fidelis intentio proferentis zur Wirksamkeit der Konsekrationsworte erforderlich sei. Da dieses Symbolum viele aktuelle Themen abdeckt, so stellen wir es etwas ausführlicher vor.

Wir verwerfen auch in keiner Hinsicht die S a k r a m e n t e , die in ihr [der Kirche] unter Mitwirkung der unschätzbaren und unsichtbaren Kraft des Heiligen Geistes gefeiert werden, selbst wenn sie von einem sündigen Priester gespendet werden, solange ihn die Kirche zuläßt; auch verunglimpfen wir nicht die von ihm vollzogenen kirchlichen Verrichtungen bzw. Segnungen, sondern nehmen sie wie vom Gerechtesten wohlwollenden Herzens an; denn die Schlechtigkeit eines Bischofs oder Priesters schadet (non nocet malitia episcopi vel presbyteri) weder bei der Taufe eines Kindes noch bei der Konsekration der Eucharistie, noch bei den übrigen kirchlichen Verrichtungen, die für die Untergebenen vollzogen werden. (DH 793)

[…] Wir glauben fest und ohne Zweifel mit reinem Herzen und bekräftigen aufrichtig mit gläubigen Worten, daß das O p f e r , das heißt, Brot und Wein, nach der Konsekration der wahre Leib und das wahre Blut unseres Herrn Jesus Christus ist; dabei wird, so glauben wir, von einem guten Priester nichts mehr und von einem schlechten nichts weniger vollbracht (perfici); denn nicht durch das Verdienst dessen, der konsekriert, sondern durch das Wort des Schöpfers und durch die Kraft des Heiligen Geistes wird es bewirkt (non in merito consecrantis, sed in verbo efficitur Creatoris et in virtute Spiritus Sancti). Daher glauben wir fest und bekennen, daß keiner, mag er auch noch so ehrenwert, religiös, heilig und klug sein, die Eucharistie konsekrieren oder das Opfer des Altares vollziehen kann und darf, wenn er nicht Priester ist, der von einem sichtbaren und berührbaren Bischof vorschriftsmäßig geweiht wurde. Zu dieser Amtshandlung ist, wie wir glauben, dreierlei notwendig, nämlich eine bestimmte Person, das heißt, ein vom Bischof, wie wir eben sagten, eigens zu dieser Amtshandlung bestellter Priester, jene feierlichen Worte, die von den heiligen Vätern im Kanon ausgedrückt wurden und die gläubige Absicht dessen, der sie vorträgt (et fidelis intentio proferentis); und deshalb glauben wir fest und bekennen, daß jeder, der ohne vorhergehende Weihe durch einen Bischof, wie wir eben sagten, glaubt und behauptet, er könne das Opfer der Eucharistie vollziehen, ein Häretiker ist, Teilhaber und Mitgenosse der Verkommenheit des Korach und seiner Komplizen ist [Num 16] und von der ganzen heiligen Römischen Kirche abgesondert werden muß. […] (DH 794)

Ebenso erklärten Martin V. 1480 in den für die Wiklifiten und Hussiten festgestellten Fragen (DH 1262) und Eugen IV. 1439 im Dekret für die Armenier (DH 1310 ff.) die intentio faciendi quod facit Ecclesia für eine notwendige Bedingung der gültigen Sakramentenspendung.

  1. Ebenso [frage man], ob er glaube, daß ein schlechter Priester mit der gebührenden Materie und Form und mit der Absicht, zu tun, was die Kirche tut, wahrhaft die Wandlung vollziehe, wahrhaft losspreche, wahrhaft taufe und wahrhaft die anderen Sakramente erteile. (DH 1262)

Alle diese Sakramente werden durch dreierlei vollzogen, nämlich durch die Dinge als Materie, die Worte als Form und die Person des Spenders, der das Sakrament erteilt in der Absicht, zu tun, was die Kirche tut (cum intentione faciendi, quod facit Ecclesia); wenn irgendetwas von diesen fehlt, kommt das Sakrament nicht zustande. (DH 1313)

Leo XIII gab 1896 über die Weihen der Anglikaner das Urteil ab, sie seien wegen einer wesentlichen Verstümmelung der Form und wegen des defectus intentionis ungültig (DH 3315 ff.).

Mit diesem innersten Formfehler nun ist das Fehlen der A b s i c h t verbunden, welche die Weihe gleich notwendig erfordert, um ein Sakrament zu sein. Über die Gesinnung oder die Absicht urteilt die Kirche nicht, da diese ja an sich etwas Innerliches ist; insofern sie aber geäußert wird, muß sie über diese urteilen. Wenn nun aber jemand, um ein Sakrament zu vollziehen und zu spenden, ernsthaft und ordnungsgemäß die gebührende Materie und Form angewandt hat, so nimmt man eben deshalb von ihm an, er habe offenbar das zu tun beabsichtigt, was die Kirche tut (facere intendisse quod facit Ecclesia). Auf diesen Grundsatz stützt sich nun die Lehre, die festhält, daß es sich selbst dann wahrhaft um ein Sakrament handelt, wenn es durch den Dienst eines häretischen oder nicht getauften Menschen – sofern nur nach dem katholischen Ritus – gespendet wird. Wenn dagegen der Ritus verändert wird in der offenkundigen Absicht, einen anderen, von der Kirche nicht anerkannten Ritus einzuführen und das zurückzuweisen, was die Kirche tut und was aufgrund der Einsetzung Christi zur Natur des Sakramentes gehört, dann ist es klar, daß nicht nur die für das Sakrament notwendige Absicht fehlt, sondern sogar eine dem Sakrament entgegengesetzte und widerstreitende Absicht vorliegt (non solum necessariam sacramento intentionem deesse, sed intentionem immo haberi sacramento adversam et repugnantem). (DH 3318)

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