Intention bei Sakramentenspendung. (4 von 6)

2. Die Offenbarungsquellen über die Intention der Sakramentenspendung

a) Die Heilige Schrift

Bei der Lehre von der Intention ist zu berücksichtigen, dass der Priester als Vertreter der Kirche (in persona Ecclesiae) handelt, diese wiederum den Willen Christi tut, sodass der Priester auch in Person Christi (in persona Christi) handelt. „Die Heilige Schrift führt den Vollzug der Taufe und auch Eucharistie auf einen Befehl Christi zurück (Mt 28,19; Lk 22,19). Sie berichtet, dass die Taufe »im Namen Jesu Christi«, d. h. nach seiner Anordnung und in seiner Kraft gespendet (Apg 2,38 und ö.), dass die Eucharistie »zu seinem Gedächtnis« gefeiert (1 Kor 11,25) und die Krankenölung „»im Namen des Herrn« (Jak 5,14) erteilt wurde. Überhaupt sind die Spender der Sakramente »Diener Christ und Verwalter der Geheimnisse Gottes« (1 Kor 4,1). Alles dieses erfordert ein Eingehen der Spender auf den Willen des Auftraggebers. Da nun der Wille der Kirche ganz dem Willen Christi entspricht, so handelt nur der als Diener Christi, der wenigstens zu tun beabsichtigt, was die Kirche tut.“[1]

b) Tradition

Aufgrund der hohen Qualität der Priester in der Väterzeit kamen die Zweifel an ihrer Intention kaum auf. So ist bei Diekamp-Jüssen nachzulesen: „Die Väter haben dieser Bedingung der gültigen Spendung noch keine nähere Aufmerksamkeit geschenkt. Wenn eine sakramentale Handlung durch eine dazu befugte Person vollzogen wurde, so galt dies im Allgemeinen als ausreichend, um den Akt zur Handlung Christi zu machen. Die wenigen in Betracht kommenden Zeugnisse sind folgende:

Papst Kornelius nennt im Jahre 1051 die Weihe des Gegenpapstes Novation unwirksam (inanis manuum impositio), weil die drei weihenden Bischöfe mit Gewalt zur Handauflegung gezwungen worden seien (Eusebius Hist. Eccl. VI, 43).“[2] Diese Ungültigkeitserklärung seitens des Papstes ist aber wahrscheinlich auf den Zwang und nicht auf die fehlende Weiheintention zurückzuführen, da ein äußerer Zwang einen menschlichen Akt (actus humanus), der bewusst und freiwillig zu sein hat, zunichte machen. Diekamp-Jüssen gibt noch weitere Beispiele an: „Firmilian von Cäsarea (um 256) verwirft die von Besessenen erteilte Taufe (Ep. 75, 10f. inter epp. Cypr.). Athanasius soll als Kind beim Spielen andere Knaben getauft und der Bischof Alexander von Alexandrien soll diese Taufen als Kind gültig anerkannt haben (Rufinus Hist. Eccl. X, 15). Augustinus hält es nicht für ausgemacht, dass eine Taufe ungültig sei, bei der die Handlung ludicre et mimice et ioculariter [spielerisch, nachahmerisch und scherzhaft Red.] vor sich gehe (De bapt. VII, 53, 102).“

Nach der Zeit der Völkerwanderung, des Niedergangs der geordneten Zivilisation des römischen Imperiums, einer Zeit also, die wir direkt zu unserer Zeit in Beziehung setzen können, entstand ein schlechter Klerus, eine Kaste von Nikolaiten und Simoniten, welche wie die Nikolaiten im Priesterkonkubinat lebten und sich als Simoniten ihre Ämter kauften. Es war also wie heute, obwohl die meisten Priesterkonkubinarier keine Sodomiten waren. Aufgrund dieser Entwicklung innerhalb der Kirche stellte sich das Kirchenvolk und auch die Theologen immer mehr die Frage nicht nur nach der Gültigkeit der Sakramente, sondern auch nach der rechten Intention des Spenders. Da die Sakramente etwas Objektives sind, so ist davon auszugehen, dass sie von Menschen im Gnadenstand objektiv wahrgenommen werden. Dies bedeutet aber auch, dass dort, wo kein Sakrament wahrgenommen wird, höchstwahrscheinlich auch kein Sakrament stattfindet.

So lesen wir bei Diekamp-Jüssen: „Als sich die Frühscholastik der Frage nach der Notwendigkeit der Intention zuwandte, fand sie keinen Boden fester Überlieferung und löste die Frage in sehr verschiedenem Sinn. Es gab sogar Theologen, die gar keine Intention des Spenders für nötig erachteten. Zuerst äußerte Hugo von Sankt Victor († 1141) die bestimmte Ansicht, dass »das Werk der Dienste Gottes vernünftig (rationalis) sein« und daher aus der „Absicht zu hervorgehen müsse (De sacr. II, 6, 13), und diese Auffassung drang nach einigem Schwanken der Meinungen allgemein durch. Petrus Cantor († 1197) sprach als erster von der Intention, das Sakrament eo fine, quo Ecclesia id facit [mit dem Ziel, mit welchem die Kirche es tun ], zu spenden und Präpositinus († nach 1230) wandte zum ersten Mal die Formel intentio quod facit Ecclesia an.“  Das  vom  Hugo von Sankt Viktor verwendete Wort „vernünftig“ (rationalis) ist natürlich nicht im Sinne des nachaufklärerischen  oder modernistischen  Rationalismus zu deuten,  wonach nur das  vernünftig oder rational ist, was der Mainstream  für  rational und vernünftig hält. Hugo von Sankt Viktor meint einfach, dass der Priester keine nebulösen Formen von sich  zu geben hat, die er nicht versteht, sondern  er das intellektuell nachvollziehen sollte, was er mit der sakramentalen Handlung bewirkt.

[1] Diekamp-Jüssen, 847.

[2] Ebd.

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