Intention bei Sakramentenspendung. (5 von 6)

Spekulative Begründung

Unter der „spekulativen Begründung“ versteht die Theologie den vernunftgemäßen Nachvollzug  der geoffenbarten Wahrheit und der kirchlichen Lehre. Dies bedeutet einfach, dass das, was die Kirche lehrt in sich stimmig, frei von Widersprüchen und intellektuell nachvollziehbar ist .  so gibt  Diekamp-Jüssen die folgenden spekulativen Begründungen an :

  1. „Das äußere Zeichen ist hinsichtlich der übernatürlichen oder bloß natürlichen Geltung an sich unbestimmt.“[1] Natürlich ist ein Zeichen unbestimmt. Sie taufen ja nicht immer jemanden, wenn sie ihn mit Wasser begießen. „Erst Intention dessen, der es vollzieht, gibt ihm die bestimmte Geltung, die zum Beispiel beim Einüben des Ritus eine bloß natürliche ist. Deswegen erhält das äußere Zeichen bei der wirklichen Sakramentenspendung nur durch die Intention des Spenders seine übernatürliche sakramentale Geltung (Summ. Theol. 3 q. 64 a. 8).“ Diese Worte sind insofern wichtig, weil die Priesteramtskandidaten die Verschwendung der Sakramente zuerst einüben und dabei die Intention ausschalten. Somit hat das Begießen mit Wasser beim Üben „bloß eine natürliche Geltung“, um es mit Diekamp-Jüssen zu sagen. Ebenso wandelt ein Priester, der die Alte Messe lernt, nicht gültig, wenn er die Intention ausschaltet.
  2. Wäre die Intention völlig unwichtig, dann würden Sakramente sozusagen ständig unbeabsichtigt stattfinden. Diekamp-Jüssen fasst es wie folgt auf: „es widerspreche der Würde und dem Zweck der Sakramente, wenn ihre Wirkungen unbeabsichtigt, also zufällig zustande kommen könnten (ibid., Sed contra: Auf der anderen Seite ist Alles das, was absichtslos geschieht, Zufall; was man von der Wirksamkeit der Sakramente nicht sagen kann.)“.[2]

Nähere Bestimmungen über die erforderliche Intention

Nachdem wir in den vorherigen Teilen erfahren haben, wie es um die Intention steht, können wir jetzt die Frage stellen, welche Intention zur Sakramentenspendung erforderlich ist.

Welche Intentionen haben wir?

  1. Intentio actualis
  2. Intentio virtualis
  3. Intentio habitualis
  4. Intentio interpretativa
  1. „Die Intention des Spenders muss mindestens virtuell (nachwirken) sein.“[3] Natürlich wäre eine aktuelle Intention am besten, aber auch eine virtuelle, welche vorgefasst wurde und auf die Handlung selbst einwirkt, ist ausreichend. „Eine bloße intentio habitualis oder gar interpretativa genügt nicht zur Gültigkeit; denn bei ihr fehlt die durch das Dogma gefordertem geistige Mitbeteiligung des Spenders. Hingegen ist intentio actualis nicht notwendig, sondern die intentio virtualis reicht aus, weil diese die Handlung wirksam beeinflusst und zu einem actus humanus macht, wie es der „Dienst Christi“ sein muss, und weil es anderer andererseits moralisch unmöglich ist, beständig die aktuelle Intention zu haben. Jedoch soll der Spender wegen der Heiligkeit der Handlung eine aktuelle Intention nach Möglichkeit anstreben. So Thomas gibt zu: Non oportet, quod in opere semper intentio coniungatur cum actu, sed sufficit, quod opus ab intentione precedat – Es ist nicht notwendig, dass beim Werk immer die Intention mit der Tat verbunden ist, sondern es genügt, dass das Werk aus der Intention hervorgeht (In Sent.  4 d. 6 q. 1 a. 2 sol 1 ad 4). Aber er bemerkt auch: Minister sacramenti debet niti ad custodiendum cor suum, quantum potest, ut maxime in verbis sacramentalis formae intentionis habeat actualem (ib.) Der Spender des Sakraments sollte bestrebt sein über sein Herz zu wachen, soviel er kann, damit er insbesondere bei den Worten der sakramentalen Form die aktuelle Intention hat (ib.) Ähnlich 3 q. 64 a, 8 ad 3. Die intentio habitualis, die Thomas an letzterer Stelle als ausreichend bezeichnet ist, wieder Zusammenhang deutlich Zeit, keine andere als die virtuelle Intention, wie sie Seitz Gottes genauer von der habituellen unterschieden wird.“[4] So viel Diekamp-Jüssen. Es lässt sich aber die Frage stellen, wie man überhaupt zu solch einer aktuellen Intention gelangen kann? Dadurch, dass man überhaupt das betrachtende Gebet übt, weil sich dadurch die Konzentrationsfähigkeit sehr steigert und dadurch, dass man im Gebet vor den sakramentalen Handlungen die eigentliche sakramentale Formel im Gebet betrachtet. Dadurch erreicht man einen Habitus, welcher die schnelle Sammlung und die aktuelle Intention ermöglicht.
  1. Aus dem Vorhergehenden resultiert das Folgende. Man muss dadurch, dass man äußerlich tut, die inneren, theologischen Bedeutung vor Augen haben. „Die Intention muss innerlich sein, d. h. sich irgendwie auf die innere Bedeutung der Handlung beziehen. Das Sakrament wird nicht gültig vollzogen, wenn die Intention rein äußerlich ist (intentio mere externa), d. h., wenn sie einzig und allein darauf gerichtet ist, die äußere Handlung unter den üblichen Umständen (Ort, Zeit, Kleidung) genau und scheinbar ernsthaft zu vollziehen, während der Spender die intentio faciendi quod facit Ecclesia innerlich ausschließt.“[5] Dies stimmt, wenn der Spender nach außen hin alles korrekt verwirklicht, aber innerlich die Intention ausschließt, so ist ihm durch nichts auf die Schliche zu kommen, weil wir uns einen Seelenzustand nicht wissen. Dieser Einwand betrifft natürlich alle Priester aller Zeiten. In der Kirchengeschichte gab es bezüglich der äußeren unter innere Intention verschiedene Ansichten, wie Diekamp-Jüssen anführt.

„Dass eine rein äußere Absicht genüge, wurde namentlich von Ambrosius Catharisnu († 1553) behauptet, dem sich Salmeron, Serry, Contenson, Stattler, Hass, Glossner angeschlossen. Dagegen spricht:

a) Der „Dienst Christi“, in der Spender eines Sakramente zu leisten hat, ist mit dem inneren Vorhaben, nicht taufen, nicht firmen, nicht konsekrieren, überhaupt nicht tun zu wollen, was die Kirche tut unvereinbar; denn die Kirche vollzieht den äußeren Ritus nicht rein materiell und äußerlich, sondern als eine heilige, religiöse Handlung.

b) Eine Intention, die bei der äußeren, natürlichen Geltung der Handlung stehen bleibt; kann den Akt nicht zur Bedeutung eines Sakramentes erheben.

c) Wie oben bemerkt wurde, verwerfen Leo X. und das Konzil von Trient die Behauptung Luthers, die non serio, sed ioco erteilte Lossprechung sei gültig; das Konzil S. 14 cp 6 (Denz 1684 f.) verlangt vom Beichtvater den animus serio agendi et vere absolvendi, weil sonst der richterliche Akt, der dem Sakramente wesentlich ist, nicht zustande kommt.

Obwohl aber die Lossprechung des Priesters die Ausspendung einer fremden Wohltat ist, so ist sie dennoch nicht nur der bloße Dienst, das Evangelium zu verkünden oder zu erklären, daß die Sünden vergeben sind: vielmehr wird sie vollzogen  nach Art eines richterlichen Aktes, durch den von ihm selbst als von einem Richter der Urteilsspruch verkündet wird [Kan. 9].

Und deshalb darf der Büßende sich nicht so sehr wegen seines eigenen Glaubens schmeicheln, daß er meint, auch wenn er keine Reue hat oder dem Priester die Absicht fehlt, ernsthaft zu handeln (animus serio agendi et vere absolvendi) und wahrhaft loszusprechen, so sei er dennoch allein wegen seines Glaubens wahrhaft und vor Gott losgesprochen. Denn Glaube ohne Buße würde keine Vergebung der Sünden gewährleisten, und der würde sein Heil schwer vernachlässigen, der erkennt, daß ein Priester ihn im Scherz losspricht (sacerdotem ioco se absolventem cognosceret), und nicht nachdrücklich einen anderen sucht, der ernsthaft handelt [vgl. *1462]. *(1685)

Darum ist die Forderung einer inneren Intention eingeschlossen.

d) Alexander VIII. verurteilt 1690 den Satz:

  1. Die Taufe ist gültig, wenn sie von einem Spender vollzogen wurde, der den ganzen äußeren Ritus und die Form der Taufe beachtet, innerlich aber in seinem Herzen bei sich beschließt: Ich beabsichtige nicht, was die Kirche tut. (DH 2328)

[1] Diekamp-Jüssen, 847-848.

[2] Ebd.  848.

[3] Ebd.

[4] Ebd., 848.

[5] Ebd.

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