Intention bei Sakramentenspendung. (6 von 6)

3. Interessanterweise braucht die Intention des Sakramentenspenders nicht in allen Einzelheiten theologisch völlig korrekt zu sein. Eine allgemeine Intention das mit diesem Ritus zu tun, was die katholische Kirche damit beabsichtigt, genügt. Diekamp-Jüssen fasst es wie folgt auf: „Die Intention des Spenders braucht keine spezielle und reflexe Intention zu sein, d. h., sie braucht nicht ausdrücklich auf die Spendung eines wahren und eigentlichen Sakramentes zu gehen, sie braucht sich auch nicht auf den Zweck und die Wirkungen des Sakramentes zu beziehen, weder auf alle noch auf eine einzelne“. Was bedeutet das? Dies bedeutet, dass ein Priester gültig ein Sakrament spenden kann, ohne zu beabsichtigen:

    • ein Sakrament in seiner theologischen Fülle zu spenden,
    • ein konkretes Sakrament zu spenden,
    • das, mit der Spendung dieses Sakramentes zu bezwecken, was es bezweckt,
    • alle Wirkungen dieses Sakrament mit der Spendung zu bezwecken.

Dabei muss man zwischen „Wissen“ oder „Intendieren“ und „Beabsichtigen“ unterscheiden. Es spielt keine Rolle, ob der Priester es weiß, sondern ob er mit seiner Handlung es beabsichtigt. Sicherlich kann man nichts beabsichtigen, ohne darum zu wissen, aber das ist ein anderes Thema. So lesen wir bei Diekamp-Jüssen weiter: „Zwar ist Intention der Kirche auf die ganze innere Bedeutung des sakramentalen Geschehens gerichtet; aber sie verlangt von ihrem Diener als Gültigkeitsbedingung nicht, dass er intendiert, was die Kirche intendiert, sondern nur, dass er tun will, was die Kirche tut. Es genügt also die generelle und direkte Intention, jenen Ritus zu vollziehen, den die Kirche vollzieht; er braucht dabei nicht als Ritus der römisch-katholischen Kirche intendiert zu werden, sondern es genügt die Absicht, zu tun, was die Christen mit diesem Ritus zu tun gewohnt sind.  Non obstante infidelitate (minister) potest intendere facere id quod facit Ecclesia, licet aestimet id nihil esse. Et tali intentio sufficit ad sacramentum. – Ungeachtet der Untreue kann (der Spender) die Absicht haben das zu tun, was die Kirche tut, auch wenn er es für nichts hält. Und solch eine Intention genügt zum Sakrament (Summ. Theol. III, q. 64 a. 9 ad 1; vlg. In Sent 4 d. 6 q.  a. 3 sol 2 ad 1).”[1] Und daher ist die Häretikertaufe immer als gültig eingeschätzt worden, weil die Spender, auch Nicht-Katholiken die allgemeine Absicht hatten das zu tun, was die Christen mit diesem Ritus zu tun gewohnt sind.

4. Eine Intention, kann aber auch eine bedingte sein. Was bedeutet das? Wenn ein Priester beispielsweise sagt, „ich beabsichtige mit diesem Sakrament das zu tun, was die Kirche damit tut, wenn ich in drei Jahren zum Bischof geweiht werde“. Weil die Gegenwart von der Zukunft, die noch nicht eingetreten ist, abhängt, so ist die tatsächliche Absicht im Moment ihrer Durchführung nicht gegeben. Diekamp-Jüssen fasst es wie folgt auf: „Eine bedingte Intention des Spenders macht das Sakrament ungültig, wenn die Bedingung der unsicheren Zukunft angehört, weil in diesem Fall der Wille, das äußere Zeichen zu einem wirksamen Zeichen der Gnade zu machen, in suspenso bleibt und folglich nichts wirkt.“ Aber eine Bedingung kann auch die Vergangenheit oder die Gegenwart betreffen. Wenn der Priester sagt: „Ich habe die Absicht das zu tun, was die Kirche mit diesem Ritus tut, wenn ich tatsächlich zum Priester in der Vergangenheit geweiht wurde, dann ist das Sakrament gültig. „Gehören die Bedingung der Vergangenheit oder Gegenwart an, so ist beim Vollzug des äußeren Zeichens schon entschieden ob die Bedingung erfüllt ist oder nicht. Im ersteren Fall ist die bedingte Intention einer unbedingten gleichwertig und deshalb die Spendung des Sakramentes gültig, im letzteren ungültig,  über die Wirkung der beigefügten Bedingung bei der Ehe ist das Kirchenrecht zu vergleichen.“[2] Wenn der Priester zum Beispiel seine Intention davon abhängig macht, ob die Anwesenden ihn toll finden, dann ist das Sakrament ungültig, weil er die Bedingung , von der seine Entscheidung abhängt, nicht feststellen kann  und dadurch sein Wille , wie im Falle der Vergangenheit, ebenfalls in suspenso  Genauso wird   die Frage der Bedingung bei der Eheschließung gesehen.

Was bedeutet das praktisch für unser Leben?

Es bedeutet wohl dies, dass Sie nach wie vor nicht wissen können, ob der Priester die rechte Intention hat oder nicht, weil Ihnen seine Absicht verborgen bleibt. Dies gilt für jeden Priester und jeden Ritus.  Je unorthodoxer die Ansichten, desto größere Wahrscheinlichkeit der fehlenden Intention, aber eine Sicherheit gibt es nicht. Wenn Ihnen die Ansichten eines Priesters komisch vorkommen, dann gehen Sie woanders zur Messe und beichten ebenfalls woanders, aber nur in kanonisch regulären Gemeinschaften, nicht bei der FSSPX.

  • Heilsnotwenig ist nur eine Beichte nach der schweren Sünde.
  • Kommunionempfang ist nicht heilsnotwendig.
  • Die Sonntagspflicht entfällt nicht, wenn Sie Zweifel an der Gültigkeit der Messe haben.
    • Sie können hingehen, brauchen aber nicht zu kommunizieren, sondern die geistliche Kommunion praktizieren.
  • Sie können davon ausgehen, dass Gott, wenn Sie Ihn Ernstnehmen, Sie schon an gültigen und würdigen Sakramenten teilhaben lässt. Manchmal muss man etwas warten oder etwas weiter weg fahren.

[1] Diekamp-Jüssen, 849.

[2] Ebd.

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