Tradition und Glauben

Interview mit Kardinal Burke in Wien vom 16.05.2016

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Da wir uns wohl hier alle auf diesem Blog fragen, ob irgendwelche Prälaten vom Bischof aufwärts irgendetwas gegen Papst Franziskus unternehmen werden, so muss man einfach zugeben können, dass dies nicht geschehen wird. Beruhigend beschwichtigend wirkt Kardinal Müller, Bischof Schneider, nur ein Weihbischof, rudert sichtbar zurück und Kardinal Burke ermuntert zwar die Priester die Strafen ihrer Vorgesetzten auf sich zu nehmen, er selbst formt aber keinen Widerstand und sagt nicht, dass Amoris laetitia häretisch sei und der Papst abgesetzt werden sollte. Kardinal Burke wählt die pragmatische Lösung AL, wie die übrigen Enzykliken und Aussagen von Franziskus nicht als Teil des Lehramtes anzusehen. Er hat insofern recht, dass diese Aussagen nicht katholisch sind, weil sie mit dem vorherigen Lehramt nicht übereinstimmen und kein Papst das Lehramt neuerfinden kann, sondern nur der Bewahrung der Überlieferung dient, wie es sehr deutlich die Konstitution Pastor Aeternum darlegt. Da sie aber nicht katholisch sind, was sind sie dann? Von der Katholizität abweichend, also häretisch.

  • Kennt Papst Franziskus und sein Umfeld die katholische Theologie soweit, um zu wissen was katholisch ist und was es nicht ist? Ja.
  • Schreibt er seine Amoris Laetitia im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte? Ja.
  • Macht er Amoris Laetitia publik? Ja.
  • Um das ewige Lehramt der Kirche auszuhebeln und der Kirche zu schaden? Ja.

Dann ist es leider eine formelle Häresie im forum externum. Denn dies ist ein lehramtliches Schreiben und kein Privatbrief des Papstes. Kardinal Burke weiß das auch, aber die Lösung erspart ihm, so denkt er, die Notwendigkeit die Häresie des Papstes auszurufen. Der Schreiber dieser Zeilen hat vor kurzem selbst an einen Kardinal geschrieben, das H-Wort benutzt (formelle Häresie im forum externum) und den Kardinal eindringlich zur Intervention gemahnt. Der Kardinal stimmte ihm in allem zu, berief sich auf seine, des Kardinals, glorreiche Vergangenheit, gab zu, dass AL verheerend ist und ihre Folgen unabsehbar und verwies den Schreiber dieser Zeilen an seinen eigenen Bischof, der ihn wahrscheinlich auch irgendwo verweisen wird. Die Kardinäle wissen also Bescheid, denn ein Blinder kann es sehen. Und sie tun dennoch nichts und Papst Franziskus und sein Umfeld, zu denen auch viele Kardinäle gehören, trägt die sichtbare Kirche nach und nach ab. Ein Schande.

 

Kardinal Burke: Interview – deutsche Zusammenfassung

Da nicht alle unsere Leser Englisch können, daher fügen wir hier eine deutsche Zusammenfassung bei, wie sie im Portal gloria.tv gefunden wurde.. Obwohl wir eine gesunde Distanz zu diesem Portal pflegen und zwar nicht aufgrund seines „Fundamentalismus“, sondern aufgrund der dort wuchernden Privatoffenbarungen aller Art, starker Politisierung und theologischen Diletantentums, dennoch sind wir froh, dass es ihn gibt und wir diese Übersetzung, welche  das Mitverfolgen des Interviews erleichtert, präsentieren können.

Kardinal gegen Kardinal

Professor Stark erinnert im Gespräch mit dem Kardinal an das Wort von Papst Franziskus, wonach Amoris Laetitia im Sinne der Vorstellung des Dokumentes durch Kardinal Schönborn von Wien auszulegen sei. Schönborn sagte dabei unter anderem, dass Amoris Laetitia die „künstliche Unterscheidung“ zwischen „regulären“ und „irregulären“ Ehen überwinde.

Kardinal Burke bezeichnet diese Interpretation als „verwirrend“: „Die Unterscheidung zwischen regulären und irrregulären Verbindungen ist keinesfalls künstlich. Sie ist eine Realität.“

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Die Aussage von Schönborn stellt für Kardinal Burke „keinen möglichen Weg der Interpretation des päpstlichen Textes dar“.

Verwirrung in „Amoris Laetitia“ 305

Professor Stark erinnert im Anschluss daran an Amoris Laetitia 305, wo im Kontext der geschiedenen Wiederverheirateten von „einer objektiven Situation der Sünde – die nicht subjektiv schuldhaft“ sein muss, die Rede ist.

Kardinal Burke führt diese umstrittene Aussage auf eine „Verwirrung“ bezüglich der katholischen Lehre über schuldmindernde Faktoren zurück. Als Beispiele solcher Faktoren nennt Burke etwa Gefühlsausbrüche, den Einfluss von Drogen und Alkohol oder unzulässigen Druck von Seiten einer Autoritätsinstanz. Doch er fügt hinzu: „Diese Argumentation gilt nicht für ein Leben in öffentlicher Sünde.“

Priester sollen verweigern und die Konsequenzen tragen

Stark rechnet damit, dass die Priester als Folge von Amoris Laetitia vermehrt gedrängt werden könnten, die Kommunion an geschiedene Wiederverheiratete spenden zu müssen. Er fragt, wie sich ein Priester verhalten soll, der von den eigenen Vorgesetzten in diese Richtung unter Druck gesetzt wird.

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Kardinal Burke antwortet, dass ein Priester verpflichtet ist, seinem Gewissen zu folgen. Es sei eine schwere Ungerechtigkeit, von Priestern etwas zu verlangen, was sie nicht tun können. Die betroffenen Priester sollten „verweigern und die Konsequenzen tragen“. Burke erklärt, dass in so einem Fall die Bestrafung durch einen Oberen ein Glaubenszeugnis ist.

Was realistischerweise passieren wird

Professor Stark formuliert die Befürchtung, dass Amoris Laetitia einige Kräfte ermächtigt, die kirchliche Lehre zu untergraben und gleichzeitig den Konservativen erlaubt, in der Illusion zu leben, dass sich nichts geändert habe.

Kardinal Burke stimmt zu. Das werde realistischerweise geschehen. Amoris Laetitia sei lange und erkläre wortreich Dinge, die in ihrer Wahrheit und Schönheit sehr einfach sind. Das birgt für den Kardinal das Risiko einer Interpretation, die das erlaubt, was die Kirche verbietet. Man dürfe – so Burke – nicht sagen, dass sich nichts geändert habe und es keinen Grund zur Besorgnis gebe: „Natürlich muss man besorgt sein.“

Burke rechnet damit, dass die Medien Amoris Laetitia als kirchliche Revolution interpretieren.

Gefahr der Heuchelei

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Kardinal Burke bemerkt, dass in Kreisen der Kirche eine sehr weltliche und politische Denkweise vorherrsche, welche die Katholiken in verschiedene Lager einteilt, die dann etwa als Rigoristen oder Nachsichtige dargestellt würden. Aber diese Denkweise entspreche nicht der einen, katholischen Kirche: „Wir haben keine politischen Parteien.“

Burke gesteht ein, dass die gegenwärtige Situation den Eindruck geben kann, „dass zwei Kirchen existieren.“ Das sei für Glaubensschwache und Nicht-Katholiken ein Skandal und führe auch zu einer Doppelmoral: „Beispielsweise sagt die Kirche, dass die Ehe unauflöslich sei, aber jetzt gibt es einen Annullierungsprozess, der praktisch die Ehe von jedem, der eine Annullierung anstrebt, für nichtig erklärt. Oder: Die Kirche sagt, dass die Heilige Eucharistie der Leib Christi ist und man für die Kommunion richtig disponiert sein müsse. Doch gleichzeitig gibt sie die Kommunion jedem, der sich empfangen will, ohne Fragen zu stellen.“

Exportiert die Kirche in Deutschland ihren Niedergang?

Professor Stark stellt fest, dass die deutsche Kirche und ihre Verbündeten die Auseinandersetzung während der Familiensynode für sich entschieden haben. Er fügt hinzu, dass jedoch genau diese Kirchen gegenwärtig einen desaströsen Niedergang erleben: „Sie haben seit Jahrzehnten gezeigt, dass das, was sie tun, nicht erfolgreich ist.“

Kardinal Burke antwortet mit dem Zitat eines afrikanischen Kardinals, der bemerkte, dass die westeuropäischen Länder leere Kirchen haben, weil sie gegen Lehre und Praxis der Kirche rebellieren. Dieser Kardinal fügte hinzu: „Jetzt wollen sie uns das aufzwingen. Ist ihr Ziel, dass auch unsere Kirchen leer werden?“

Burke sieht, dass die Kultur radikal säkularisiert ist: „Aber die Antwort darauf ist nicht, sich der Kultur anpassen.“ Man müsse ihr das Evangelium verkünden.

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“Macht Opfer, um die Wahrheit zu bewahren”

Professor Stark erklärt, in den letzten Jahrzehnten in der Kirche ein bestimmtes Muster festgestellt zu haben. Die Kirche widerstehe den Angriffen auf die Moral für einige Jahrzehnte, um schließlich nachzugeben. Er fürchtet, dass das auch im Fall von Ehe und Familie passieren könnte.

Kardinal Burke stimmt zu. Er ermutigt darum dazu, die Wahrheit zu bekennen und die nötigen Opfer zu bringen. Er verweist auf Pius X., den großen Kämpfer gegen den Modernismus, und stellt fest, dass manches, was dieser Papst damals gesagt hat, so klingt, als ob es heute gesagt worden wäre.

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