Juni der Monat der Herz-Jesu-Verehrung (2 von 2)

Bevor wir uns der patristischen Exegese des Evangeliums des Herz-Jesu-Festes zuwenden, ein paar kritische liturgische Anmerkungen. DSDZ (dem Schreiber dieser Zeilen) wird oft von einer frommen Ordensschwester vorgeworfen, dass er mit diesen polemischen Spitzen und Seitenschlägen all das Gute und Fromme seiner Texte minimiert oder vielleicht ganz aufhebt. Man ist leider heutzutage  gewohnt, dass man „miteinander“ „harmoniert“ und die Frömmigkeit einen in „eine bessere Welt versetzt“, um es mit Schuberts Worten „An die Musik“ zu sagen. Dies tut sie tatsächlich, aber Frömmigkeit darf niemals Weltflucht bedeuten. DSDZ stellt fest, dass je mehr jemand ein, sagen wir es, „naturalistisches“ Leben pflegt, desto spiritualistischer seine Frömmigkeit ist. Um es einfacher und ohne Fremdwörter (seufz!) zu formulieren: lebt man wie ein „Schweinderl“, so lechzt man nach den Sternen. Weil das eigene Leben dermaßen der Frömmigkeit fremd ist, so muss die Frömmigkeit etwas Lebensfremdes sein, sonst würde man selbst ja schlecht dastehen. Dies erklärt auch z.B. die Diskrepanz der höchst frommen gloria.tv Beiträgen und der höchst unfrommen Kommentaren, welche oft von denselben Personen getätigt werden. Je mehr man aber geistlich fortschreitet, desto einheitlicher wird alles. Deswegen behalten wir hier unsere Spitzen bei, weil sie auch unser aller Leben ausmachen.

Die Kirchenväter kommentieren unten Joh 19, 31-35 Stelle, welche im Alten Ritus das Herz Jesu Fest begleitet. Nicht aber im Novus Ordo, was sehr interessant ist, denn:

  • im Lesejahr A liest man Joh 6, 51-58;
  • im Lesejahr B liest man Joh 19, 31-37;
  • im Lesejahr C liest man Lk 15, 3-7.

Dies bedeutet, dass man nur einmal alle drei Jahre am Hochfest Herz-Jesu das eigentliche Evangelium vom Herz-Jesu-Fest liest. Ist das nicht witzig? Und warum tut man das? Damit man vergisst, wie wir woanders bereits schrieben. Es ist doch unmöglich, dass Sie in die Tiefen eines Festes kommen, das einmal im Jahr gefeiert wird, wenn Sie das betreffende Evangelium nur alle drei Jahre hören, wobei 1095 Tage dazwischen liegen. Natürlich konnten die „Reformer“ sagen, dass durch die zusätzlichen Evangelien oder Lesungen die theologische Fülle des Festes besser zum Vorschein kommt. Diese kommt aber nachweislich nicht zum Vorschein, wenn wir uns das Niveau der Predigten unserer Geistlichen, insbesondere der Hausgeistlichen mancher Orden, anhören, welche jeglichen Tiefgang vermissen lassen. Warum? Weil man sich sehr einschränken muss, um den Tiefgang zu erhalten. Sie betrachten ja zuerst eine Szene aus dem Leben Jesu, eine göttliche Eigenschaft etc. Sie betrachten also nicht alles auf einmal, denn dann betrachten Sie gar nichts. Versuchen Sie doch einmal den Moment der Durchbohrung des Herzens Jesu durch den Soldaten zu betrachten. Die Höhe des Einstichs, die Art der Lanze, die Bewegung des Soldaten, sein Ausholen, das Geräusch des durchbohrten Fleisches etc. Ja, es ist sehr direkt, sehr plastisch und sehr konkret, aber erst durch dieses Konkrete gelangen Sie in die Tiefe. Die Kirchenväter vergleichen das Herz mit Noahs Arche, mit der Quelle, mit dem Grunde. Es ist wirklich eine Quelle, aus der man zu trinken hat, denn die Fortsetzung der Ausströmung findet ja durch die Sakramente statt. Keine Herzdurchbohrung, keine Sakramente, kein Gnadenfluss. Und dieses Ausströmen findet ja ständig  dort statt, wo Sakramente, ja auch im Novus Ordo, denn sie sind gültig, gespendet werden. Hauptsächlich natürlich in der Eucharistie, in der Wesenwandlung am Altare, dort, wo sie tatsächlich stattfindet.  Katholizismus ist also nicht nur spirituell, er ist höchst konkret. Das fleischlich-wirkliche Herz Jesu wurde am Kreuze durchbohrt, es strömte real Wasser und Blut aus, was in den Sakramenten real-spirituell immer noch stattfindet. Wie real Christi Tod war, so real ist seine Gnade. Menschen, die den Gnadenfluss stoppen wollen, was ihnen seit 1962 durch die „Reform“ aller Sakramente und die Neue Messe weitläufig gelungen ist, haben diese realistische Sicht des Geistlichen, sie wissen, dass dieses Ausströmen der Gnade etwas Wirkliches und das Eigentliche ist.  Deswegen reden Sie uns ein, dass es Humbug oder „kollektives Bewusstsein des religiös sozialisierten Menschen“ ist, anders formuliert, wenn sich jemand einbildet es ist Gnade, dann ist es für ihn, in diesem Augenblick auch Gnade, womit die subjekttheoretische Sicht der Sakramente kurz geklärt wäre. Weil Gott aber allmächtig ist, so können dies Feinde Gottes den Gnadenfluss nicht gänzlich stoppen. Sie können ihn mindern und verunreinigen. Wären Sie längere Zeit in der Wüste unterwegs und völlig dehydriert, dann würden Sie das Wasser aus jeder dreckigen Pfütze trinken, ohne viel nachzudenken. Der Durst wäre stärker. So erhalten wir auch das Wasser der Sakramente, dort wo sie überhaupt stattfinden, aus der Dreckspfütze der priesterlichen Sünden. Sie bekommen auch Wasser, aber all diesen Schlamm schlucken Sie gleich mit. Das Wasser ist rein, das Rohr verdreckt, daher fordert die Kirche von ihren Priestern einen heiligen Lebenswandel, damit die Gnadenausteilung an die Gläubigen nicht leidet. Priestertum, wie die Ehe, ist ein soziales Sakrament. Dies bedeutet es ist der anderen wegen errichtet worden, nicht der eigenen Heiligung wegen, wozu andere Sakramente dienen. Und so fließt aus dem Heiligsten Herz-Jesu in den Sakramenten uns Seine Gnade zu und nicht einmal unsere Geistlichen können dies ändern.

Joh 19, 31 – 35: Es war Rüsttag. Da baten die Juden Pilatus, er möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und sie vom Kreuze abnehmen lassen, damit sie nicht den Sabbat über am Kreuze blieben. Jener Sabbat war nämlich ein hoher Feiertag. So kamen denn die Soldaten und zerschlugen dem einen wie dem andern der Mitgekreuzigten die Beine. Als sie aber zu Jesus kamen, sahen sie, daß er schon tot war. Darum zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten duchbohrte seine Seite mit einer Lanze, und sogleich floß Blut und Wasser heraus. Der dies gesehen hat, legt Zeugnis davon ab und sein Zeugnis ist wahr. Er weiß, daß er die Wahrheit spricht, damit ihr glaubt. (Henne/Rösch)

(7) Auslegung vom Heiligen Bischof Augustinus:

“Einer der Soldaten öffnete mit der Lanze seine Seite und sofort kam Blut und Wasser heraus.” Ein vorsichtiges Wort hat der Evangelist gebraucht, indem er nicht sagte: Er hat seine Seite durchstochen oder verwundet oder sonst ein Wort, sondern: er hat sie “geöffnet”, damit dort gewissermaßen die Türe zum Leben aufgetan würde, von wo die Sakramente der Kirche ausströmten, ohne die man zum Leben, wenn es ein wirkliches Leben sein soll, nicht eingehen kann. Jenes Blut, das vergossen wurde, wurde vergossen zur Vergebung der Sünden. Jenes Wasser mischt einen heilbringenden Becher; dies gewährt sowohl Bad als auch Trank. Das verkündete im Voraus der Umstand, daß Noe an der Seite der Arche die Türe anbringen ließ, durch die die Tiere, die nicht in der Flut untergehen sollten, eingehen konnten; und durch diese wurde die Kirche vorgebildet.

(8) Auslegung vom heiligen Johannes Chrysostomus:

Hier kannst du die Macht der Wahrheit sehen. Durch das, was die Juden tun, wird erfüllt, was prophezeit ist, denn auch hier erhält wieder eine solche (Weissagung) ihre Erfüllung. Es kamen also die Soldaten und zerbrachen die Gebeine der anderen, aber nicht die von Christus; sondern sie öffneten, um sich die Gunst der Juden zu verschaffen, seine Seite mit einem Speere und verhöhnten ihn nach dem Tode. Ist das nicht eine ganz entsetzliche und frevelhafte Gesinnung! Lass dich trotzdem nicht in Verwirrung bringen, Geliebtester; denn in dem, was jene in boshafter Absicht taten, dienen sie nur der Wahrheit; hier erfüllt sich die Vorhersage, die da lautet: “Sie werden schauen auf den, den sie durchbohrt haben.” Aber nicht das allein (sollte sich erfüllen), sondern auch denen, die nicht glauben wollten, ist hiermit ein Beweismittel zum Glauben geworden, wie dem Thomas und denen, die bei ihm waren. Überdies wurde hier auch ein tiefes Geheimnis bekräftig; denn “es kam Blut und Wasser heraus”. Nicht zufällig und einfachhin sprudelten diese Quellen, sondern aus dem Grunde, weil aus diesen beiden die Kirche sich bildete.

(9) Auslegung vom heiligen Bischof Bonaventura:

Damit ferner aus der Seite des schlafenden Heilandes die Kirche gebildet würde, ließ es der göttliche Ratschluß zu, daß einer von den Soldaten mit einer Lanze jene heilige Seite öffnete und durchbohrte; es sollte nämlich durch das Ausströmen von Blut und Wasser der Preis unseres Heiles ausgeschüttet werden; dieser sollte, aus dem geheimnisvollen Borne, nämlich seines Herzens kommend, den Sakramenten der Kirche die Kraft geben, das Gnadenleben zu vermitteln, und er sollte für die in Christus bereits lebendig Gewordenen ein Trank lebendigen Wassers werden, das übergeht ins ewige Leben. Erhebe dich also, Seele, die du Christus liebwert bist, werde nicht müde, wachsam zu sein, lege dort deinen Mund an, um Wasser zu schöpfen aus den Quellen des Heilandes.

(Band 2, S. 863 f.)

 

 

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(2) Kommentare

  1. Maria Magdalena sagt:

    Ich sah Wasser hervortreten aus dem Tempel von der rechten Seite, alleluja, und alle, zu denen dieses Wasser gelangte, wurden gerettet. – Vidi aquam – (Ez 47, 1)
    Aus der Seite Adams ging seine Braut, Eva, hervor (Gen 2, 21, 22).
    Aus der geöffneten Seite Christi ging seine Braut, die Kirche (Blut und Wasser, die Sakramente), hervor.
    Herz Jesu, von der Lanze durchbohrt, erbarme dich unser!

    1. Traditio et Fides sagt:

      Genau.

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