Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (30). Selbsterfahrung, Selbstvollzug und Empathie

Fünftes Kapitel

Das Urteil bei dieser Unterscheidung ist nicht gewiss und untrüglich, wenn keine ausdrückliche Offenbarung hinzu kommt. Es wird gar Vieles dazu erfordert, um auf künstliche Weise die verschiedenen Geister richtig zu unterscheiden. Es werden zu diesem Ende einige Regeln vorgeschrieben.

Als DSDZ am letzten Sonntag die wieder einmal grauenvolle Predigt eines Priesters, der auch die Alte Messe liest  über sich ergehen ließ, so dachte er, wie gut es doch ist, dass katholische Priester sechs Jahre lang im Priesterseminar von der Welt abgesondert werden, um die Perspektive Gottes kennenzulernen und alle Dinge von Gott her beurteilen zu können. Denn spirituelle Unterweisung kommt von den Mönchen, den Eremiten, welche fort gingen, um als Einzelner/Einsamer – monachos Gott das Eine – monas– kennenzulernen, wie es hl. Hieronymus fasste. Der Priester, von dem die Rede ist, ist diesen Weg nicht gegangen, was bei allem, was er predigt leider sehr zum Nachteil sichtbar wird. Wir wollen an dieser Stelle nicht den traurigen Zustand unserer Seminare samt McCarrick-Geschichten betrachten, sondern gleich zum Idealfall übergehen, welcher eigentlich der Realfall ist, weil es sonst nicht funktioniert.

Man braucht sehr viel Selbsterkenntnis und Selbsterforschung, um das, was man in sich selbst wahrnimmt bei anderen feststellen zu können. Wir sprechen hier vom geistlichen Leben, nicht vom Suhlen im Sündenpfuhl. DSDZ hat schon viele Sportarten betrieben, er singt auch und weiß, dass ein Sänger eine sehr spezifische Körperwahrnehmung entwickeln muss, um selbst zu spüren, wie sich z.B. hohe Töne “anfüllen” und andere, falls es dazu kommt, darin zu unterrichten. Gesangsunterricht ist schwierig, denn man arbeitet mit Bildern und Metaphern, um den anderen zu dieser speziellen Körperwahrnehmung zu führen. Eine Gesangslehrerin von DSDZ sagte:

“Das ist dieser Ton. Merken Sie sich, wie Sie es gemacht haben und machen es immer so”.

Dies ist leichter gesagt als getan, es braucht viel Übung bis man diese Bewegungen automatisiert. Es gibt durchaus Menschen, die es intuitiv immer richtig machten. Diese brauchen es nicht zu lernen und wissen nicht, wozu diese Theorie gut sein soll.

“Entweder man kann singen oder man kann es nicht. Punkt.”, sagen sie.

Und durch diese Gesangsmetapher kommen wir zur Geistesunterscheidung und zum inneren Leben. Während man den Gesang in sich selbst produziert, arbeitet die Gnade in uns und der böse Feind ficht uns in uns selbst an. Diese warmen und kalten Gnadenströme können sich bei anderen Personen durchaus anders anfühlen, weil sich die Menschen gerne verstellen und der Feind die Wahrnehmung trübt. Aber ohne die eigene Erfahrung als Lehrmeisterin, um mit Kardinal Bona zu sprechen, können wir niemanden helfen, weil wir gar nicht feststellen können, was in ihm vorgeht. Deswegen erfordert das geistliche Leben Schweigen und Einsamkeit, um diese Selbstbeobachtung einüben zu können. Deswegen können Eheleute, die noch Kinder haben und die ehelichen Pflichten absolvieren, zu dieser subtilen Selbsterkenntnis nicht kommen, weil sie viel zu sehr mit äußeren Faktoren (Das Kind hat den Hund gebissen und der Hund biss zurück) beschäftigt sind. Daher der Zölibat. Aber ebenso verhält es sich mit Tugendübung. Hat niemand sich der Tugend der Geduld gewidmet, um zu wissen, wie weit er kommt und wie weit man kommen kann, so kann er doch auch nicht anderen helfen. Im Fitnessstudio trifft man immer Männer, die sich dem Bankdrücken oder der Beinmuskulatur sehr gewidmet haben, man sieht es ihnen an und man kann manchmal gute Trainingstipps von ihnen bekommen. Denn sie tun ja was. Den traditionellen Seitenschlag auf unsere lieben Geistlichen, die es so schwer haben, sparen wir uns an dieser Stelle, weil unsere Leser diese Gedankengänge selbstständig entwickeln können. Um die Klammer zum Priesterseminar zu schaffen, ist an dieser Stelle festzustellen, dass nur die zeitweise Isolation von der Welt auf Gott die Augen öffnet, da man ja als Priester die Welt mit Gottes Augen zu sehen und zu beurteilen hat. Doch diese Perspektive muss man sich mühsam mit Hilfe der Gnade erarbeiten. Durch Selbstbeobachtung im Lichte des göttlichen Gesetzes und mit Tugendübung. Dann ist man anderen auch nützlich.

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