Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (34). Wann ist die Erkenntnis richtig?

Fünftes Kapitel

Das Urteil bei dieser Unterscheidung ist nicht gewiss und untrüglich, wenn keine ausdrückliche Offenbarung hinzukommt. Es wird gar Vieles dazu erfordert, um auf künstliche Weise die verschiedenen Geister richtig zu unterscheiden. Es werden zu diesem Ende einige Regeln vorgeschrieben.

Das, was hier unten Kardinal Bona beschreibt, bringt der hl. Ignatius von Loyola besser und kürzer auf den Punkt:

  1. Der Gegenstand der Geistesunterscheidung darf nur etwas Gutes oder Gleichgültiges sein. Bei hl. Ignatius heißt es wie folgt:

“Zur Kenntnisnahme worüber die Erwählung zu geschehen hat. Es ist notwendig, dass alle Dinge, über die wir Erwählung zu halten wünschen, in sich indifferent oder gut sind, und dass sie im Bereich der Heiligen Mutter, der hierarchischen Kirche mitstreiten und nicht schlecht sind oder ihr widerstreitend”. (Ignatius von Loyola, Die Exerzitien. Übertragen von Hans Urs von Balthasar, Einsiedeln 19869, 45)

Dies bedeutet, dass eine Sünde, eine Häresie oder etwas, was die Kirche zerstört, niemals der Gegenstand einer Wahl, Erwählung, Unterscheidung oder Geistesunterscheidung zu sein hat. Also: kein Ehebruch, keine Homoehe, keine Kommunion an Ehebrecher oder Protestanten. Es ist nämlich unmöglich, dass Gott sich selbst widerspricht, indem er zur Sünde aufruft, wie angeblich in Amoris Laetitia, weil Er selbst die Sünde verurteilt und verworfen hat. Denn Sünde ist Gott so zuwider, dass er seinen einzigen, eingeborenen Sohn als Sühne für unsere Sünden so schrecklich leiden ließ, damit alles durch die göttliche Gerechtigkeit wieder ins Lot kommt. Freiwillig zu sündigen, wenn auch leicht, ist nochmals Christus eigenhändig ans Kreuz zu schlagen. Es ist also nicht egal! Ferner, um richtig erkennen, was falsch und was richtig ist, muss man im Gnadenstand sein, denn im Stand der Todsünde, wenn man zum Beispiel im Ehebruch, auch Zweitehe genannt oder Unzucht, auch Partnerschaft ohne Trauschein gemeint, lebt, so sieht man diese Dinge nicht und empfindet das Tugendhafte und Gute als schwer und unmöglich, wie es den sodomitischen Prälaten eigen ist, welche Amoris Laetitia verfasst haben. Diese verkehrte Wahrnehmung kommt daher, weil Sie durch eine einzige Todsünde die Taufgnade verlieren, das Taufsiegel, welches Sie erleuchtet und Sie vor dem Teufel schützt. Sie verlieren auch alle aktuellen Gnaden, welche Sie zum Guten befähigen.

Stellen Sie sich vor Sie sind ein Kraftsportler und schaffen beim Bankdrücken 120 kg. Durch eine einzige Mahlzeit, unsere Todsünde, verlieren Sie 90% Ihrer gesamten Muskelmasse und gewinnen 60% an  Fettgewebe. Nicht nur alles wofür Sie so lange und ausdauernd geschuftet haben, ist weg, was man Ihnen ansieht, Sie können nicht einmal 20 kg stemmen. Lohnt sich das denn? Nein, aber das ist unser Zustand nach einer einzigen Todsünde. Wir sind zu keinen Gut fähig und Sie können bei Luther, Zwingli, Kierkegaard und anderen Protestanten nachlesen oder in Bergmann-Filmen ansehen, wie sich das anfühlt. Es fühlt sich schrecklich an, man wird zu einem Genossen der Dämonen und hat ihre Sicht der Dinge. Kurz und gut: man muss im Gnadenstand sein, um das Gute zu erkennen und verwirklichen zu können. Aber kommen wir zum zweiten Punkt:

2. Das erwählte Gut muss allseitig gut sein. Der hl. Ignatius behandelt dieses Thema an verschiedenen Stellen, wir wollen die folgende Passage zitieren, welche die fünfte Woche der Geistesunterscheidung der Zweiten Woche betrifft:

“Wir müssen sehr achtgeben auf den Verlauf der Gedanken. Sind Anfang, Mitte und Ende gut und hingerichtet auf etwas ganz Gutes, dann ist dies ein Zeichen des guten Engels. Wenn aber einer im Ablauf seiner Gedanken bei einer schlechten oder ablenkenden Sache endet oder bei etwas weniger Gutem als dem, was die Seele sich vorher vorgenommen hatte zu tun, oder wenn es die Seele schwächt oder verwirrt, indem er ihr den Frieden, die Stille und Ruhe, die sie vorher hatten, weg nimmt, so ist dies ein klares Zeichen, dass es vom bösen Geiste herstammt, dem Feind unseres Fortschritts und ewigen Heils.” (Ignatius von Loyola, Die Exerzitien, 86)

Kardinal Bona fasst es ein wenig anders und konzentriert sich auf andere Aspekte: auf das Leben und nicht die Gedanken. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail, er kann auch, wie ein Tracking-Programm, sich in die guten Gedanken, Pläne oder Vorsätze einhacken, um uns von Gott wegzubewegen. Deswegen sollte man sich fragen, wie sehr passt dieser Impuls zu meinem Leben. Dies bedeutet aber nicht, dass man sich fragen sollte:

Ist es nicht zu schwer? – Die anderen haben es leicht.

Werde ich nicht zu überfordert? – Ich könnten womöglich schwitzen. 

Muss ich gar was riskieren? – Ich habe Angst.

Denn das ist unsere nachkonziliare Bequemlichkeit eines Prälaten oder Kaninchenzuchtverein-Mitglieds, welche warten, dass alles von selbst “durch den Triumph des Unbefleckten Herzens” oder “einen neuen guten konservativen Papst” besser wird, ohne das sie selbst intervenieren müssen, liebe Kardinal Burke. Christus hat etwas riskiert und endete am Kreuz, die Aposteln hatten etwas riskiert und endeten als Märtyrer (hl. Johannes hat auch ein Martyrium erlitten und es überlebt), Heilige haben etwas riskiert und endeten verschieden. Man muss zuerst die göttliche Sicht der Dinge haben, um sein Leben danach auszurichten und es ist dennoch hart, weil es ein übernatürliches Gut betrifft.

Um es noch einmal an dieser Stelle zu wiederholen: bei der Religion geht es um Gott nicht um den Menschen. Katholizismus, lieber Papst Benedikt XVI. ist kein Humanismus mit den besseren Vorzeichen. Katholizismus ist Theismus, kein Anthropozentrismus, lieber Johannes Paul II. und kein Humanismus, lieber Maritain und lieber Paul VI. Deswegen geht es bei all diesen, hier aufgeführten Regeln zur Geistesunterscheidung nicht darum, dass es mir besser geht, denn solche Workshops bieten unsere lieben Benediktiner und Jesuiten an, sondern es geht darum sich dem erkannten Willen Gottes unterzuordnen und diesen göttlichen Willen durch den eigenen Willen zu erfüllen. Das Letztere ist Katholizismus, das Erstere – die Nabelschau.

 

 

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