Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (45). Über den göttlichen Geist (vii). Bewunderung der Heiligen.

Sie kennen es doch. Die Heiligenlegenden sind “fromme Märchen, ausgedacht in einer Zeit als es noch keinen Fernseher gab, um das dumme Volk in der Hörigkeit zu halten”.

“Nichts für den modernen Menschen, natürlich.”

Das hört man bei einer Predigt, das hört man in einer katholischen Akademie und natürlich auf einer katholischen Fakultät, wo die Priester-Professoren, welche für die Priesterausbildung zuständig sind, es nicht so genau mit ihrer priesterlichen Berufung nehmen. Das, wozu man selbst nicht fähig ist, wird verlacht und für irreal erklärt. DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) las gestern in den Schriften der hl. Theresa von Avila über eine Einsiedlerin, welche von einem fürstlichen Geblüt stammte, die, nachdem endlich ein Beichtvater es ihr erlaubte, eine Vollblut-Einsiedlerin wurde, in einer Höhle hauste, sich täglich zwei Stunden lang geißelte und auf den Knien in die Kirche ging. Sie ernährte sich von Wurzeln und Wasser und bevor sie starb, gründete sie ein Kloster, das dann später hl. Theresa, die ihren strengen Bußgeist bewunderte, übernahm. Man kommt sich nach solchen Erzählungen selbst hoffnungslos verweichlicht vor, weil man Wasser, Strom und Heizung hat und noch keine Wurzeln ißt. Man hört darauf unsere lieben Geistlichen sagen:

Aber das ist eine spezielle Berufung. Das fordert Gott nicht von jedem?

Sind Sie da so sicher? Das Fegefeuer ist härter und erst recht die Hölle. Fast jeder Heilige hatte eine Einsiedler-Phase mit Wüste, Wurzeln und allem, was dazu gehört. Hl. Johannes der Täufer, Christus in der Wüste, hl. Paulus, hl. Benedikt, hl. Ignatius von Loyola. Der Bußgeist des hl. Franz Xaver war bewundernswert und vielleicht konnte er deswegen so viele Wunder in Indien wirken, weil in ihm nichts mehr vorhanden war, was Gott widerstehen konnte. Wenn Sie also demnächst einen Heiligenlebenslauf lesen, dann fragen Sie:

Was kann ich davon umsetzen? Warum nicht mehr?

Die Heiligen sind nicht dazu da, um bewundert, sondern nachgeahmt zu werden. Sie sind nicht das gute Stück, das man aus dem Schrank holt, wenn Besuch da ist, um damit angeben zu können:

Seht her, was ich habe!

Wenn man das Leben dieser Einsiedlerin liest oder das von hl. Franz Xavier denkt man nicht selbstzufrieden:

Ich tue genug. Ich habe es eh schwer

indem man sich das zweite Stück Kuchen in Kaninchenzuchtverein auf den Teller legt. Mitnichten.

 

 

 

Sechstes Kapitel

Was man unter dem göttlichen Geiste oder Antriebe zu verstehen habe. – Auf wie vielerlei Weise er die Seele anrege und bewege. – Es werden einige Regeln und Kennzeichen angegeben, wodurch derselbe von dem Antriebe des Teufels unterschieden werden kann. 

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