Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (46). Über den göttlichen Geist (viii). Erkenntnis verborgener Dinge bedingt göttlichen Ursprungs

Viele Menschen wissen nicht, dass der Teufel fast alle übersinnlichen – paranormalen – Phänomene fälschen kann, daher sind Wunder und paranormale Fähigkeiten nicht an sich Beweise für ihren göttlichen Ursprung. So lesen wir im Rituale romanum im ersten Kapitel, der von den Normen handelt, die bei einem Exorzismus einzuhalten sind (Normae observandae circa exorcizandos a daemonio) folgendes:

3. […] Signa autem obsidentis daemonis esse possunt : […] distantia et occulta patefacere […]

Zeichen aber, welche von den besitzenden Dämonen eigen sein können: […] entfernte und verborgene Dinge zu offenbaren […].[1]

Der berühmte italienische Exorzist Candido Brognolo stellt in seinem Handbuch der Exorzisten (Manuale Exorcistarum) auf zehn Seiten sowohl die sicheren als auch die mutmaßlichen Zeichen einer Besessenheit oder Umsessenheit dar. Die sicheren Zeichen, 30 an der Zahl, werden von ihm mit einem Kreuz gekennzeichnet, die mutmaßlichen, 66 an der Zahl, ohne einen Zusatz dargestellt.[2] Diese Aufstellung von 96 Symptomen liest sich wie ein medizinisches Handbuch. Sie ist sehr präzise und konkret und jegliche Verwechslung mit psychischen Symptomen ist bei den Anzeichen mit + ausgeschlossen. Brognolo teilt die Symptome nach den Seelenkräften (Wille, Intellekt, Gefühlsleben etc.) auf, wobei er sich nach der thomistischen Anthropologie richtet. Und so lesen wir in dem Teil Ex intellectu – „Vom Intellekt“ her, der diejenigen Symptome aufzählt, welche den Geist betreffen folgendes:

+ 4. Wenn er verborgene (occulta) Dinge verkündet, entfernte (distantia) Dinge herbeiführt und Zukünftiges vorhersagt und ähnliche Dinge vollbringt, welcher vom menschlichen Geist weder gewusst noch bewerkstelligt werden können, aber weder des Besessenen Gedanken noch Möglichkeiten überschreiten, wenn nicht aus seiner Heiligkeit hergeleitet werden kann, dass sie [die Informationen] aus der göttlichen Offenbarung herstammen. Dieser Mensch [der so etwas kann,] ist besessen (daemonicus) oder diabolisch (diabolicus), das heißt entweder ist er vom Dämon besessen oder er hat einen Pakt (commercium) mit ihm.[3]

Was ist Besessenheit? Es ist die Inanspruchnahme des menschlichen Körpers durch einen Dämon, der sich:

  1. dieses Körpers bedient,
  2. diesem Körper und all seinen Fakultäten seine dämonischen Eigenschaften und Vermögen verleiht.

Wenn also besessene Menschen die Gedanken, Sünden oder andere Ereignisse von jemanden wissen können, dann sind nicht sie es, die auf einmal solch ein Vermögen haben, sondern es ist ein Dämon, der sich ihrer bedient. Mit entfernten Dingen (distantia) ist das Wissen um etwas gemeint, was sich irgendwo in der Gegenwart äußerlich abspielt und was man normal nicht erfahren kann, was z.B. die Königin von England am 6.01.2020 um 8:25 tut. Bei den occulta – den verborgenen Dingen hingegen handelt es sich um Gedanken oder Ereignisse aus der Vergangenheit, welche niemanden außer ihrem Subjekt bekannt sein können. DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) hat schon ein paar Mal (im einstelligen Bereich) mit Menschen zu tun gehabt, die über ein Wissen der occulta und distantia aus seinem Leben verfügten. Bei einer dieser Personen handelte es sich um einen Priester der Piusbruderschaft (ja, kein Witz!). Es waren wirklich sonderbare Vorgänge, manche von ihnen fanden anonym im Internet statt, sodass man über das Seelenleben der betreffenden Person keine Rückschlüsse ziehen konnte. DSDZ war zur damaligen Zeit noch nicht so sehr in der Dämonologie belesen, dass er dieser Ereignisse einordnen konnte. Er wunderte sich nur, woher diese Menschen all diese Dinge wissen konnten, was auf natürliche Weise nicht möglich war. Sie waren jedoch dermaßen mit Hass und Zerstörungswut erfüllt, sodass der dämonische Ursprung dieses Wissens recht klar wurde. Ja, liebe Leserinnen und Leser, es gibt Menschen, die im Religiösen werkeln und besessen sind, da sie über paranormale Fähigkeiten verfügen. Manchmal sind es sehr fromm und spirituell wirkende Geistliche. Besuchen Sie kanonisch irreguläre Gemeinschaften, irgendwelche Stigmatiker-Treffen oder Kreise, die an Privatoffenbarungen glauben oder Charismatiker, dann können Sie mit diesen mit paranormalen Gaben ausgestatteten Menschen in Kontakt treten. Daher ist dieser „religiöse Tourismus“ so gefährlich. Paradoxerweise sind Sie in deutschsprachigen Novus Ordo Gemeinden vor solchen Phänomenen am sichersten, da diese Priester fast alle ungläubig sind und wirklich keine paranormalen Fähigkeiten haben. Ist aber irgendwo Paranormales am Werk, mit Wundern, Wunderheilungen, verströmenden Rosendüften, weinenden Statuen, Stigmata, Herzensschau etc., so ist höchste Vorsicht geboten, denn es stammt zu 99,9% vom Teufel, wenn es kein Betrug ist. Unsere lieben Kirchensteuerbischöfe, die sich für Homo-Segnung, Ehebrecher- und Protestanten-Kommunion und was sonst noch der „Synodale“-Schisma-Weg beinhaltet, haben jegliche Gabe der Unterscheidung verloren, sodass sie uns keine Hilfe sein werden.

DSDZ ist auch überzeugt, dass es sich bei den Medien, bei Menschen also, die mit Geistern kommunizieren, diese „channeln“ oder erahnen können ebenso um Besessene handelt, da sie über ein verborgenes Wissen verfügen. Es ist jedoch keine „Gabe“, bspw. Tote zu sehen oder der Polizei mitteilen zu können, wo die Leiche liegt, sondern es ist der Dämon, der es weiß und es dem Menschen mitteilt. Viele der Medien sind schon besessen auf die Welt gekommen, kennen keine andere Wahrnehmung und wissen oft um ihren Zustand der Besessenheit nicht. Da sie außerdem selten katholisch sind und noch seltener zu einem Exorzisten Zugang haben, der sie richtig diagnostizieren könnte, so bleibt ihnen ihr Zustand verborgen. DSDZ glaubt nicht, dass sie ihre „Gabe“ behalten würden, wenn sie sich einem Exorzismus unterziehen würden. Kurz und gut: wenn etwas die natürlichen menschlichen Fähigkeiten übersteigt, dann kommt es von Gott oder vom Teufel. Gott gibt solche Gaben höchst selten. Wenn er sie gibt, dann nur Menschen von einer erprobten Heiligkeit und nur deswegen, um ihnen ihren Dienst in bestimmten Fällen zu erleichtern. Daher hatten die wenigsten Heiligen, wie Kardinal Bona selbst angibt, eine dauernde Gabe der Herzensschau. Sie wurde ihnen nur akzidentiell, hier und da und in besonders schwierigen Fällen gegeben.

Sechstes Kapitel

Was man unter dem göttlichen Geiste oder Antriebe zu verstehen habe. – Auf wie vielerlei Weise er die Seele anrege und bewege. – Es werden einige Regeln und Kennzeichen angegeben, wodurch derselbe von dem Antriebe des Teufels unterschieden werden kann. 

[1] Rituale Romanum, Titulus XII. De Exorcizandis obsessis a deamonio. Caput I. Normae observandae circa exorcizandos a daemonio, Vatikan 1957, 839.

[2] Brognolo, Candido O.F.M., Manuale exrocistarum ac parochorum. Hoc est Tractatus de curatione, a protectione divina, Bergomum 1651, 79-89.

[3] Brognolo, Manuale, 80.

 

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