Tradition und Glauben

Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. Eine Einleitung über den Mangel an Seelenführern (1)

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Wenn jemand in den deutschsprachigen Ländern beichtet, dann hat er zwar den Vorteil alle Zeit der Welt zu haben, weil außer ihm kaum jemand kommt, aber er hat auch den Nachteil, dass er zu 98% auf einen Priester trifft, der entweder keine Ahnung vom geistlichen Leben hat, weil er selbst keins führt oder er führt ein wirklich sehr ungefähres und rudimentäres. (Das sind leider die Erfahrungswerte des Schreibenden und nicht nur seine. In Polen beträgt der Prozentsatz der Unwissenheit in etwa 90%. Auch Erfahrungswerte.) Wir sprechen hier gar nicht von mystischen Erlebnissen, denn diese Seelen hatten es immer schwer die richtigen Beichtväter zu finden, sondern von einem ansatzweise fortgeschrittenen Weg, der geistlich und nicht psychologisch gedeutet werden soll. Interessanterweise zeigen sich die Priester, die wenigstens in der Zeit, in der sie auf die nicht kommenden Beichtkinder warten die Zeit zur Lektüre hätten, extrem bildungsresistent und an asketischer Theologie uninteressiert, obwohl diese zu kennen ihre eigentliche Standespflicht ist. Der deutschsprachige Leser hat meistens den Vorteil, dass wirklich fast alles in seine Muttersprache übersetzt wurde und wirklich sehr viel der älteren Schriften antiquarisch oder im Internet zugänglich ist. Aber die Grundvorraussetzung: „Ich weiß es nicht und will es lernen“, müsste bei manch einem Priester wenigstens vorhanden sein. Weil sie solch ein schlechtes Gespür haben, beichten immer weniger Katholiken und weil immer weniger Katholiken beichten, deswegen haben die Priester immer weniger, auch anspruchsvollere Beichtpraxis und der Kreis schließt sich. Da, wie wir bereits erwähnt haben, beichtet in Deutschland nur 54% der Priester einmal im Jahr oder seltener, so sind die Erfahrungen des Schreibenden nicht weiter verwunderlich. Leider scheinen wirklich die meisten Beichtväter der Meinung zu sein, das ein Pönitent über keinen gesunden Menschenverstand verfügt und keinen Psychologen aufsuchen kann. Das kann er immer, aber es geht um eine Sicht von der Perspektive Gottes aus, nicht um weltliches Gerede. Es geht vor allem um die Unterscheidung der Geister: menschlich, göttlich oder dämonisch. Aber dazu müsste man diese, katholische, Sicht der Wirklichkeit besitzen.

Sicherlich sind Menschen, die sich überhaupt um ein geistliches Leben in der katholischen Kirche bemühen selten und werden immer seltener, weil sie keine geistliche Leitung erfahren. Man muss nämlich die sakramentale Lossprechung, zu welcher jeder Priester, der die Beichtfakultät besitzt (und die Piusbruderschaft hat sie eben nicht!) gültig die Lossprechung erteilen, um aber jemanden zu raten, muss man doch eine ungefähre Ahnung haben wovon er oder sie eigentlich spricht.

In Deutschland und in den deutschsprachigen Ländern haben wir einerseits die „frustrierte Konzilsgeneration“ der Priester über 60, 70 oder älter, welche so gut wie kein geistliches Leben führen oder ein absolutes Mindestmaß einhalten, wir haben auch manche, jüngere Priester, die wenige Jahre nach der Weihe zwar guten Willens sind, aber noch keine eigene Erfahrung in der Seelenführung haben, wir haben schließlich die Generation ab 40, welche meistens die Ideale der Jugend, d.h. des fröhlichen Miteinanders, des Dialogs und des sonstigen Bla-Bla schon verloren, aber noch keine Weisheit in den geistlichen Dingen erreicht hat, falls sie diese jemals anstrebte. In den Seminaren oder auf den Universitäten wird psychologisiert und „modernisiert“, wenn das Fach Asketik überhaupt unterrichtet wird, denn es ist alt und vorkonziliar und es müsste ja von der Realexistenz Gottes ausgehen, was nach Kant ja nicht geht. Und Kant geht hierzulande immer vor!

Wie heißt es aber so schön: ars artium regimen animarum – „eine Kunst über alle Künste ist es die Seelen zu leiten“, wobei das lateinische Wort ars hier sowohl die Fertigkeit, das Handwerk oder aber die Kunst bedeuten kann. Von geistlichen Meistern, welche den ersten Wüstenvätern zur Verfügung standen, von denen auch manche schwer irrten, kann natürlich keine Rede sein. Deswegen muss jeder nach geistlichem Fortschritt strebende Katholik sich mehr oder weniger selbst leiten. Dies ist aber nicht ungefährlich, weil erstens niemand der Richter in eigener Sache ist und zweitens der Teufel überaus gezielt verwirren kann, sodass man nicht immer eine objektive Sicht des eigenen geistlichen Zustandes erblicken kann. Manchmal ist man in der Lage eines Patienten, der sich selbst diagnostizieren, heilen und manchmal auch ohne Narkose operieren muss, weil der behandelnde Arzt keine Ahnung hat und sich darüber hinaus weigert die relevante Fachliteratur zu lesen.

Um diesem Zustand sowohl bei den Beichtvätern als auch bei den Beichtkindern ein wenig abzuhelfen, wollen wir hier ein Meisterwerk der geistlichen Literatur in Scans veröffentlichen und zwar Die Unterscheidung der Geister von Kardinal Johannes Bona. Einige Informationen zum Werk und Person werden noch folgen. Zuerst veröffentlichen wir die Inhaltsangabe, welche eine Empfehlung für sich darstellt. Wir sind zwar in der Lage das Buch portionsweise einzuscannen und betreffende Passagen kurz, einführend zu kommentieren, aber wir sind nicht in der Lage die 417 Seiten einzutippen. Das Lesen der Scans in der altdeutschen Schrift stellt sicherlich eine Schwierigkeit dar, aber man liest Kard. Bona entweder so oder gar nicht, weil er leider im letzten Jahrhundert, soweit wir wissen, nicht neu verlegt wurde. Die Fragmente werden in kleinen Abschnitten präsentiert werden, welche die Lektüre und ihre Aufnahme erleichtern. Außerdem planen wir die gescannte Veröffentlichung anderer Werke der geistlichen Literatur.

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