Kardinal Bona und das „Tagebuch der Stoßgebete“. 18. Beim Uhrenschlag

Wir denken nicht oft daran, dass jede Tageszeit durch Christi Anwesenheit auf Erden geheiligt wurde. Wann fragen Sie sich schon, was Christus um 16:03 getan hat. Es stimmt, dass sich Gott mit der Zeit und Geschichte verband als er die Welt mit der Zeit schuf, sich in der Zeit Israel auserwählte und schließlich Christus – der Sohn Gottes- zeitlich wurde. Denn sein Erdenleben war begrenzt. Die Liturgie im Brevier gedenkt zwar verschiedener Stunden, so ist die Terz, die ungefähr um 9 Uhr gebetet werden sollte der Aussendung des hl. Geistes und 15 Uhr dem Kreuzestod gewidmet, aber nicht jede Stunde ist tatsächlich Christus zugeordnet.

Es ist schon fortgeschrittenes geistliches Leben zu fragen:

Was würde Christus an meiner Stelle tun?

Aber wirklich fortgeschritten, ist es zu fragen:

Was hat Christus um diese Uhrzeit getan?

Sollten Sie einen Uhrenschlag hören, wenn Sie beispielsweise nahe eines Kirchenturms wohnen, dann sagen Sie dieses Stoßgebet auf. Bedenken Sie, dass der zeitlose Gott zeitlich wurde, damit Sie Ihre Zeitlichkeit besser verbringen. Denn Sie wissen nicht, wie viel Ihnen noch bleiben wird. Man wird, falls man es überhaupt ins Fegefeuer schafft, jede vertane Sekunde bedauern. Und kommt man in die Hölle, so wird man für jede Sekunde in schwerer Sünde ewig gemartert.

Ist das auch fair?

Ja, denn die Belohnung ist auch ewig, wie die Strafe. Nur das Fegefeuer ist zeitlich, obwohl unsere Kategorien der Zeit dort nicht greifen. Für sagen wir 10 Jahre hartes Leben werden Sie mit ewigem Glück belohnt werden.

Wo gibt es denn solche Gewinnausschüttung?

Aber die Ewigkeit müssen wird uns in der Zeitlichkeit verdienen, denn Sie haben wirklich nur ein Leben und die eine Ewigkeit. Es gibt kein nächstes Leben, das Sie steuern können. In der Ewigkeit – Hölle oder Himmel – mit der Zwischenstufe Fegefeuer, tragen Sie bloß die Konsequenzen der Zeitlichkeit.  Amen.

Ad sonitum horologii.
Benedicta sit illa hora, qua Dominus noster Iesus Christus incarnari voluit et pati pro nobis.
Beim Uhrenschlag.
Gesegnet sei jene Stunde, in welcher der Herr Jesus Christus für uns Fleisch annehmen und leiden wollte.

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2 Gedanken zu „Kardinal Bona und das „Tagebuch der Stoßgebete“. 18. Beim Uhrenschlag

  1. Um ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern: Meine “privaten Stoßgebete” waren jahrelang so, dass ich beim Glockenschlag immer ein “Seele Christi” für die armen Seelen im Fegefeuer gebetet habe. Im digitalen Zeitalter, wo man ständig dienstlich oder privat auf den Bildschirm starrt, ist es leider weniger der Glockenschlag, sondern eher der Blick auf die Computer-Uhr. Den halben Stunden gehörte dann das Stoßgebet: “Himmlischer Vater! Durch das unbefleckte Herz Mariens opfere ich Dir Deinen viel geliebten Sohn, Jesus Christus, auf und mich mit ihm, in ihm und durch ihn, ganz nach seinen Meinungen und im Namen aller Geschöpfe.”
    Wie war man einst so eifrig… und wie hat der Eifer nachgelassen… Traurig, traurig.

    1. Aner Ihnen fehl der äußere Impuls des Glockenschlags. All die Stoßgebete von Kardinal Bona wandeln äußeren Impulse in Gebet um. Praktische Lösung: Klingelton des Glockenschlags aufs Handy runterlasen, Zeiten einstellen, Stoßgebet aufsagen, habe fertig.

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