Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (21 von 21)

Kurze Erläuterung der sieben Thesen im Schreiben der Glaubenskongregation

Über das letzte Ziel des Menschen im ewigen Leben im Himmel und über die zuvor vielleicht nötige jenseitige Läuterung im Fegfeuer hat das II. Vatikanische Konzil im 7. Kapitel der Dogmatischen Konstitution über die Kirche “Lumen gentium” (Artikel 48-51) und Papst Paul VI. in seinem “Credo des Gottesvolkes” gesprochen. Dieser Papst wies dabei auch auf die Möglichkeit der Verfehlung des letzten Ziels in der ewigen Verdammnis der Hölle hin (Art. 21-23). Dennoch fand sich die Päpstliche Glaubenskongregation am 17. Mai 1979 genötigt, in einem Schreiben an die Bischöfe der Weltkirche ausdrücklich noch einmal auf Fragen der Eschatologie hinzuweisen und den Glauben an das ewige Leben im Himmel, an die Möglichkeit der ewigen Verfehlung des ewigen Heils in der Hölle und an die Möglichkeit der jenseitigen Läuterung im Fegfeuer zu bekräftigen und in Schutz zu nehmen. Warum wohl? Weil viele Menschen heute mehr noch als vor fünfzehn Jahren von den Fragen gequält werden, ob es denn überhaupt ein Leben nach dem Tod gebe oder ob uns mit dem Tod das pure Nichts erwarte. — Überdies verunsichern manche moderne theologische Hypothesen auf eschatologischem Gebiet die noch gläubigen Christen. So leugnet der französische Dominikaner Jacques Pohier in seinem Buch “Quand je dis Dieu” (Wenn ich Gott sage) das Weiterleben nach dem Tod, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben bei Gott als Berufung des Menschen. Andere moderne katholische Theologen reden vom Ganztod des Menschen und der darauf sofort folgenden Auferstehung.
So war es an der Zeit, daß das Kirchliche Lehramt die Glaubenswahrheiten von der Fortdauer der unsterblichen Geistseele nach dem Tod, von der etwa nötigen jenseitigen Läuterung der Seele im Fegfeuer, von der allgemeinen Auferstehung, von Himmel und Hölle gegen alle falschen Ansichten verteidigte.
Die Glaubenskongregation tat dies im Schreiben an die Bischöfe vom 17. Mai 1979 in sieben Sätzen oder Thesen:
1. Der erste Satz legt für alle endzeitlichen (eschatologischen) Wahrheiten das Fundament: “Die Kirche glaubt an die Auferstehung der Toten”. P. Hünermann schreibt: “Dieser Satz nimmt das dritte Stück des Glaubensbekenntnisses auf. In ihm wird das Ziel der Heilsveranstaltung Gottes, das Ziel der ganzen Offenbarung genannt. Wenn Gott im ersten Artikel des Glaubensbekenntnisses als Schöpfer bekannt wird, wenn im zweiten Artikel Jesus Christus als der Erlöser genannt wird, dann zielt doch der Sinn von Schöpfung wie der Sinn der Erlösung dahin, daß die Menschen zu Gott gelangen.” Dies bekennen wir in dem Satz: “Wir glauben an die Auferstehung der Toten”. Insofern sagt das Schreiben der Glaubenskongregation zu Recht: Bricht man diesen Schlußstein aus dem Glaubensbekenntnis heraus, dann ist der Glaube im ganzen sinnlos. Damit greift die Glaubenskongregation das Wort des hl. Paulus aus dem 15. Kapitel des 1. Korintherbriefes auf: “Denn falls keine Toten auferweckt werden, so ist auch Christus nicht auferweckt worden, dann ist euer Glaube unsinnig. Dann seid ihr noch in euren Sünden … Wenn wir weiter nichts sind als Leute, die nur in diesem Leben ihre Hoffnung auf Christus gesetzt haben, so sind wir die Bedauernswertesten unter allen Menschen.” — Den Anfang der sieben Sätze bildet also der Bekenntnissatz: “Die Kirche glaubt an die Auferstehung der Toten”. An diesen Satz schließen sich drei weitere Thesen unmittelbar an.
2. Der zweite Satz lautet: “Die Kirche versteht diese Auferstehung so, daß sie den ganzen Menschen betrifft; dies ist für die Auserwählten nichts anderes als die Ausweitung der Auferstehung Christi selbst auf den Menschen.”
Dies ist eine sehr nüchterne Aussage. Es wird dabei nur gesagt: Die Auferstehung bezieht sich auf den “ganzen Menschen”. Über das “Wie” wird nichts gesagt. Das Schweigen über das “Wie” von Auferstehung, Himmel, Hölle, Fegfeuer ist kennzeichnend für das ganze Schreiben der Glaubenskongregation. Dafür wird eine ausdrückliche Begründung gegeben: Ewiges Leben im Jenseits von Raum und Zeit ist wesentlich unvorstellbar, nicht begreifbar. Deswegen wird ausdrücklich davor gewarnt, Phantasievorstellungen zu entfalten. Es wird im ganzen Schreiben vom Diesseits her gesprochen. Von hier aus werden Glaube, Hoffnung und Liebe artikuliert. Weil wir als Glaubende das Unterpfand der Auferstehung Jesu Christi besitzen, darum können wir sagen: Die Auferstehung betrifft den ganzen Menschen. Aber wir können nichts über das “Wie” sagen. Es ist lediglich möglich zu sagen: Die Auferstehung von uns Menschen meint Teilhabe an der Auferstehung Jesu Christi, Ausweitung seines Geheimnisses auf uns alle.
3. Der Kern des dritten Satzes lautet: “Die Kirche hält an der Fortdauer und Subsistenz eines geistigen Elements (des Menschen) nach dem Tod fest. Dieses geistige Element, das mit Bewußtsein und (freiem) Willen ausgestattet ist, besteht (nach dem Tod des Menschen) weiter als das Ich des Menschen, dem zwischenzeitlich der ergänzende Teil seines Leibes fehlt”. Dieser dritte Satz stellt eine Folgerung aus den vorausgehenden zwei Sätzen dar: Wenn wir nämlich an die Auferstehung der Toten glauben und diese Auferstehung (wie bei Christus) den ganzen Menschen betrifft, dann muß es eine Kontinuität, eine Fortdauer des Menschen (nach seinem Tod) geben, weil man ja sonst gar nicht von der Auferstehung dieses konkreten Menschen reden könnte, wenn die hypothetische Behauptung vom Ganztod des Menschen stimmte und er höchstens in der Erinnerung Gottes fortleben würde. Man könnte dann höchstens von einer neuen Erschaffung eines anderen Menschen, niemals aber von einer Auferstehung dieses konkreten Menschen reden.
Zur Bezeichnung des fortdauernden geistigen Elementes des Menschen nach seinem Tod wird im Schreiben der Glaubenskongregation, wie bisher üblich, der Ausdruck “Seele” gebraucht. Es wird erwähnt, daß der Begriff “Seele” in der Hl. Schrift und in der Philosophie unterschiedlich gebraucht wird. All das interessiert im Grunde nicht. Wichtig ist die Feststellung der Kontinuität des Menschen als Postulat aus dem Glauben an seine Auferstehung: Das mit Bewußtsein und Willen ausgestattete geistige Element am Menschen existiert nach dem Tod weiter als vorübergehend vom Leib getrennte Seele, bis sie in der Auferstehung wieder mit ihrem Leib vereint wird. — Mit der Fortdauer der im Tod vom Leib getrennten Seele ist auch die Möglichkeit gegeben, daß die Seele noch einer Läuterung und Reinigung im Jenseits unterzogen werden kann. Jene, die heute vom Ganztod des Menschen und von der sofort nach dem Tod folgenden Auferstehung (die keine wahre Auferstehung, sondern eine Neuschaffung wäre) reden, müssen notwendigerweise die jenseitige Läuterung (Fegfeuer) leugnen oder diese in den Tod selbst hineinverlegen, was den Konzilsdefinitionen von Lyon, Florenz und Trient widerspricht, die die jenseitige Läuterung ausdrücklich als erst nach dem Tod (post mortem) erfolgend hinstellen.
4. Eine letzte Konsequenz aus dem ersten Satz zieht dann noch der vierte Satz: “Die Kirche lehnt jede Denk- und Sprechweise ab, durch die ihre Gebete, die Beerdigungsriten und der Totenkult ihren Sinn verlieren und unverständlich würden”. Die Kirche schützt damit ihre eigene Praxis, in der sich nicht bloß der Glaube an die Auferstehung der Toten artikuliert, sondern auch der Glaube an die Möglichkeit einer jenseitigen Läuterung und der Glaube an die Möglichkeit, den Seelen in der jenseitigen Läuterung durch das Gebet, durch das Meßopfer, durch gute Werke und durch den Ablaß zu Hilfe zu kommen, wie das von der apostolischen Zeit an, ja eigentlich schon im Alten Bund (vgl. 2 Makk 12, 40—46: “… Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten.”) geschah. In der Ordnung des Betens der Kirche zeigt sich die Ordnung des Glaubens der Kirche (“Lex orandi — lex credendi”).
Auf die ersten vier Sätze, die zusammengehören, folgt im Schreiben der Glaubenskongregation ein zweiter Komplex, der in zwei Sätzen entfaltet wird. Wiederum steht am Anfang ein Glaubenssatz aus dem dritten Glaubensartikel:
5. Der fünfte Satz lautet: “Die Kirche erwartet gemäß der Hl. Schrift die Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit”.
Die Wiederkunft des Herrn bezieht sich auf alle Menschen, auf die ganze Welt. In ihr wird Jesus Christus als der Herr für alle definitiv offenbar. Dies ist nicht etwa mit der Situation des hier und jetzt Sterbenden bzw. Gestorbenen ineins zu setzen. Hier ist eine Differenz zwischen dem Kommen des Herrn zum persönlichen Gericht in der Todesstunde des einzelnen Menschen und dem Kommen des Herrn in Herrlichkeit zum allgemeinen oder Jüngsten Gericht festzuhalten. Es wird im Schreiben der Glaubenskongregation nicht gesagt, wie diese Differenz zu denken ist. Es wird mit äußerster Zurückhaltung lediglich der Unterschied genannt.
6. Der sechste Satz bezieht sich auf die durch Papst Pius XII. am 1. November 1950 feierlich definierte leibliche Aufnahme Mariens in die himmlische Herrlichkeit am Ende ihres Erdenlebens. Es müsse — so wird uns gesagt — bei jeder näheren Erläuterung des Schicksals des einzelnen Menschen nach seinem Tod darauf geachtet werden, daß es bei Mariens leib—seelischer Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit zwar nicht um eine Ausnahme, wohl aber um eine Vorausnahme des allen Auserwählten bestimmten vollendeten Glückes im Himmel geht. Hatten damals, als Pius XII. das Dogma von der leiblichen Aufnahme in den Himmel verkündete, manche Theologen größte Bedenken dagegen vorgebracht, so tun heute die Vertreter der Ganztodtheorie so, als ob alle Menschen sogleich nach erfolgtem Tod der Auferstehung gewürdigt würden und Mariens Endbegnadigung also gar kein besonderes Privileg darstellte. Dem gegenüber erklärt die Glaubenskongregation: “Die Kirche schließt in ihrer Lehre über das Schicksal des Menschen nach seinem Tod jede Erklärung (als unrichtig) aus, die die Bedeutung der Aufnahme Mariens in den Himmel in jenem Punkt auflösen würde, der Maria allein zukommt: das nämlich die leibliche Verherrlichung der seligsten Jungfrau Maria eine Vorausnahme jener Verherrlichung ist, die für alle übrigen Auserwählten bestimmt ist.”
7. Der siebte Satz befaßt sich schließlich mit Himmel, Hölle und Fegfeuer. Man hat wohl mit Recht bemerkt, daß dieser Satz das Beachtlichste an diesem Lehrschreiben sei, weil hier nicht mehr eine himmlische “Erdkunde” entworfen werde: “Es werden keine Stadtpläne vom Jenseits vorgelegt, auf denen drei Orte verzeichnet sind. Es werden vielmehr Sachverhalte anthropologischer Art genannt”. Es heißt: “Die Kirche glaubt, indem sie am Neuen Testament und an der Überlieferung treu festhält, an die Seligkeit der Gerechten”. Diese Seligkeit der Gerechten wird der Himmel genannt. Die Kirche glaubt weiter daran, daß jene Menschen, die in der völlig frei und bewußt begangenen unbereuten Todsünde gestorben und so definitiv in der Sünde verblieben sind, die beseligende Anschauung Gottes für immer und ewig entbehren müssen. Dies nennt sie die Hölle. Die Kirche glaubt weiter, daß es für die im Tod umkehrbereiten Sünder im Jenseits noch die Möglichkeit der Läuterung und Reinigung gibt. Das nennt sie Fegfeuer. Himmel, Hölle, Fegfeuer werden also auf den Menschen bezogen. Es sind Aussagen über Zustände des Menschen. Das ist das Entscheidende.
Nun folgt im Schreiben der Glaubenskongregation noch die Begründung für die Möglichkeit der gemachten Aussagen in den sieben Sätzen: Es gibt nach dem Glauben eine fundamentale Kontinuität unseres Lebens hier und jetzt in das künftige, jenseitige Leben hinein. Diese Kontinuität ist gewährleistet durch den Hl. Geist und die Liebe: Der Hl. Geist, der jetzt in uns lebt und wirkt, ist derselbe hier und dort. Die Liebe, die den Christen hier und jetzt beflügelt, ist das eine Maß des Reiches Gottes in diesem wie im künftigen Leben.
Wenn aber das diesseitige gläubige Leben schon diese Würde besitzt und von Gottes ureigenem Geist durchwaltet ist und unter dem einen Maß der Liebe steht, dann ist es möglich und notwendig, zu sagen: Der Gerechte wird in Ewigkeit beim Herrn leben. Er ist ja schon hier beim Herrn. Das sind Gedanken, wie sie ganz stark im Leben der hl. Catharina von Genua und in ihrem Traktat über das Fegfeuer anklingen. — Umgekehrt gilt: Die Sünde ist Abkehr von Gott. Wer freiwillig und bis in den Tod hinein in der Sünde bleibt und bleiben will, verriegelt sich selbst den Zugang zu Gott. Denn wenn Gott die Menschen so liebt, daß Er um ihretwillen Mensch wurde und sich für sie am Kreuze hingab, dann ist es für Ihn nicht belanglos, was Menschen tun. Wenn Gott sich so aufs Spiel setzt, dann steht auch der Mensch radikal auf dem Spiel. Daraus ergibt sich die Möglichkeit eines ewigen Gerichtes für den Menschen. Dieses Gericht beginnt hier und jetzt. — Schließlich gilt aber auch: Wenn Gott den Menschen unendlich liebt, dann hält Er ihm seine Chance offen bis in den Tod, ja sogar noch nach dem Tod. Davon spricht das Wort vom Fegfeuer. So sind Himmel, Hölle, Fegfeuer im Grunde vorstellungsmäßige Formulierungen, die auf orthafte Weise das sagen, was in uns begonnen hat und vollendet werden wird. Und wieder kann man sagen, daß dies ganz stark im Leben und in der Lehre der hl. Catharina von Genua zum Ausdruck kommt.

Gebet für die Armen Seelen

Heiligste Dreifaltigkeit, allmächtiger Gott, einmal hast Du den heiligen Pfarrer von Ars die Schönheit einer menschlichen Seele schauen lassen. Es war wie eine alle menschliche Fassungskraft übersteigende Explosion von Schönheit und Licht und Johannes Maria Vianney wäre auf der Stelle gestorben, hättest Du ihn nicht am Leben erhalten.
Wie ist es möglich, daß die menschliche Seele so schön ist? Ganz einfach deshalb, weil jede Seele ein Gedanke von Dir ist, ein Abglanz Deiner Schönheit und weil Du sie nach Deinem Bild und Gleichnis erschaffen hast, keine gleich wie die andere, jede mit unverkennbaren Merkmalen und Vorzügen.
Wie schnell verliert der Mensch, von der Erbsünde geschwächt, seine Unschuld, wie läßt er sich hin- und herreißen zwischen Gut und Böse, zwischen Gott und Teufel und wie oft endet er in Widerspruch und Verstrickung und schwerer Schuld. Doch immer wieder reichst Du uns Deine verzeihende Hand, wir dürfen nach dem Fall wieder aufstehen und Deine Vergebung erfahren. Aber auch nachdem Du uns verziehen hast, bleibt uns die Reinigung vom Rost der Sünde und die Bezahlung aller unserer Schuld nicht erspart. Nach den Worten des Apostels werden wir gereinigt “wie durch Feuer” (1 Kor 3, 13) und nach den Worten Deines Sohnes gibt es vom Ort der Reinigung kein Zurück, “bis der letzte Heller gezahlt ist” (Mt 5, 26). Die Seelen im Fegfeuer wissen um Deine unendliche Vollkommenheit, sie wissen, daß Du die Sünde haßest. Keine Seele würde es wagen, selbst wenn sie könnte, vor Dich hinzutreten, wenn noch der kleinste Makel der Sünde an ihr wäre. Die Sehnsucht nach Dir brennt sie wie Feuer und sie selber drängen darauf, im Feuer Deiner Liebe geläutert zu werden, wie das Erz im Feuer geläutert wird.
Vater im Himmel, Jesus, Dein Sohn, hat uns erlaubt, Dich Abba, lieber Vater zu nennen. Du wohnst in unzugänglichem Licht. Du liebst Deine Kinder und Du hast Deinen Sohn dahingegeben, um uns zu retten. Vater, erbarme Dich der Armen Seelen im Fegfeuer. Für sie opfern wir Dir durch das schmerzvolle und Unbefleckte Herz Mariens das Kostbare Blut Deines Sohnes auf. Wir bitten Dich durch die Verdienste Deines Sohnes, verkürze die Zeit ihrer Läuterung, trockne ab ihre Tränen, wie es in der Heiligen Schrift verheißen ist, und birg sie für immer in Deinem Schoß.
Jesus, Sohn des Vaters, Du bist Mensch geworden aus der Jungfrau Maria, Du bist unser Bruder geworden und bist hingegangen, um uns im Hause Deines Vaters eine Wohnung zu bereiten. Erbarme Dich der Armen Seelen im Fegfeuer, wasche sie in Deinem Blut, tilge ihre Verfehlungen durch Deine Verdienste und bekenne ihre Namen vor Deinem Vater und vor allen Engeln und Heiligen des Himmels.
Heiliger Geist, der Du vom Vater und vom Sohne ausgehst, Du bist die dritte Person in der Gottheit. Der Vater hat uns erschaffen, der Sohn hat uns erlöst und Du, Heiliger Geist, hast uns geheiligt. Deshalb ist das Fegfeuer vor allem Dein Werk, Du Feuer der göttlichen Liebe. Wir empfehlen die Seelen im Fegfeuer der Glut Deiner Liebe, Du reinigst sie, weil Du sie liebst, Du heiligst sie, weil Du sie so schön machen willst, wie der Vater sie ausgedacht hat. Heiliger Geist, um der Ehre Gottes willen, beschleunige das Werk Deiner Heiligung und Vollendung, und mache aus ihnen seine neue Schöpfung. (Galater 6, 15). Über jede Seele, die im Glanz neu erworbener Unschuld in die Herrlichkeit des Himmels eingehen darf, freuen sich alle Engel und Heiligen. Heiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, wir, die pilgernde Kirche auf Erden, bitten Dich für die Leidende Kirche im Fegfeuer, für unsere Brüder und Schwestern im Reinigungsort. Erhöre unser Gebet, damit sie für uns eintreten können bei Dir.
Arnold Guillet
“Wir glauben an die Gemeinschaft der Christgläubigen: derer nämlich, die hier auf Erden pilgern; derer, die nach Abschluß des Erdenlebens im Jenseits geläutert werden; und derer, die die himmlische Seligkeit schon genießen; sie alle bilden zusammen die eine Kirche.”
Papst Paul Vl.
im “Credo des Gottesvolkes”

Hilferuf zu den Engeln

Jesus, unser Herr, die Nacht vor Deinem Leiden verbrachtest Du am ÖIberg im Garten Gettsemani. Vor Deinen Augen sahst Du die Sünden der ganzen Welt — eine Last, die Dich zermalmte und Dir das Blut aus den Poren preßte. Die Jünger schliefen und hatten nicht die Kraft, in dieser schwersten Stunde mit Dir zu wachen. Nur Dein himmlischer Vater ließ sich rühren und sandte Dir einen Engel, um Dich zu trösten und zu stärken in Deiner Todesnot.
Herr, sieh unsere Brüder und Schwestern im Fegfeuer. Sie leiden mehr, als ein Mensch auf dieser Erde leiden kann, und Du willst, daß wir uns ihrer Not und Bedrängnis erbarmen. Du gibst uns Gelegenheit, etwas für sie zu tun, mit ihnen zu wachen, für sie zu beten, ein Opfer für sie zu bringen, einen Verzicht für sie zu leisten, vor allem aber dürfen wir das heilige Meßopfer für sie darbringen, ja, wir dürfen sogar unseren Schutzengel zu ihnen senden, damit er sie in der Kraft Deines Blutes tröste und stärke. Wie der Vater barmherzig war mit Dir, seinem Sohn am Ölberg, so will er, daß auch wir barmherzig seien mit der leidenden Kirche im Fegfeuer.
Jesus, erinnere Dich Deiner Verlassenheit am ÖIberg. Erinnere Dich daran, wie es Dir wohltat, als der Engel Deines himmlisches Vaters Dich stärkte und aufrichtete. Lehre uns barmherzig und vollkommen zu sein wie Dein Vater und erfülle die Armen Seelen mit dem gleichen Trost, den Du am Ölberg empfangen hast.
Maria, Königin der Engel, erbarme Dich Deiner leidenden Kinder im Fegfeuer. “Sende Ihnen Deine Engel zu Hilfe.”
Heiliger Erzengel Michael,
Heiliger Erzengel Gabriel,
Heiliger Erzengel Raphael,
Ihr neun Chöre der Engel, Ihr Seraphim und Cherubim, Ihr Throne und Herrschaften, Ihr Fürstentümer und Gewalten, Ihr Kräfte, Ihr Erzengel und Engel, im Namen Gottes und im Namen Eurer Königin, unserer himmlischen Mutter Maria, bitten wir Euch, eilt unseren Brüdern und Schwestern im Fegfeuer zu Hilfe. Sie leiden große Qual, sie dürsten nach dem ewigen Gott mehr als der Hirsch dürstet nach der Wasserquelle. Stärkt sie und führt sie ein Stück weiter auf dem Weg ins himmlische Vaterland.
Arnold Guillet

Lehrentscheid des Konzils von Trient

Erleuchtet vom Heiligen Geist, schöpfend aus der Heiligen Schrift und der alten Überlieferung der Väter, hat die katholische Kirche auf den heiligen Konzilien und zuletzt auf diesem von Trient gelehrt: Es gibt einen Läuterungsort, und die dort festgehaltenen Seelen finden eine Hilfe in den Fürbitten der Gläubigen, vor allem aber in dem Gott wohlgefälligen Opfer des Altares. So ergeht die Vorschrift der Heiligen Kirchenversammlung an die Bischöfe: sie sollen eifrig sorgen, daß die gesunde Lehre vom Läuterungsort, so wie sie von den Kirchenvätern und Konzilien überliefert ist, von den Christgläubigen geglaubt, festgehalten, gelehrt und überall gepredigt werde. Keinen Platz aber dürfen in den volkstümlichen Predigten vor dem weniger gebildeten Volk schwierige und spitzfindige Fragen haben, die die Erbauung nicht fördern und meistens auch die Frömmigkeit nicht mehren. Gleicherweise sollen sie Unsicheres und der Falschheit Verdächtiges nicht verbreiten und behandeln lassen. Was aber nur einer Art Neugier dient oder dem Aberglauben oder nach schmählichem Gewinn aussieht, sollen sie verbieten als Ärgernis und Anstoß für die Gläubigen. Trient 1563 (DS 1820)
Auszug aus:
Ferdinand Holböck
Die Theologin des Fegfeuers
Hl. Catharina von Genua
Christiana-Verlag ISBN 3-7171-0769-0

 

 

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