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Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (4 von 21)

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„Wie das Leben, so auch der Tod, wie der Tod, so auch die Ewigkeit“, sagt man. Warum? Weil der freie Wille im Moment des Todes „eingefroren“ wird und man ihn nicht mehr ändern kann. Man nimmt das mit, wie man zu Erdenzeiten gelebt hat. Deswegen ist die Möglicheit der Bekehrung auf dem Todesbett so trügerisch und unrealistisch. Mit jeder Entscheidung Ihres Lebens, mit jeder Sekunde kommen Sie entweder der ewigen Verdammnis oder dem Himmel, über das Fegefeuer, näher. Und in der Ewigkeit tragen Sie die ewigen Konsequenzen des Zeitlichen und werden denken, wie dumm Sie doch gewesen sind, sich um diesen Tand so zu kümmern. Und deswegen landen so viele Seelen durch dieses nachkonziliare Gerede in der Hölle, welches da lautet:

  • Schwamm drüber!
  • Gott wird doch nicht so sein!
  • Unbesiegbare Ignoranz!
  • Barmherzigkeit!
  • Die Hölle ist leer!
  • Wir werden schon alle, alle in den Himmel kommen!

Nein, das werden wir sicherlich nicht. Die meisten werden es nicht einmal ins Fegefeuer schaffen. Und was ist mit der unbesiegbaren Ignoranz? Wenn ich schon weiß, dass ich ignorant bin, dann ist meine Ignoranz doch nicht unbesiegbar, sondern ich mache mir etwas vor, wie damals in der Schule.  Der Schreiber dieser Zeilen schreibt diesen Kommentar am 10.11.2017, mitten in seinen anwaltlich-gerichtlichen Angelegenheiten. Er versucht sich wirklich gut zu informieren, um nicht unterzugehen und nicht über den Tisch gezogen zu werden. Und dabei ist es bloß „ein weltlich Ding“ und nicht die Ewigkeit. Wir alle sind doch so um das Irdische bemüht, wollen uns aber im Ewigen mit der unbesiegbaren Ignoranz herauswinden. Nein, so einfach wird es nicht gehen! Man wird jede Konsequenz einer jeden Tat tragen. Noch sind Sie am Leben, noch können Sie umkehren.

IV. Kapitel

Daraus ersieht man, was offenkundig ist, daß der gegen den Willen Gottes gerichtete verkehrte Wille das ist, was die Sündenschuld ausmacht. So lange dieser (in seiner Verkehrtheit) böse Wille andauert, dauert die Sündenschuld an. Und da jene, die in der Hölle sind, mit einem solchen bösen Willen aus diesem Erdenleben ins Jenseits hinübergegangen sind, ist ihre Schuld nicht nachgelassen, sie kann auch gar nicht nachgelassen werden, weil sie ja ihren Willen nicht mehr ändern können, mit dem sie aus diesem Erdenleben geschieden sind, nämlich mit einem solchen bösen Willen.

Jener Schritt (des Hinübergangs aus dem Diesseits ins Jenseits) verfestigt nämlich die Seele entweder im Guten oder im Bösen, je nachdem worin sie sich nach ihrem überlegten Willen befindet, wie geschrieben steht: „Wo Ich dich antreffe“, nämlich in der Todesstunde, im Willen zur Sünde oder in der Reue über die Sünde, „da werde Ich dich richten.“ Bei diesem Gericht gibt es keine Vergebung mehr, denn nach dem Tod ist der freie Wille nicht mehr wandelbar; er ist in dem fixiert, worin er sich im Augenblick des Todes befand.

Jene Seelen, die sich in der Hölle befinden, sind im Augenblick des Todes mit dem Willen zu sündigen angetroffen worden; so tragen sie nun endlos Schuld und Strafe in sich. Dabei ist die Strafe nicht einmal so groß, wie sie es verdient hätten, dennoch ist die Strafe, die sie abzubüßen haben, endlos.

Die Seelen im Fegfeuer aber haben an sich nur die Strafe, nicht aber die Sündenschuld, die ja in ihnen durch die Reue getilgt worden ist. Darum ist ihre Strafe nicht endlos, sondern begrenzt und endlich und wird, was die Zeit betrifft, wie gesagt, immer geringer. O Elend über alles Elend, das um so größer ist, je weniger es von der menschlichen Blindheit beachtet wird! Ich sage, daß die Strafe der Verdammten der Schwere nach nicht unendlich ist, weil die süße Güte Gottes die Strahlen ihrer Barmherzigkeit auch noch in die Hölle hineinsendet; der Mensch, der in der Todsünde stirbt, verdient an sich eine unendliche Strafe, die unendlich lange dauert. Aber Gott hat in seiner Barmherzigkeit nur die Dauer der Strafe unendlich gemacht, die Schwere der Strafe aber begrenzt. Gerechterweise hätte Gott eine viel schwerere Strafe verhängen können, als er wirklich verhängt hat.

Siehe, wie gefährlich die Sünde, die aus Bosheit geschieht, ist! Der Mensch bereut sie nämlich nur ganz schwer; und wenn er sie nicht bereut, bleibt die Sündenschuld für immer und sie dauert so lange, als der Mensch im Willen zur begangenen oder zur begehenden Sünde verbleibt.

 

 

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6 Kommentare

  1. Maria Magdalena says:

    „Ich sage, daß die Strafe der Verdammten der Schwere nach nicht unendlich ist, weil die süße Güte Gottes die Strahlen ihrer Barmherzigkeit auch noch in die Hölle hineinsendet; der Mensch, der in der Todsünde stirbt, verdient an sich eine unendliche Strafe, die unendlich lange dauert. Aber Gott hat in seiner Barmherzigkeit nur die Dauer der Strafe unendlich gemacht, die Schwere der Strafe aber begrenzt.“
    Wie ist das zu verstehen??

  2. Traditio et Fides says:

    Dass es in der Hölle auch verschiedene Strafen gibt. Bei der Beleidigung des unendlichen Gottes wäre jede Strafe unendlich groß, ist sie aber nicht.

  3. Eugenie Roth says:

    @Maria Magdalena:
    Vielleicht kann man sich das so vorstellen – ich weiß alle Beispiele „hinken“ an irgendeinem Punkt, aber so könnte es etwas verständlicher werden:

    Sie haben gestohlen und werden (auf der Erde) dafür bestraft. Meinetwegen mit einen Monat lang Kleinholz zum Anzünden machen. Leichtes Vergehen, leichte Strafe.
    Sie bereuen den Diebstahl nicht, bevor Sie sterben. Folglich werden Sie in der Ewigkeit auch eine leichte Strafe erhalten. Bleiben wir beim Bild: In Ewigkeit Kleinholz zum Anzünden machen.

    Sie haben ein Haus angezündet, kein Mensch ist dabei gestorben, darauf haben Sie geachtet, Sie wollten niemanden umbringen. Dafür werden Sie auf der Erde bestraft mit 1 Monat Holz spalten. Größeres Vergehen, größere Strafe.
    Sie bereuen Ihre Tat bis zu Ihrem Tod nicht und werden in der Ewigkeit bestraft mit in Ewigkeit Holz spalten.

    Sie hassen einen Menschen abgrundtief, suchen ihn zu ermorden und schaffen das auch. Dafür werden Sie auf der Erde bestraft mit 30 Jahre Bäume fällen in der bitteren Kälte von Sibirien.
    Sie bereuen Ihre Tat bis zu Ihrem Tod nicht und werden in der Ewigkeit bestraft mit in Ewigkeit Bäume in in der bitteren Kälte von Sibirien fällen.

    … Ist das so für Sie verständlich?

  4. Maria Magdalena says:

    Vielen Dank für die sehr gute Erklärung. Da diese Thematik in Kirchenkreisen eher weniger behandelt wird, hatte ich keine Ahnung, dass es auch in der Hölle „Abstufungen“ geben wird. Also mehr oder weniger brennendes Feuer, aber immer unendlich, oder? So wie der Eine im Himmel zu größerer Glorie gelangen wird als der Andere – und das auch unendlich. Ist das die Lehre der Kirche?

  5. Eugenie Roth says:

    Jawoll.

  6. Traditio et Fides says:

    Ja, im Himmel gibt es auch Abstufungen und eine Hierarchie. Kein Kommunismus:)))

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