Tradition und Glauben

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (6 von 21)

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Was beschreibt die hl. Katharina hier? Die Sehnsucht, die absolute, alles verzehrende Sehnsucht, welche das Absolute und Unverfügbare sieht und es nicht habe kann. Wir alle waren doch schon in dieser Situation, dass wir uns nach etwas oder nach jemand verzehrt haben. Alles hing davon ab und es war unverfügbar. Sie standen mehrere Stunden in einer Schlage an und man hat ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen. Sie kommen nicht rein. Und dort drin findet es statt, alle sind da, die Anderen haben es, Sie jedoch nicht. Dieser Erlebnisse extrapoliert und zu n-ten Potenz gesteigert, geben die Sehnsucht im Fegefeuer wieder, welcher so starkt ist, dass sie weh tut.  Die Seelen wissen um den anwesenden, aber in der beseeligenden Anschauung unverfügbaren Gott, sie wissen um ihre Unwürdigkeit und sie verzehren sich nach Ihm. Aber Sie haben jetzt Einfluß auf Ihr Fegefeuer. Jetzt hindert Sie nichts Gott mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu opfern, denn nach dem Tod gibt es nur Gott und zwar für die Ewigkeit und dann werden Sie sehen, wie unsinnig Sie ihr Leben verbracht haben, indem Sie sich um unnütze Dinge kümmerten, welche Sie nur verunreinigt haben.

Vl. Kapitel

Trotzdem will ich ein Gleichnis anführen, das sich meinem Geist dargeboten hat: Wenn es auf der ganzen Welt nur ein einziges Brot gäbe, das allen Geschöpfen den Hunger stillen müßte, und wenn die Geschöpfe schon durch den bloßen Anblick dieses Brotes satt würden, und wenn der Mensch, der, solange er gesund ist, den Drang zum Essen hat, durch das Nicht-Essen weder krank würde noch sterben müßte, es würde dennoch in ihm der Hunger nach diesem Brot immer mehr wachsen, weil eben dieser Drang in ihm da ist; und wenn er weiß, daß nur jenes Brot ihn sättigen kann, und daß in ihm, wenn er dieses Brot nicht hat, der Hunger nicht gestillt werden kann, so würde er in einer unerträglichen Qual verbleiben. Je näher aber der Mensch diesem Brot käme, ohne es jedoch sehen zu können, desto mehr würde das natürliche Verlangen danach in ihm entbrennen, das ja durch seinen Drang ganz und gar auf dieses Brot hingerichtet ist und in welchem seine einzige Befriedigung bestünde; und wenn er die Gewißheit hätte, niemals dieses Brot sehen zu dürfen, so hätte er in diesem Augenblick die vollendete Hölle. Diese vollendete Hölle haben nun die verdammten Seelen, die jeder Hoffnung beraubt sind, je das wahre Brot, Gott, den wahren Heiland, zu schauen.

Die Seelen im Fegfeuer aber haben diesen Hunger, weil sie dieses Brot, durch das allein sie gesättigt werden können, noch nicht sehen, aber sie haben die Hoffnung, es einmal zu sehen und von ihm ganz und gar gesättigt zu werden. Darum sind sie, solange der Hunger nach diesem Brot in ihnen noch nicht gestillt ist, in der schmerzlichen Qual und Pein.

 

 

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