Katholische Engellehre: (12) Die natürlichen Eigenschaften und Kräfte der Engel. Was Natur bedeutet?

Die natürlichen Eigenschaften und Kräfte der Engel

Was „Natur“ bedeutet?

Die Bezeichnung „natürlich“ kann im Zusammenhang mit den Engeln merkwürdig klingen, daher ist es vielleicht besser sich an dieser Stelle des Begriffes der „Naturhaftigkeit“ zu bedienen. Mit dem Begriff „Natur“ assoziieren wir meistens die Pflanzen- und Tierwelt. Dagegen bedeutet „Natur“ in der Philosophie, die der theologischen Unterscheidung zugrunde liegt, etwas anderes.

„Natur“ in der Philosophie

So lesen wir im Philosophischen Wörterbuch von Walter Brugger:

„Natur stammt sprachlich von dem lat. ‚natura‘, dem genau das griechische ‚physis‘. Beide Worte deuten auf den Zusammenhang mit dem Geboren-werden, der Geburt; sie meinen (1) zunächst eine natürliche, d. h. geburtliche, von der Geburt herrührende oder gewachsene Eigenart eines Lebendigen. Im weiteren Sinne heißt dann Natur (2) die Wesensart ‚jedes‘ Seienden, wie sie ihm von seinem Ursprung her zukommt“.[1]

So ist beispielsweise die Natur, im Sinne von (2), der physikalischen Elementarteilchen verschieden. Die Natur eines Leptons ist eine andere als die eines Eichbosons

„Natur“ in der Theologie

In der Theologie wird der Begriff „Natur“ dem Begriff der „Gnade“ entgegengestellt.[2] Alles, was man nicht von der Gnade her besitzt, hat man von der Natur her. Theologisch gesehen gibt es also das Natürliche (naturalis) und das Übernatürliche (supernaturalis). Und so lesen wir bei Diekamp-Jüssen:

„Natürlich ist dasjenige, was zur Natur eines Dinges gehört oder aus ihr sich ergibt, die Tätigkeit, die es mit seiner eigener Kraft vollzieht, die Wirkung, die es dadurch erzielt und alles, was es zu seiner Erhaltung und Entwicklung und zur Erreichung seines Zieles nötig hat. […]

Die natürliche Ordnung ist demnach die Bestimmung der Gesamtheit aller Geschöpfe zu dem ihrer Natur entsprechenden Endziel und ihre der Erreichung dieses Zieles angemessene Ausstattung. Sie umfasst alle Güter und Vorzüge, Tätigkeiten und Wirkungen, die über den Naturanspruch (debitum naturae) der Dinge nicht hinaus liegen.“[3]

Natur ist also die naturbedingte Ausstattung eines Geschöpfes, das ihm sein Endziel zu erreichen ermöglicht. Anders ist die Natur eines Eichhörnchens, eines Photons, eines Aals oder eines Menschen.

Was „übernatürlich“ bedeutet?

Diekam-Jüssen gibt an:

„Übernatürlich ist dasjenige, was weder als Bestandteil zu der Natur gehört noch notwendig oder zufällig aus ihr hervorgeht oder hervorgehen kann noch zu ihrem Bestand, ihrer Entwicklung oder Zielerreichung erforderlich ist, sondern über die Ansprüche und die Anlagen der Natur hinausliegt. […] Das Formale des Übernatürlichen liege darin, dass es ohne jeden Anspruch seitens der Natur zu den natürlichen Gütern und Vorzügen hinzugefügt wird.

Die übernatürliche Ordnung ist die Bestimmung und passende Ausstattung der Dinge für ein übernatürliches Endziel. Sie umfasst die Güter und Vorzüge, Tätigkeiten und Wirkungen, die über den Naturanspruch des Geschöpfes hinausgehen und ihm von Gott aus freiem, gnädigem Wohlwollen gewährt oder ermöglicht werden.“[4]

So ist beispielsweise die Gottesanschauung übernatürlich, weil die menschliche Natur von sich aus, ohne die göttliche Gnade dies nicht vermag. Dagegen ist die natürliche Gotteserkenntnis, d. h., dass es einen Gott als den Ursprung und das Endziel aller Dinge gibt, nicht übernatürlich, weil man durch die Verstandeskraft allein auf dem Wege der Schlussfolgerung dahin hinkommen kann, wie es das Vat. I angibt:

Das heilige Konzil bekennt, »dass Gott, der Ursprung und das Ziel aller Dinge, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen sicher erkannt werden kann« [vgl. Röm 1,20]; (DH 4206)

Mit dem theologischen Verständnis des Übernatürlichen (supernaturalis) ist nicht das Übernormale oder Paranormale, wie die Fähigkeiten eines Mediums, eines Okkultisten oder das Übersinnliche zu verwechseln.[5]  Somit ist nicht jedes übersinnliche Ereignis übernatürlich im theologischen Sinne.

Wenn wir im nachfolgenden Abschnitt über die natürlichen Fähigkeiten der Engel reden, so meinen wir das, was ihnen aufgrund ihrer Geschöpflichkeit von Gott her mitgegeben wurde. An einer anderen Stelle wird über die Beschenkung der Engel durch die Gnade gesprochen werden.  

[1] Brugger, Walter, Philosophisches Wörterbuch, Herder: Freiburg in Br. 199823.

[2] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Alverna: Wil 2012, 359.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Ebd., 360.

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