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Katholische Engellehre: (14) Die natürlichen Eigenschaften und Kräfte der Engel. (ii) Engel sind ihrem Wesen nach unveränderlich

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Die Engel sind in ihrem substantiellen Sein unveränderlich. (Sententia communis)                      

Diese Aussage, welche von der Mehrheit der Theologen angenommen wird, ergibt sich aus der rein geistigen Natur der Engel, die Formen ohne Materie sind. Aus diesem Grund würde jede substantielle, d.h. wesenhafte Veränderung das Schwinden ihrer Form zur Folge haben. Da auch eine Potenz – Möglichkeit – zum Nichtsein ausgeschlossen ist, muss die Substanz, sprich das Wesen, der Engel stets in gleicher Weise vorhanden sein[1]. Der heilige Thomas von Aquin lehrt, dass die Engel ausschließlich in ihren Tätigkeiten und akzidentellen Zuständen veränderlich sind (Summ. Theol. Ia Iae q. 9 a.2). Der Unterschied zwischen den beiden Zuständen besteht darin, dass das Substantielle sich auf das Wesen bezieht, während das Akzidentielle all das umfasst, was nicht zum Wesen des Seins gehört.

Substanz und Akzidens

Für alle, die in der thomistischen Unterscheidung zwischen Substanz und Akzidenz nicht bewandert sind, hier ein Beispiel. Ich bin dem Wesen nach ein Mensch und ein Mann. Alle Akzidentien des Mann-Seins, wie Haarfarbe, Bartwuchs, Kleidung, Gewicht verändern, auch wenn sie sich ändern, mein Mann-Sein nicht. Ich bleibe ein Mann auch dann, wenn sich meine Frisur ändert, ich mich anders kleide oder mir einen Vollbart wachsen lasse. Eine wesentliche Veränderung, welche die Substanz betreffen würde, wäre eine Transformation von Mann zu Eidechse oder zum Proton. Diese Veränderung wäre keine akzidentielle, sondern eine wesentliche. Der Engel ist also seiner Substanz nach unveränderlich, in seinen Akzidentien aber kann er sich ändern. Somit kann kein Erzengel zu einem Cherubim oder umgekehrt werden, weil man davon ausgehen muss, dass die Substanzen innerhalb der Engelhierarchien, von denen schon die Rede war, ebenfalls unveränderlich sind.

Erfahrung als Veränderbarkeit der Engel

Mit anderen Worten: jeder Auftrag Gottes verändert den Engel nicht in seinem Wesen, sondern zum Beispiel in seinen Erfahrungen. Als Beispiel ist hier der Erzengel Gabriel anzuführen, der durch seine Botschaft an die allerheiligste Jungfrau ein Zeuge der Menschwerdung Christi (vgl. Lk 1,26 – 38) geworden ist, was eins der vielen Belege aus der Heiligen Schrift ist, dass die Engel auch über ein Gedächtnis verfügen. Das belegen auch die Erfahrungen der Exorzisten, die das Erinnerungsvermögen der gefallenen Engel bezeugen können, was ohne die akzidentelle Veränderlichkeit nicht möglich wäre. 

Dies bedeutet, dass aus einem gefallenen Engel niemals ein guter Engel werden kann, ebenso wenig wie ein guter Engel fallen kann. Die Willensentscheidung, welche sie bei der Probe getroffen haben, hat ihr Wesen geprägt und es unveränderbar gemacht. Daher schreibt der hl. Thomas von Aquin:

Die Engel, also die guten Geister, haben Unveränderlichkeit auch rücksichtlich des Endzieles; sie sind gemäß ihrem freien Willen daselbst angelangt. Es bleibt ihnen noch die Veränderlichkeit mit Rücksicht auf den Ort. Ihre Kraft kann sich bald auf diesen Raum, bald auf jenen richten. (Summ. Theol. Ia Iae q. 9 a.2 ad 2)

Im Gegensatz zu Menschen, die durch Erfahrungen veränderbar sind, sind Engel durch ihre Erfahrungen nicht veränderbar, weil die Letzteren das Wesen des Engels nicht betreffen.  

[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Alverna: Will 2012, 376.

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