Katholische Engellehre: (15) Die natürlichen Eigenschaften und Kräfte der Engel I. Ihr Verhältnis zum Raum und Zeit (i) Theorie

Die Engel sind nicht circumscriptive, wohl aber definitive im Raum

Der theoretische Teil

Ihr Verhältnis zu Raum und Zeit

Die Engel sind nicht circumscriptive, wohl aber definitive im Raum.

Heute werden wir uns mit einer Eigenschaft der Engel befassen, die auf dem ersten Augenblick sehr geheimnisvoll klingt, aber circumscriptive heißt einfach „umschreibend“. Glücklicherweise ist es nicht so schwer, wie es aussieht. Der Philosoph Aristoteles erklärt, dass der Körper dreidimensional ist und als solcher einen konkreten physikalischen Raum einnimmt. Daher kann man sagen, dass der Raum den Körper umschreibt (circumscribit) bzw. dass der Körper von einem Raum umschrieben wird (circumscribitur). Das liegt daran, weil der Körper ein Nebeneinander von Teilen seiner Substanz hat, die konkreten Teilen im Raum entsprechen. Als reine Geister, jeder Materie bar, können die Engel diese materiell-räumliche Eigenschaft nicht besitzen. Dabei sind die Engel aber nicht allgegenwärtig (omnipraesens) wie Gott. Dafür sind sie  definitive im Raum also auf eine bestimmte Art und Weise:

Wenn Engel an einem Orte sind, dann sind sie an diesem Orte ganz und ganz in jedem Teile des Ortes, aber nicht an anderen Orten zugleich (1, q. 52 a.2; vgl. Tob 8,3; Eph 6,12; Ap 12,8).

Der Heilige Thomas von Aquin (1, q. 52 a.1) lehrt, dass die Engel durch ihre Wirkkraft, als auch ihre Reichweite, aber nicht bloß in der Kraftäußerung, sondern mit der ganzen Substanz an einem Ort anwesend sind (per applicationem virtutis ad locum). Dagegen sind die Körper durch ihre Ausdehnung (per contactum dimensivae quantitatis) an einem Ort gebunden[1].

Diese Lehre von der Anwesenheit der Engel in Raum steht in der Hierarchie der dogmatischen Gewissheitsgrade (notae theologicae) recht unten.  Während  (a) ein Dogma ist und (m) eine tolerierte Meinung darstellt, so ist die hier vorgestellte Lehre als (j) wahrscheinliche Meinung (probabilis) oder als eine (k) fromme Meinung (sententia/opinio pia). Dies bedeutet, dass wir uns in einem Bereich der theologischen Lehre, der nicht obligatorisch ist.

[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Alverna: Will 2012, s. 376.

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