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Katholische Engellehre: (17) Die natürlichen Eigenschaften und Kräfte der Engel. Dauer der Engel (i)

Die Dauer der Engel ist relativ sukzessionslos

Unter Sukzession versteht man eine zeitliche Reihenfolge. Dies bedeutet, dass unmittelbar nach der ersten Sekunde die zweite Sekunde folgt, nach der zweiten die dritte usw. Die Zeit wird also in einzelne Abschnitte unterteilt, die einander nachfolgen. Der Begriff der zeitlichen Nachfolge hat seine Begründung in der aristotelischen Zeittheorie, die bis zu der Entstehung der newtonschen Physik allgemein gültig war. Aristoteles versteht unter der Zeit „die Differenz der Bewegung zwischen vorher und danach“, wobei mit der Bewegung letztendlich die Bewegung der Gestirne, also die astronomische Zeit gemeint ist. Da die Bewegung der Definiens der Zeit, so zieht die Redefinition der Bewegung die Redefinition der Zeit nach sich. Kurz und gut: gibt es keine Bewegung, so gibt es keine Zeit, da es keine Zeiteinheit „der Bewegung vorher und danach“ gibt. Gott ist unbeweglich und daher ewig und daher zeitlos. Wie ist es aber im Falle der Engel? Sie wurden erschaffen, sie könnten theoretisch aufgrund der absoluten Allmacht Gottes ein Ende finden, aber sie sind in ihrer Substanz, d. h. in ihrem Wesen, unveränderlich. Gibt es also, dass ihre Dauer in der Zeit anbelangt, eine Reihenfolge – Sukzession – wie bei uns Menschen oder anderen Geschöpfen oder gibt es keine?

Die Theologie antwortet: die Engel sind nicht völlig abfolgelos, sie sind auch nicht schlechthin überzeitlich, da das Dasein der Engel einen zeitlichen Anfang hat und durch Gottes Willen auch ein Ende haben könnte, so findet in ihren Tätigkeiten eine Nacheinander, eine Sukzession, statt. Es kommt Ihnen daher eine relative Sukzessionslosigkeit (aeviternitas oder aevum) zu, weil ihre Substanz keiner Veränderung unterworfen ist (Summ. Theol. 1, 62 a.5 ad 2; q. 63 a.6). Die Theologen stellten sich die Frage, wie die relative Zeitlosigkeit der Engel, die vor der sichtbaren Welt erschaffen wurden, im Gegensatz zu der absoluten Zeitlosigkeit der Gottes aufzufassen ist. Für die absolute Zeitlosigkeit Gottes wählten sie den Begriff der aeternitas Ewigkeit, für die relative Zeitlosigkeit der Engel wählten sie den Begriff der aeviternitas oder des aevum. [1]

Ein Engel altert also nicht, da sein Wesen nach der ersten Prüfung, in der sie sich für oder gegen Gott entscheiden sollten, keiner zeitlichen Abfolge unterworfen ist.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Alverna: Will 2012,  376.

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