Katholische Engellehre: (19) Die natürlichen Eigenschaften und Kräfte der Engel. Erkenntnis der Engel (i) Sie ist sehr vollkommen.

Die Erkenntnis der Engel ist sehr vollkommen

Die vollkommene Erkenntnis der Engel ist mit Sicherheit nicht mit der Erkenntnis Gottes zu vergleichen, was bereits die Worte unseres Erlösers bezeugen: „Um jenen Tag aber und die Stunde weiß Niemand, auch die Engel des Himmel nicht, nur der Vater allein“ (Mt 24,36). Dass ihre Erkenntnis begrenzt ist, erfahren wir auch aus anderen Teilen der Heiligen Schrift. Der heilige Apostel Paulus informiert uns darüber, dass die Engel nicht im Stande sind die Geheimnisse Gottes durchzudringen (1 Kor 2,11). Außerdem können sie nicht nur mit aller Sicherheit die geheimen Gedanken und Willensakte der Mitgeschöpfe erkennen (vgl. 3 Kön 8,39; 2 Par. 6,30; Jer 17,9), weil auch die Zukunft für sie unvorhersehbar ist (vgl. Is 41,23; 46,9; Mt 24,36), unter der Bedingung, dass sie von frei wirkenden Ursachen abhängt. Trotzdem erkennen sie in einem weit höheren Grade als die Menschen. Diese Tatsache wird in den vier Engelswesen, die im Buch der Offenbarung um den Thron Gottes sind, symbolisch dargestellt. Nicht nur ihr Leib, sondern auch ihre Flügel sind mit Augen übersät (vgl. Off 4, 6-8). Diese sehr vollkommene Erkenntnis ergibt sich aus ihrer Geistigkeit, die von jeder Materie unabhängig ist. Laut dem Heiligen Thomas von Aquin ist die Immaterialität die Quelle der geistigen Erkenntnis. Je mehr sie von dem materiellen Prinzip unabhängig ist, desto vollkommener ist sie (Ia Iae, q. 14 a. 1; De verit. Q. 2 a. 2)[1].

Obwohl der Heilige Thomas von Aquin, wie die meisten Theologen, den Engeln die natürliche Fähigkeit geheime Gedanken und Willensentschlüsse (secreta cordium) anderer Geschöpfe zu erkennen abspricht, so gibt es einige Gründe diese Meinung in Frage zu stellen und den wenigen Theologen mit Augustinus (De Gen. Ad litt. XII, 17, 34 22, 48) an der Spitze zu folgen[2].

Warum?

  1. Dämonen reagieren auf Gebete, die nur in Gedanken ausgesprochen werden.
  2. Es gibt das Phänomen der Telepathie oder des Gedankenlesens.
  3. Es gibt das Phänomen der treffenden Zukunftsvorhersage, welche von den freien Entscheidungen eines Individuums abhängt.
  4. Es gibt das Phänomen der dämonischen Umsessenheit oder Bedrängnis vor Entscheidungen, die von freien Entscheidungen der Individuen abhängig sind.

Ad a.

Bei den Exorzisten gibt es den Brauch einen Probeexorzismus in Gedanken zu beten, um zu sehen ob sich in der vermeintlich besessenen Person etwas regt. Die Person selbst wird auf dieses Gebiet nicht reagieren können, dass sie es nicht hört, der Dämon hingegen schon. Auch in den Auxilium christianorum Gebeten wird um eine Verblendung der Dämonen gebetet, damit sie nicht das sehen, was sie sonst sehen können.

Ad b.

Das Phänomen der Telepathie gibt es wirklich. Davon berichten ehemalige Esoteriker, dass sie tatsächlich in der Lage waren im Bus die Gedanken der Mitpassagiere zu hören. Der Schreiber dieser Zeilen (DSDZ) erfuhr dies am eigenen Leibe als an einer Bushaltestelle eine Frau auf ihn zu trat und ihn buchstäblich auf seinen letzten Gedanken ansprach mit den Worten in etwa:

Übrigens ich auch..

Sie hat ihm erzählt, dass sie sich auch für Religion interessiere und in Kanada bei einem Schamanen einen Kurs besucht habe. Die Konversation endete als der erwartete Bus kam, aber ihre Fähigkeiten sind sicherlich auf das Treffen mit dem Schamanen und eine dämonische Besessenheit zurückzuführen. Denn solche Fähigkeiten sind paranormal.

Ad 3.

Es gibt doch tatsächlich Medien oder Wahrsager, welche die Zukunft exakt vorhersagen können und zwar eine Zukunft, welche von freien Entscheidungen mehrerer Individuen abhängt.

Ad 4.

Es gibt das Phänomen, dass unter anderem bei dem Pfarrer von Ars bezeugt wurde, dass vor spirituell positiven Ereignissen (wie die Beichte eines schweren Sünders) immer verstärkte dämonische Umsessenheit  auftrat. Zeugen sagten aus, dass sie lautes Klopfen, Kettenrasseln und Ähnliches beim Pfarrer von Ars hörten, ohne irgendjemanden gesehen zu haben, worauf er lächelnd meinte, dass wohl morgen ein schwerer Sünder kommen wird.

Wenn Thomas von Aquin verneint, dass die Dämonen die Herzensgeheimnisse (secreta cordium) d. h. Gedanken oder innere Vorgänge im Menschen erkennen können, so beruft er sich auf die Willensfreiheit. Er meint, dass ein Geschöpf, das in das mit Willensfreiheit ausgestattet ist, in der Lage ist das, was es mit seinem eigenen freien Willen vollbringt mit Gottes Unterstützung (concursus divinus) vor jedem zu verbergen, Gott ausgeschlossen. Da aber Gedanken und die Willensfreiheit ausschließlich vom Willensakt abhängen, der rein innerlich ist, deswegen sind diese inneren Vorgänge vor anderen Geschöpfen verborgen (Ia Iae, q. 57 a.4; De verit. Q. 8 a 13).

Es stellt sich nun die Frage ob es möglich ist die Position des Heiligen Thomas mit den oben genannten Phänomenen zu vereinbaren. Dies lässt sich vielleicht dahingehend lösen, dass viele unserer inneren Erregungen für gute Beobachter äußerlich sichtbar sind. Dämonen sehen mehr und besser als die Menschen und dass sie die natürlichen Vorgänge, die beispielsweise in einem Gehirnsscan sichtbar werden, wahrnehmen können, so können Sie aus diesen neuronalen Auswirkungen die Ursachen, d. h. Gedanken schlussfolgern. Ein anderer Erklärungsversuch ist eine andere Wahrnehmung der reinen Geister als die menschliche Wahrnehmung. Die Zeit ist etwas, was uns auch die nach newton’sche Physik bestätigt, etwas was gleichzeitig auf mehreren Ebenen stattfindet. Während in unserer menschlichen Wahrnehmung es immer ein „Vorher“ und „Nachher“ gibt, so sieht Gott und vielleicht sogar die Engeln und Dämonen alles gleichzeitig. Nehmen wir einen folgenden Fall an, der durchaus öfters passiert:

  1. Jemand betet in Gedanken,
  2. der Dämon im Besessenen antwortet darauf,
  3. alle Umstehenden wundern sich.

Wenn wir also annehmen, dass a., b. und c. zeitgleich stattfinden die Dämonen aber nur zu b. und c. Zugang haben, dann können Sie aufgrund von c. auf a. schließen und b. durchführen. Diese Lösung scheint doch recht kompliziert zu sein und daher ist es hilfreicher einfach anzunehmen, dass Dämonen die Gedanken und andere inneren Vorgänge (secreta codium) kennen.

Praktisch gesehen sollen wir damit rechnen, dass sowohl die gefallenen als auch die guten Engel unsere Gedanken kennen können, sodass wir auf unsere Gedanken achten und in Gedanken beten. Auf diese Art und Weise werden wir sowohl die gefallenen Engel meiden als auch diejenigen Menschen, die von Ihnen inspiriert werden. Also auch damit rechnen, was DSDZ wirklich sehr regelmäßig erfährt, dass die Dämonen die künftigen Ereignisse kennen und mit der Zulassung Gottes uns bei deren Verwirklichung stören werden.


[1]  Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Alverna: Will 2012, s. 376-377.

[2]  Ebd. s. 376.

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