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Katholische Engellehre: (21) Die natürlichen Eigenschaften und Kräfte der Engel. Erkenntnis der Engel (III) Sprache der Engel

Engelswissen und Besessenheit

Es stellt sich wiederum die Frage, worin der eigentlich praktische Wert des Wissens um das Wissen der Engel besteht. Er besteht darin paranormale Phänomene erklären zu können und den eigenen geistlichen Kampf besser ausrichten zu können. Denn man muss annehmen, dass gefallene Engel – Dämonen – ebenfalls dieses ursprüngliche Engelswissen haben und es Menschen, die sich dafür öffnen, mitteilten können. Denn ein hohes Wissen um bestimmte Dinge bei Menschen, die nicht über ausreichend Intelligenz oder Bildung verfügen, um sich es auf natürlichem Wege anzueignen, ist ein sicheres Zeichen der dämonischen Besessenheit,[1] wie der berühmte Exorzist Canido Brognolo OFM in seinem vielzitierten Buch Manuale Exorcistarum – „Handbuch der Exorzisten“ anführt:

Wenn jemand ungebildet (rudis) und unwissend (ignarus) ist, er aber mit gehöriger Unterscheidung (distincte) und in geordneter Weise (ordinate) etwas mitteilen (discurrat) und diskutieren (disputet) kann, was schwierige und höhere Themen (de arduis et sublimioribus questionibus) anbelangt, wie philosophische oder theologische Themen, so ist er [entweder] von einem Engel heimgesucht (angelicus) oder er ist besessen (daemonianus).

Dieses hohe, akademisch vorgetragene Wissen muss sich demzufolge bei jemand einfinden, dessen Natur und Bildungsstand es völlig übersteigt. Denn rudis – bedeutet „roh, ungehobelt, einfach“,[2] ignarus hingegen „unwissend, unerfahren, unbekannt“[3]. Wenn es also vorkommt, dass jemand eines Tages aufwacht und plötzlich über ein immenses theologisches oder philosophisches Wissen verfügt, dass er sich selbst nicht aneignen konnte, so ist dieses Wissen eines übernatürlichen oder paranormalen Ursprungs. Sprich es wurde ihm von einem Engel eingegeben, der auch ein gefallener Engel sein kann. Menschen, die sich mit Okkultismus befasst haben, berichten über dieses plötzliche Wissen, welchen ihnen zuteil wurde und dann wieder verschwand nachdem sie sich bekehrten und exorzisiert wurden. Hat auch eine scheinbar fromme Person solch ein plötzliches Wissen, dann ist auch hier die Wahrscheinlichkeit größer, dass es vom Dämon stammt, denn Gott gibt diese Gaben höchst selten.

Dieses Wissen um den plötzlichen Wissensgewinn hat auch seinen Weg in den Mainstream gefunden, denn in der Disney Serie Die Zauberer von Waverly Place gibt es eine Folge (Staffel 1, Folge 3: „Rache ist süß“) stellt der Vater den Kindern „Mini-Elfen“ (Timestamp 5:15 – 8:39) aus der magischen Welt vor, die über ein Spezialwissen verfügen und einem vorsagen konnten, wenn man es brauchte. Die Tochter leiht sich solch eine „Mini-Elfe“ aus und besteht die Spanisch-Prüfung dadurch glänzend.  Zwar handelt es sich bei den Zauberern von Waverly Place um eine fiktive Sitcom für den Familiengebrauch, aber das dort vermittelte okkulte Wissen ist echt und soll auf diese Art und Weise den Kindern schmackhaft gemacht werden. Denn Magie gilt in dieser Serie als Lösung aller Probleme. „Mini-Elfen“ gibt es nicht, Dämonen jedoch schon.

Die Sprache der Engel

Wenn die Engel intelligente Wesen sind, die miteinander kommunizieren, dann muss es auch eine Engelssprache geben. Diese wird auch tatsächlich in der Heiligen Schrift belegt, wodurch die Engel miteinander mit den Menschen reden:

1 Kor 13,1

Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete,

Dan 8,16 – 18

Und über dem Ulai-Kanal hörte ich eine Menschenstimme, die rief: Gabriel, erkläre ihm die Vision!

Da kam er auf mich zu. Als er näher trat, erschrak ich und fiel mit dem Gesicht zu Boden. Er sagte zu mir: Mensch, versteh: Die Vision betrifft die Zeit des Endes.

Während er mit mir redete, lag ich ohnmächtig da, mit dem Gesicht am Boden. Da berührte er mich und stellte mich wieder auf die Beine.

Zach 2, 5-7

Danach blickte ich hin und sah: Da war ein Mann [Engel] mit einer Meßschnur in der Hand.

Ich fragte: Wohin gehst du? Er antwortete mir: Ich gehe, um Jerusalem auszumessen und zu sehen, wie breit und wie lang es sein wird.

Da trat der Engel, der mit mir redete, vor, und ein anderer Engel kam ihm entgegen und sagte zu ihm: Lauf und sag dem jungen Mann dort: Jerusalem wird eine offene Stadt sein wegen der vielen Menschen und Tiere, die darin wohnen.

Juda 1,9

Als der Erzengel Michael mit dem Teufel rechtete und über den Leichnam des Mose stritt, wagte er nicht, den Teufel zu lästern und zu verurteilen, sondern sagte: Der Herr weise dich in die Schranken.

Es ist nachvollziehbar, dass die Engel, die zu den Menschen reden sich der menschlichen Sprache bedienen oder gleich ein Verständnis vermitteln, ohne die Worte überhaupt gehört zu haben. Über diese Art der Engelsrede schreibt Kardinal Bona.

Aber wie unterhalten sich die Engel untereinander?

Diese Sprache dürfte darin bestehen, so Diekamp-Jüssen, dass der eine Engel dem anderen durch einen freien Willensakt seine Gedanken zur Verfügung stellt, sodass der andere dessen Gedanken schaut (vgl. q. 107, a.1 ad 2).[4] Thomas von Aquin schreibt recht ausführlich in seiner Summa darüber. In I, q. 106 behandelt er die Kommunikation der Engel überhaupt, q. 107 ist ganz der Sprache der Engel gewidmet. So lesen wir in q. 106 über folgende Themen:

Art. 1 – Der eine Engel erleuchtet den anderen.

Art. 2 – Kein Engel kann den Willen des anderen bewegen.

Art. 3 – Der niedrigere Engel kann nicht den höheren erleuchten.

Art. 4 – Die höheren Engel teilen den niedrigeren Alles mit, was ihnen bekannt ist.

Die q. 107 hingegen enthält folgende Artikel:

Art. 1 – Der eine Engel spricht zum anderen.

Art. 2 – Die niederen Engel sprechen auch zu den höheren.

Art. 3 – Der Engel spricht zu Gott.

Art. 4 – Die örtliche Entfernung hat gar keinen Einfluss auf das Sprechen der Engel.

Art. 5 – Nicht alle Engel kennen das Sprechen des einen zum anderen.

Wir wollen hier Art. 1 kommentiert wiedergeben und die interessierten Lesen für weitere Lektüre zur Bibliothek der Kirchenväter verweisen.

Erster Artikel
Der eine Engel spricht zum anderen

a) Es scheint, dass bei Engeln von einem Sprechen nicht die Rede sein kann. Denn:

I. Gregor der Große (18. Moral. c. 27.) sagt: „Im Zustande des auferstandenen Leibes verbirgt die Körperlichkeit der Glieder den Geist des einen nicht vor dem anderen.“ Also ist noch weniger der Geist eines Engels verborgen vor dem des anderen. Die Sprache aber dient zur Offenbarung dessen, was im Geiste verborgen ist. Also gibt es bei den Engeln kein Sprechen.

Kommentar: Man braucht die Sprache dann, wenn man etwas nicht anders kommunizieren kann. Bei der Auferstehung der Leibes, so der hl. Gregor der Große, wird man voreinander nichts verbergen können. Was also auf den auferstandenen Leib zutrifft, muss noch viel mehr auf rein geistige Wesen, wie die Engel zutreffen.

II. Ein zweifaches Sprechen wird unterschieden: ein inneres, vermittelst dessen jemand zu sich selber spricht; und ein äußeres, vermittelst dessen er zu einem anderen spricht. Letzteres aber vollzieht sich durch ein äußeres Zeichen, z. B. durch die Zunge, den Finger oder in ähnlicher Weise, was einem Engel nicht zukommt. Also spricht ein Engel nicht zum anderen.

Kommentar: Sprache braucht materielle Mittel, um vermittelt zu werden. So könnten Sie diesen Beitrag ohne Ihr Gerät, die Software, das Internet, die Kabel etc. nicht lesen. DSDZ könnte seine Gedanken ohne ein Laptop und dessen Tastatur auch nicht festhalten. Die Engel sind aber rein geistig. Wie ist dann also eine materielle Kommunikation bei immateriellen Wesen möglich?

III. Der Sprechende weckt den Höheren, dass er auf ihn aufmerke. Das aber scheint beim Engel nicht der Fall zu sein, da dies bei uns vermittelst eines äußeren Zeichens geschieht.

Kommentar: Wir brauchen Zeichen, die Engel nicht, wir können von unten nach oben kommunizieren und jemand dadurch gleichsam „erleuchten“, die Engel nicht (q. 106, a.3).

Auf der anderen Seite sagt der Apostel (1. Kor. 13.): „Wenn ich mit den Zungen der Menschen spräche und der Engel.“ [S. 588]

b) Ich antworte, bei den Engeln gibt es ein gewisses Sprechen (aliqua locutio). Denn es ist, wie Gregor der Große (2. moral. 4.) sagt, „der Mühe wert, dass unser Geist von der Art und Weise des körperlichen Sprechens absehe und aufmerke auf die erhabenen und geheimnisvollen Weisen der innerlichen Sprache.“

Wollen wir aber nun sehen, wie ein Engel dem anderen spricht, so müssen wir uns dessen erinnern, was früher über die Vermögen und Tätigkeiten der Seele abgehandelt worden ist. Da wurde auseinandergesetzt, wie der Wille die Vernunft zur Tätigkeit hinbewegt.

Nun ist aber das Erkennbare (intelligibile) in dreifacher Weise in der Vernunft (in intellectu):

1. In der Weise eines Zustandes (habitualiter) oder im Gedächtnisse (secundum memoriam), wie Augustinus sagt;

2. als tatsächlich erkannt und betrachtet oder aufgefasst (in actu consideratum vel conceptum);

3. als bezogen auf etwas Anderes (ad aliud relatum).

Zudem ist offenbar, dass das Erkennbare von der ersten Stufe auf die zweite übergeht vermöge eines Gebotes von Seiten des Willens (per imperium voluntatis); heißt es ja doch in der Begriffsbestimmung eines Zustandes (in definitione habitus): „dessen sich jemand bedienen kann, wenn er will.“ Und ähnlich wird das Erkennbare von der zweiten auf die dritte Stufe gebracht vermöge des Willens; denn durch den Willen wird die Auffassung der Vernunft auf etwas Anderes bezogen (conceptus mentis ordinatur ad alterum), sei es auf das entsprechende Wirken sei es auf das Mitteilen oder auf die Kenntnisgebung einem anderen gegenüber. Wann nun der Geist sich tatsächlich zu sich selber wendet, um das sich gegenwärtig zu halten, was er im Gedächtnisse hat, so spricht er zu sich selber; denn die Auffassung der Vernunft eben wird, soweit sie tatsächlich dem Geiste gegenwärtig ist, das „innere Wort“ (interius verbum) genannt.

Wird aber die Auffassung vom Willen des Engels darauf hingelenkt, dass sie einem anderen bekannt werde, so wird alsbald die betreffende Auffassung dem anderen bekannt; und das heißt: Sprechen zu einem anderen Engel. Denn Sprechen heißt nichts Anderes als die Auffassung, des eigenen Geistes einem anderen offenbar machen.

Kommentar: Ein Sprechen (locutio) muss nicht vokal sein, denn unsere Gedankengänge, wie die Vergegenwärtigung dessen, was wir im Gedächtnis tragen, ist nicht vokal, sondern besteht in einem Willensakt. Wollen wir uns etwas Erkanntes z.B. ins Gedächtnis rufen, so tun wir es durch einen inneren Willensakt. Wollen wir ein mentales Konzept (conceptus mentis) z. B, der Schwerkraft auf etwas Äußeres beziehen, den fallenden Apfel beispielsweise, so tun wir das ebenfalls durch einen Willensakt. Die innere Rede, welche aus Willensakten besteht, ist ja eine Art der nonverbalen Kommunikation und auf diese Weise können wir uns das Sprechen (locutio) der Engel vorstellen als eine willentliche Mitteilung der inneren intellektuellen Akte.

c) I. In uns wird die innere Auffassung des Geistes (interior mentis conceptus) durch ein zweifaches Tor gleichsam geschlossen:

1. Durch den Willen selber, der die betreffende Auffassung (conceptus) entweder in sich behalten oder anderen offenbar machen kann; — und danach kann nur Gott den inneren Geist eines jeden sehen, wie Paulus schreibt (1. Kor. 2.): „Was im Menschen ist, weiß niemand außer der Geist des Menschen, der in ihm ist;“ —

2. durch die grobe Körperlichkeit, wonach der Wille nicht genügt, um etwas bekannt zu geben, sondern noch ein äußeres Zeichen angewendet werden muss. Und darauf weist Gregor hin (2. moral. 4.) mit den Worten: „Für fremde Augen stehen wir innerhalb unseres geheimen Geistes gleichsam hinter der Wand unseres Körpers. Wenn wir aber uns selber offenbar machen wollen, so treten wir gewissermaßen durch das Thor der Zunge heraus, damit wir zeigen, wie beschaffen wir im Innern sind.“

Dieses zweite Thor nun ist beim Engel kein Verschluss für die innere Auffassung. Vielmehr wird letztere bekannt, sobald er will.

II. Das äußere Sprechen vermittelst der Zunge kommt sonach dem Engel nicht zu; sondern nur das innerliche Sprechen. Dieses aber begreift in sich nicht nur den Willen, sich selber einen Gedanken gegenwärtig zu halten; sondern auch, ihn anderen zugänglich zu machen. Die „Zunge der Engel“ also ist bildweise die Kraft selber im Engel, vermittelst deren er seine Auffassung offenbar macht.

Kommentar: Die Zunge der Engel könnte man also als willentliche und willensbestimmte Telepathie bezeichnen.

III. Soweit es die guten Engel angeht, die sich gegenseitig im „Worte“ immer sehen, bedürfte es keines Weckmittels, um die Aufmerksamkeit des anderen auf den Sprechenden zu lenken. Denn da im Wesen Gottes ein Engel den anderen sieht, so sieht er auch immer das in selbem, was auf ihn Bezug hat. Weil jedoch die Engel auch vor ihrer Beseligung sich sprechen konnten und die bösen Engel gegenwärtig sich gegenseitig sprechen, so muss man sagen, dass wie der Sinn vom sinnlichen Gegenstande bewegt und geweckt wird, so die Vernunft vom geistig Erkennbaren. Wie also ein sinnliches Zeichen den Sinn weckt, so kann durch irgendwelche Kraft in der Vernunft die Engelvernunft geweckt werden, dass sie aufmerkt.


[1] Brognolo, Candido, Manuale exorcistarum ac parochorum. Hoc est Tractatus de curatione, ac protection divina, Bergomum 1651, 80.

[2] Lateinisch-deutsches Handwörterbuch: 1. rudis. Georges: Lateinisch-Deutsch / Deutsch-Lateinisch, S. 49074 (vgl. Georges-LDHW Bd. 2, S. 2419)

[3] Ebd., ignarus. Georges: Lateinisch-Deutsch / Deutsch-Lateinisch, S. 27164 (vgl. Georges-LDHW Bd. 2, S. 31)

[4] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 377.

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