Katholische Engellehre: (23) Die natürlichen Eigenschaften und Kräfte der Engel. Willen der Engel (ii) Er ist entschieden und unveränderlich.

2. Die Entschließungen der Engel vollziehen sich ohne unentschiedenes Schwanken und sind unabänderlich

Während wir Menschen bei Entscheidungen hadern und zaudern, sie vor uns hin und her schieben und aufschieben entscheiden die Engel sofort und halten sich an die einmal getroffen Entscheidung.

Warum?

Weil sie einen außerordentlich scharfen Verstand und außerordentlich starken Willen haben.[1] Warum ist es bei Menschen anders? Weil die Menschen entweder (a) keine Einsicht haben, dass etwas richtig ist – fehlender Verstand oder (b) nicht einen ausreichend starken Willen haben es umzusetzen – fehlender Wille.

In der Geschichte der Ethik gibt es zwei Ansichten über die Quelle der fehlenden Entscheidungswilligkeit. Laut dem moralischen Intellektualismus gilt (a), d.h. die Wahrheit wird nicht erkannt, sodass keine Taten folgen. Laut dem moralischen Voluntarismus hingegen gilt (b), d.h. es fehlt der Willen das Erkannte umzusetzen. Der hl. Thomas von Aquin war ein Intellektualist, der hl. Augustinus hingegen ein Voluntarist. DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) ist ein ethischer Intellektualist, denn hat er etwas als richtig erkannt, dann setzt er es, soweit es in seiner Macht steht und von ihm abhängt, auch um. Nein, manchmal nicht gleich, manchmal in ein paar Anläufen, manchmal nach einer Zeit der Prokrastination, aber er tut es. Wenn er es besser weiß, dann tut er auch besser. Daher fällt es ihm schwer Menschen zu verstehen, die es wissen, aber nichts dafür tun, was wohl die Mehrheit ausmacht. Mit der Zeit hat DSDZ mehr Verständnis für die Ansicht des hl. Augustinus, dass die Moral doch mehr im Willen als im Verstand liegt. Aber DSDZ mochte immer die Anstrengung und die Herausforderung, sowie die Selbstüberwindung. Die meisten Menschen sind einfach zu faul sich vom Fleck zu rühren und sie rationalisieren es auch auf religiöse Art und Weise. Sie tun nichts, weil sie erwarten, dass Gott es für sie tut, durch ein Wunder zum Beispiel, was jedoch nicht passiert. Diese Haltung ist nicht nur dumm, sondern auch häretisch, denn sie kommt dem Quietismus nahe, leugnet praktisch die Willensfreiheit und die katholische Gnaden- und Verdienstlehre, sowie die Lehre von den guten Werken. Man muss schon auf die Gnade gestützt gute Werke vollbringen, um gerettet zu werden, was manchmal sehr anstrengend ist, denn von nichts kommt nichts.

Diese Probleme haben die Engel nicht. Sie erkennen sogleich und setzten es unabänderlich um.

Und warum unabänderlich?

Weil man das Gute und Wahre nicht zu ändern braucht. Wenn 2 + 2 = 4 ist, dann braucht die Lösung „4“ bis in Ewigkeit nicht geändert zu werden. Bei ethischen Entscheidungen ist es für Menschen schwieriger, aber nur deswegen, weil wir nicht das volle Wissen haben im Gegensatz zu den Engeln. Wir gehen ja in den meisten Entscheidungen induktiv und nicht deduktiv vor, was bedeutet, dass wir vom Einzelnen zum Allgemeinen übergehen, bevor wir uns aus unseren Erfahrungen gleichsam eine gültige Formel erstellen. Diese Formel kann dennoch falsch sein, weil (a) unsere Datenbank nicht groß genug war, (b) unsere Methode falsch war und (c) unser Lösungsweg ebenso. Dazu kommt noch, dass wir doch sehr vom Willen beeinflusst sind, sodass wir uns manchmal überhaupt keine Mühe machen zu irgendwelchen Lösungen zu kommen. Der Engel hingegen sieht gleich die fertige Formel und weil diese stimmt, so setzt er das Erkannte sofort um. Hl. Thomas von Aquin, der Doctor Angelicus, fasst es wie folgt auf:

In angelis est electio, non tamen cum inquisitiva deliberatione consilii, sed per subitam acceptationem veritatis.

In den Engeln gibt es eine Wahl, nicht aber durch eine nachforschende Erwägung des Ratschlusses, sondern durch eine sofortige Annahme der Wahrheit. (I, q. 59 a. 3. ad 1)

Und was bedeutet das?

Wenn ich beispielsweise einen Autokauf plane, dann komme ich über (a) die nachforschende Erwägung (deliberatio inquisitiva) zu einem (b) Ratschluss (consilium). Unter (a) fällt das Vergleichen der Modelle, der Preise, der Motorstärken, Versicherungsbeiträgen etc., sodass ich aus einer bestimmten Menge der Autos anhand bestimmter Kriterien eine (b) Entscheidung oder einen Ratschluss treffe. Der Engel sieht aber die Lösung sofort und er nimmt diese Wahrheit sofort an und setzt sie um. Und warum tut er dies? Aufgrund der Eigenart seines Willens, wie hl. Thomas angibt:

Voluntas angeli adhaeret fixe et immobiliter.

Der Wille des Engels hängt fest und unveränderlich an. (I, q. 64 a.2)

Dies bedeutet aber andererseits, dass sich ein Engel nicht um entscheiden kann, sodass nach dem Engelfall die gefallenen Engel nicht mehr zu Gott zurückkommen können, weil auch ihr Wille unabänderlich ist. Die guten Engel wiederum können nicht mehr fallen, sodass in den himmlischen Regionen eine gewisse Beständigkeit garantiert ist. Nur wir Menschen sind Veränderungen unterworfen, wir können fallen und uns wieder aufrichten.

Bei den Versuchungen sagt uns der böse Geist oft, dass diese Situation und Lage unabänderlich ist und es immer so bleiben wird. Dies stimmt zwar für ihn, aber nicht für uns. Während unseres Lebens kann sich wirklich alles von einem Augenblick auf den anderen etwas ändern, siehe Corona-Krise, sodass man auch andere Optionen erstellen kann und muss. Wie wir bereits schrieben ist der freie Willen der Engel nach ihren Sturz gleichsam festgefroren und daher versuchen die gefallenen Engel unseren Willen auszuhebeln, indem sie uns zwar Gegensätzliches einflüstern uns aber zur Aufgabe unserer Anstrengungen verleiten wollen.

Argument A: Alles bleibt gleich.

1. In Krisenzeiten führt es dazu, dass man überhaupt keine Anstrengungen unternimmt wieder an die Oberfläche zu kommen.

2. In glücklichen Momenten führt es dazu, dass man keine  Anstrengungen unternimmt diese Situation abzusichern oder sich auf die kommende Krise vorzubereiten.

Argument B: Alles verändert sich.

1. Dies führt dazu, dass man nichts plant, weil die Veränderungen nicht von einem selbst abhängen.

2. Dies führt dazu, dass man keine Stabilität im Guten herbeiführen möchte.

Interessanterweise sind weder das Argument A noch das Argument B völlig falsch, denn auf der physikalischen Meta-Ebene bleibt ja wirklich alles gleich, siehe der Energieerhaltungssatz. Auf der biologischen Ebene hingegen gibt es tatsächlich eine ständige Veränderung, Zellabbau, Zellwachstum etc. Der böse Feind ist wirklich sehr intelligent und wie Kardinal Bona schreibt lähmt er bei denjenigen mit starkem Willen zum Guten den Verstand, bei den meisten, die richtig denken, lähmt er den Willen, daher sollten wir bei unserem Fortschritt meistens beim Willen und nicht beim Verstand ansetzen.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Alverna: Wil 2012, 378.

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