Katholische Engellehre: (24) Die natürlichen Eigenschaften und Kräfte der Engel. Willen der Engel (iii) Er ist sehr mächtig.

3. Dem Willen der Engel steht eine große Macht zu

Die Heilige Schrift (z. B Kol 1,16) verweist auf diese Tatsache durch die vielen Namen, die den Engel zustehen etwa Kräfte (virtutes), Mächte (principatus), Herrschaften (dominationes) den Engeln eine große Macht oder Gewalt (virtus, dominatio) zusteht.[1]

Warum?

Weil in der Hl. Schrift der Name gleich das Wesen bestimmt. Je höher der Engelsrang, desto größer auch die Kraft oder Macht – virtus.  4 Kön 19,35 berichtet, dass der Engel des Herrn in einer Nacht 185 000 Assyrer erschlug. 2 P 2,11 schreibt, dass die Engel im Vergleich zu den Menschen fortitudine et virtute maiores – an Stärke und Kraft überlegen seien. Kein leiblicher Organismus, d.h. weder Menschen noch Tiere hindert die Geltendmachung ihrer Kraft, daher sollte man sich mit keinem Engel, insbesondere mit dem gefallenen Engel anlegen, denn aus eigener Kraft sind wir wirklich schutzlos.

Trotzdem sind sie weder in der Lage (1) etwas zu erschaffen noch (2) aus eigener Macht Wunder zu bewirken.

Ad (1) Engel können nichts aus eigener Kraft erschaffen.

Die Lehre der Kirche besagt:

Es ist unmöglich, dass Gott ein Geschöpf mit der Schöpfermacht ausstattet, sodass es als causa principalis [Hauptursache] andere Dinge erschaffen kann.[2]

Diese sententia fere communis – eine beinahe allgemeine Meinung der Theologen wurde gegen Durandus (+ 1334), Biel (+ 1495) sowie gegen Froschammer (+ 1893) ausgesprochen. Nach der Meinung des letzteren hätten die Eltern bei der Zeugung des Kindes durch eine ihnen von Gott übertragene Schöpfermacht die Seele des Kindes aus nichts erschaffen.

Denn mit Erschaffen (creare) versteht man das Hervorbringen der Dinge aus dem Nichts (creatio ex nihilo). Der innere Grund dafür, dass niemand außer Gott etwas aus dem Nichts ins Sein hervorbringen kann, liegt darin, dass man dazu eine unendliche Kraft benötigt (Summ. Theol., I q. 45 a.5; C. gent. II, 20.21; De pot. q. 3 a.4), die kein Geschöpf zur Verfügung hat.

Ad (2) Engel können nicht aus eigener Kraft Wunder bewirken.

Der breitere Kontext dieser Aussage wird bei Thomas von Aquin Summ theol. I q. 110 und 111 dargestellt. Wir zitieren hier nur einen Artikel q. 110, a. 4., den wir ein wenig kommentieren, weil er die Grundzüge der katholischen Wunderlehre enthält.

Vierter Artikel.
Die Engel können keine Wunder machen.

a) Dagegen spricht:

I. Gregor der Große (34. in Evg.): „Kräfte (virtutes) nennt man jene Geister, durch welche Zeichen und Wunder bisweilen geschehen.“

II. Augustin (83. Qq. 79.): „Die Magier machten Wunder auf Grund geheimer Kontrakte; die guten Christen tun Wunder wegen des öffentlichen Besten (per publicam iustitiam); die schlechten Christen unter dem Schein des öffentlichen Besten (per signa publicae iustitiae).“ „Die Magier, aber“ (I. c.) „tun Wunder, weil sie von den Dämonen erhört werden.“ Also können die Dämonen Wunder wirken und umso mehr die guten Engel.

Kommentar: Man kann tatsächlich heute wie in den Zeiten des hl. Augustinus paranormalen Wirkungen über einen Dämonenpakt erreichen.

III. Augustin (l. c.): „Von Allem, was sichtbarerweise geschieht, glaubt man nicht mit Unrecht, es könne von den niederen Gewalten dieser Luft (per inferiores potestates aeris) aus geschehen. “Wenn jedoch eine Wirkung, die sonst von den natürlichen Ursachen ausgeht, hervorgebracht wird ohne Beziehung auf diese natürlichen Ursachen, so nennen wir dies Wunder; wie wenn z. B. jemand vom Fieber geheilt wird, ohne dass die natürlichen Mittel gebraucht werden.“ Also können die Geister Wunder wirken.

Kommentar: „Niederen Gewalten dieser Luft“ (per inferiores potestates aeris) ist die Bezeichnung der gefallenen Engel, die durch den Fall niederer geworden sind.

IV. Die höhere Kraft ist nicht gebunden an die niedere. Die Kraft der Körpernatur aber ist niedriger als die der Engel. Also ist der Engel nicht gebunden an den Lauf der Natur, d. h. er kann Wunder tun.

Auf der anderen Seite heißt es Ps. 135,4. von Gott: „Der allein sehr Wunderbares tut.“

b) Ich antworte, allerdings sei das Wunder außerhalb der Ordnung der Natur (praeter ordinem naturae), aber nicht außerhalb nur einer einzelnen besonderen Naturkraft (praeter ordinem naturae alicuius particularis); sonst würde jeder, welcher einen Stein in die Höhe würfe, ein Wunder tun, da dies doch außerhalb der Natur des Steines ist. Zum Wunder vielmehr gehört es, dass es außerhalb der Ordnung der Gesamtnatur (praeter ordinem totius naturae creatae) sei. Und das zu tun, ist Gott allein eigen. Denn wenn ein Engel etwas aus eigener Kraft tut, so geschieht dies kraft der Ordnung seiner eigenen geschaffenen Natur; und ist dann kein Wunder.

Kommentar: In dieser Unterscheidung zeigt sich das Genie des hl. Thomas. Denn ein Wunder ist nur das, was „außerhalb der Ordnung der Gesamtnatur (praeter ordinem totius naturae creatae)“ passiert, nicht jedoch das, was „außerhalb einer einzelnen Natur (praeter ordinem naturae alicuius particularis) passiert. Dies bedeutet, dass das was für eine Spinne als außerhalb ihrer Natur stehen unmöglich ist, für einen Wal möglich ist, was für einen Wal unmöglich ist, ist für einen Schimpansen möglich, was für einen Schimpansen unmöglich ist, ist wiederum für einen Menschen möglich. Kein Wunder also, sondern die höheren Möglichkeiten einer höheren Gattung. Dies betrifft auf die Engel und die Menschen. Was für einen Engel natürlich oder konnatural ist, ist für einen Menschen unmöglich und aus seiner Perspektive gesehen ein Wunder. Aber ein Wunder an sich ist nur das, was die Ordnung der gesamten Natur übersteigt, nicht nur der Engelnatur.

c) I. Die Engel tun Wunder oder auch heilige Menschen; entweder weil Gott auf ihr Verlangen ein Wunder tut oder weil sie beim Wunder eine Dienstleistung verrichten wie das Aufsammeln des Staubes bei der allgemeinen Auferstehung oder bei ähnlichen Dingen.

Kommentar: Das Wunder tut also Gott allein und die Engel sind höchstens die „Dienstleister“ des Wunders.

II. Nicht alle natürliche Kraft ist uns bekannt. Was somit vermittelst einer uns unbekannten natürlichen Kraft geschieht, das ist für uns wunderbar; aber nicht an sich ist es ein Wunder. Denn da müsste es außerhalb der gesamten Naturordnung geschehen. Wenn somit die Dämonen kraft ihrer Natur, die uns unbekannt ist, etwas tun, so ist dies mit Rücksicht auf uns ein Wunder. „Durch geheime oder private Kontrakte“ machten die Magier Wunder, weil was geschieht vermittelst eines Bündnisses mit dem Dämon, auf Grund eines „geheimen Kontraktes“ gleichsam geschieht; und weil die Kraft einer einzelnen Kreatur ist wie die einer Privatperson im Staate. Die göttliche Gerechtigkeit aber ist im ganzen Universum „das Beste Aller“, wie etwa ein öffentliches Gesetz im Staate. Tun also die guten Christen Wunder, so geschieht dies vermittelst der göttlichen Gerechtigkeit „zum Besten Aller“. Die schlechten Christen aber tun Wunder unter dem Scheine der göttlichen Gerechtigkeit und des allgemeinen Besten, indem sie den Namen Christi anrufen oder sich einiger heiliger Zeichen bedienen.

Kommentar: Hier geht es um den Unterschied zwischen dem „subjektiven“ und dem „objektiven“ Wunder. Was von unserer Sicht her wunderbar ist, kann an sich noch kein Wunder sein. Denn die Dämonen verrichten die Wunder auch „natürlich“, weil sie Dinge verrichten die ihrer und nicht der menschlichen Natur entsprechen.

III. Dass die geistigen Substanzen [d. Engel] all das tun können, was sichtbar in der Welt geschieht, hat seinen Grund darin, dass sie vermittelst der Ortsbewegung körperlichen Samen, also natürliche Ursachen gebrauchen.

Kommentar: Engel haben auf die räumliche Bewegung also Ortsbewegung Einfluss und daher können sie auch Dinge auf submolekularen und der Makroebene verschieben. Für sie ist es natürlich, für uns nicht.

IV. Die Engel können nichts tun außerhalb der gesamten natürlichen Ordnung; also kein Wunder.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Alverna: Wil 2012, 378.

[2] Ebd. 332.

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