Katholische Engellehre: (26). Der Urzustand der Engel und ihre Prüfung. (ii) Alle Engel wurden geprüft.

II. Alle Engel hatten eine sittliche Prüfung zu bestehen.

Conclusio theologica bezüglich der gefallenen Engel, sententia nunc communis bezüglich der guten Engel.

1. Die gefallenen Engel sind dem Dogma gemäß durch eigene Schuld böse geworden und der Verdammnis anheim gefallen (Later. IV, Denz. 428 f/800 f.; Mt 25,41). Eine sittliche Prüfung ist daher die notwendige Voraussetzung.

Dazu lässt sich sagen, dass entgegen der Meinung der Gnostiker die Kirche immer angenommen hat, dass alle Geschöpfe, einschließlich der Engel als gut und nicht als böse von Gott geschaffen wurden. Wenn sie aber böse geworden sind und das „Böse“ mit dem Engelfall in die Welt Einzug gehalten hat, dann war dazu der freie Willen, den wir schon behandelt haben und die Prüfung notwendig.[1]

2. Der Los der Engel war sogar für Heilige und Kirchenväter nicht gleich ersichtlich. Betreffs der guten Engel vertrat Augustinus längere Zeit die Ansicht, sie seien im seligen Genuss der Anschauung Gottes erschaffen worden (De civ. Dei XI, 19; XII, 9, 2; Confess. XII, 12, 15). Dann gab es für sie keine eigentliche Prüfungszeit, weil durch die unmittelbare Gottesanschauung die Möglichkeit des Falles ganz aufgehoben war. Bei diesen Ansichten Augustinus‘ kann seine eigene manichäische Vergangenheit eine Rolle gespielt haben, denn diese Theorie beinhaltet eine Zwei-Klassen-Gesellschaft der Engel von Anfang an, keinen freien Willen der Engel und keine Probe. Später revidierte Augustinus diese Ansicht. Er hat sich in späteren Jahren zur Lehre bekannt, dass die heiligen Engel erst damals, als die übrigen abfielen, zum Lohn für ihre Treue die Gewissheit über den unverlierbaren Besitz ihrer Seligkeit empfangen haben (Enchir. 28; De corr. et gr. 11,32). Dies würde aber bedeuten, dass Gott die guten Engel eine Zeit lang getäuscht hat, was mit der Vollkommenheit und Güte Gottes schwer vereinbar scheint.

Bestimmter lehrt Thomas und mit ihm fast die gesamte Theologie, dass die Engel erst, nachdem sie eine Prüfung bestanden hatten, in die Seligkeit des Himmels eingegangen sind. Zwar wurden sie in einer gewissen Seligkeit von Gott erschaffen, weil es ihnen wegen der Würde ihrer Natur gebührte, die Seligkeit, die sie kraft ihrer Natur genießen konnten, sofort zu besitzen. Aber die höhere und letzte Seligkeit, die jede natürliche Fähigkeit übersteigt, besaßen sie nicht sofort, weil sie nicht zu ihrer Natur gehört, sondern deren Endziel ist (1 q. 62 a. 1). Zu dieser Seligkeit sollten Sie erst durch ihr Tun, d. h. durch ihre freie, von der Gnade unterstützt Entscheidung, gelangen (ib. ad 2).


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Alverna: Wil 2012, 379.

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