Katholische Engellehre: (28). Seligkeit der Engel, ihre Aufgaben und ihre Verehrung. (ii) Ihre Aufgaben.

II. Die Aufgaben der seligen Geister.

Die Engel haben die folgenden Aufgaben:

  1. Anbetung und Lobpreis Gottes,
  2. Anbetung und Lobpreis Christi,
  3. Erfüllung der ihnen von Gott aufgetragenen Dienste,
  4. Sorge für die Menschen.[1]
  1. 1. Die Anbetung und der Lobpreis Gottes (Ps 96,7; 102,10; 148,2; Dan 3,28; Is 6,3; Apok 4,8) und Christi – des Gottmenschen (Hebr 1,6; Apok 5,11 f.), sowie der Dienst Gottes, insbesondere die Ausführung göttlicher Ratschlüsse an den Menschen, die Vermittlung übernatürlichen auf Erfahrungen, die Dienstleistung bei der Gründung und Ausbreitung des Reiches Christi auf Erden, wie die hl. Schrift an zahlreichen Stellen bezeugt.

Die Engel sind dienstbare Geister, welche Gott zu seiner Anbetung und der Verwirklichung der göttlichen Anordnungen in der Welt dienen. Wie wir oft bei Kardinal Bona nachlesen können, sind es Engel, die den Menschen die göttlichen Inspirationen geben und die Heiligen bei der Ausbreitung der Kirche auf der Erde unterstützen. Wir können davon ausgehen, dass alle Wunder, die von Gott kommen, von Engeln verwirklicht werden.

2. Die Sorge für die Menschen.

2) Die Engel erweisen als Diener Gottes den Menschen Schutz und Fürsorge in Sachen des Heiles.

De fide, da das allgemeine und ordentliche Lehramt der Kirche dies als Offenbarungswahrheit verkündigt.

Ps 90, 11 f. : Denn er hat seinen Engeln für Dich geboten [zunächst auf die Gottes für richtigen zu beziehen], dass sie dich auf allen Deinen Wegen behüten. Auf den Händen werden sie Dich tragen, dass Du Deinen Fuß nicht auf einen Stein stoßest.

Hebr 1, 14: Sind sie nicht alle dienende Geister, zum Dienste ausgesandt um derer willen, welche die Erbschaft des Heiles erlangen sollen?

Die zahlreichen Beispiele eines Eingreifens der Engel zugunsten der Menschen in der Heiligen Schrift, die einmütige Überlieferung, die öffentliche Verehrung der Engel bekräftigen diese Wahrheit.

b) Es gibt Schutzengel, d. h. Engel, die Kraft eines ständigen Amtes für die Menschen sorgen. Fidei proximum.

Nach einer theologischen sicheren Lehre hat wenigstens jeder einzelne Christ von der Taufe an seinen besonderen Schutzengel. Eine gut begründete und allgemeine Meinung geht dahin, dass Gott überhaupt für jeden Menschen einen Schutzengel bestellt habe. Dies ist wahrscheinlich, weil Engelbegegnungen und Engelrettungen auch bei Heiden und Atheisten überliefert sind.

Kirchliche Gebete, Schutzengelaltäre und Schutzengelkirche, das Schutzengelfest (seit dem 16. Jahrhundert,) die Lehre des Catechismus Romanus IV, 9,4: „Einzelnen Menschen stehen jene himmlischen Geister vor“, lassen uns die kirchliche Anschauung über die Engel erkennen. Sie stützt sich auf das Wort Christi: „Ihre Engel schauen ständig im Himmel das Angesicht meines Vaters an“ (Mat 18,10). Den Volksglauben bezeugt Apostelgeschichte 12,15: Sein (Petri) Engel.

Zahlreiche Väter sprechen dieselbe Lehre aus, zum Beispiel Basilius: Adv. Eunom. III, 1:

„Dass jedem der Gläubigen ein Engel zur Seite steht gleichsam als Erzieher und Hirt, der das Leben leitet, wird niemand abstreiten, der des Wortes gedenkt (Mat 18,10; Ps 33,8; Gen 48,16)“

nach Hieronymus Comm. In Math 18,10 hat jede Seele um ihrer großen Würde willen von der Geburt an einen Engel zu ihrem Schutz. Die Angemessenheitsgründe für die Anordnung Gottes entwickelt Thomas 1 q. 113 a. 1 et a. 4. Der erste Text lautet:

Auf der anderen Seite heißt es Ps. 90.: „Seinen Engeln hat Er den Auftrag gegeben, dass sie dich schützen auf allen deinen Wegen.“

b) Ich antworte, gemäß der Natur der göttlichen Vorsehung werde in allen Dingen dies gefunden, dass das Bewegliche und Wechselvolle geregelt und bestimmt wird durch das Unbewegliche und Unveränderliche. So wird alles Körperliche gelenkt durch geistige unbewegliche Substanzen und der Wechsel hier unten in den niederen Körpern wird nach festen Gesetzen geregelt durch die höheren Körper, die in ihrer Natur und Substanz unwandelbar sind. Wir auch selbst werden in unseren Schlussfolgerungen, die da verschiedene mannigfache, wechselnde Meinungen zulassen, geregelt durch feststehende Prinzipien, an denen wir unwandelbar festhalten. Nun ist es aber offenbar, dass in den Dingen, die uns zu tun obliegen, die Kenntnis und die Neigung des Menschen vielfach wechseln und vom Guten sich entfernen kann. Also war es nach der allgemeinen Regel notwendig, dass uns Engel zum Schutze gegeben würden, durch welche wir geregelt und unwandelbar zum Guten hinbewegt würden. (q. 113 a. 1 corp)

Und der zweite Thomas-Text lautet:

Auf der anderen Seite sagt Hieronymus (l. c.): „Jede Seele hat ihren Schutzengel.“

b) Ich antworte, der Mensch hier auf Erden müsse betrachtet werden wie auf dem Wege zur Heimat befindlich, auf welchem viele Gefahren sind, nach Ps. 141, 4.: „Auf diesem Wege, welchen ich wandelte, haben sie mir im Verborgenen Fallstricke gelegt.“

Wie also den Menschen, welche auf gefährlichen Straßen wandern, Schutzleute mitgegeben werden, so hat jeder Mensch, so lange er auf Erden pilgert, seinen Schutzengel. Ist der Mensch aber zur Heimat gelangt, dann wird er keinen Schutzengel mehr haben, sondern einen Engel, der mit ihm herrscht; wie der Sünder in der Hölle den Teufel haben wird, der ihn straft. (q. 113 a. 4.)

c) Dass ganze Völker unter besonderem Engelschutz stehen, lehren Dan 10, 12 f. 20 f; 12,1; Basilius 1.c., Theodoret In Gent q.3: Thomas 1 q. 113 a. 3.  mit Rücksicht auf Apok 1, 20 ff nehmen Väter (zum Beispiel Gregor von Nazianz Orat. 42, 9) und Theologen dies auch für die Gesamtkirche und die einzelnen Bistümer an. Vgl. In Sent. 4 d. 43 q. 1 a. 2 sol.3 ad 2. Dies bedeutet also, dass die Gesamtkirche, Deutschland und jedes Bistum einen eigenen Schutzengel hat, der jetzt nach den neuesten Beschlüssen der deutschen Bischofskonferenz wahrscheinlich weint.

Die Selbstständigkeit, mit der die Schutzengel ihren Auftrag zu erfüllen haben erklärt uns, dass unter ihnen Meinungsverschiedenheiten und entgegengesetzte Bestrebungen, wie Daniel 10 andeutet, vorkommen können. Auch zeigt dieser Text, dass ihre Maßnahmen, obschon sie stets aus der heiligsten Absicht hervorgehen, mitunter objektiv unzweckmäßig sein können, was sich ja auch daraus ergibt, dass die Engel die geheimen Gedanken der Mitgeschöpfe nicht schauen und das Zukünftige nicht mit Sicherheit vorherwissen. Dies bedeutet, dass auch Engel Fehler begehen können, da sie die Zukunft, welche von freien Entschlüssen der Menschen abhängt, im Gegensatz zu Gott, nicht mit Sicherheit vorher wissen können.

Das Gebet: Angele Dei, qui custos es mei, me tibi commissum pietate superna illumina, custodi, rege et guberna (Engel Gottes, mein Beschützer, Gott hat dich gesandt, mich zu begleiten. Erleuchte, beschütze, leite und führe mich.) bringt die Aufgaben des Schutzengel im Einzelnen gut zum Ausdruck.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 381-382.

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