Katholische Engellehre: (29). Seligkeit der Engel, ihre Aufgaben und ihre Verehrung. (iii) Ihre Verehrung.

III. Es ist gut und nützlich, die heiligen Engel zu verehren und anzurufen. Fidei proximum.

Einerseits ist es gut, fromm und nützlich, sowie in der biblischen Tradition verwurzelt die guten Engel zu verehren, obzwar nicht anzubeten, andererseits hatte die Kirche von ihren Anfängen an immer mit dem übertriebenen Engelkult zu kämpfen, der meistens gnostisch war und schlichtweg von gefallenen Engeln inspiriert wurde. Man muss sich immer mehr vor Augen stellen, dass die unsichtbare und spirituelle Realität nicht nur existiert, sondern die eigentliche Realität ist. Wie Plato es schon richtig erkannte, ist das irdische bloß ein Abbild und Abglanz des Himmlischen. Da es die gefallenen Engel tatsächlich gibt, so führen Sie die Menschen dazu sie anzubeten und zu verehren, indem sie sich oft als heilige oder gute Engel verkleiden.

Dennoch muss hier klar festgestellt werden, dass eine ausufernde Engelfrömmigkeit immer verdächtig erscheint und niemals von guten Engeln inspiriert sein kann, da diese als Dienstwesen alles auf Gott ausrichten und zu ihm führen. Ein guter Engel würde niemals ausschließlich für sich selbst einen Kult beanspruchen. Ausufernder Engelkult war gleichsam das Zunftzeichen der Gnosis aller Zeiten. Liest man die oben genannten Sätze durch, dann erledigt sich die Beurteilung der Visionen von Gabriele Bitterlich, der Gründerin des Engelwerkes, dessen priesterlichen Zweig Weihbischof Athanasius Schneider als Regularkanoniker vom hl. Kreuz angehört, von selbst. Ist man in den gnostischen Schriften der ersten christlichen Jahrhunderte bewandert, so entdeckt man ausgiebige Engelshierarchien samt Engelkult. Aber auch das gesamte New Age ist sehr engelbezogen, welche spirituelle Führer etc. genannt werden. Auch Damen mittleren Alters mit Übergewicht und Neigung zu Kitsch haben ein ausgeprägtes Faible für Engel und Engelerscheinung. Mit dem Engelwerk und Bischof Schneider werden wir uns an anderer Stelle befassen, hierbleibt nur festzuhalten, dass Engelkult durchaus verdächtig und ambivalent sein kann. Diese ambivalente Einstellung ist auch den kirchlichen Lehrentscheidungen zu entnehmen.[1]

Das Lehramt und Engel

Die erste Lehrentscheidung zugunsten der Engel fiel als Reaktion auf den ostkirchlichen Bildersturm. So stellt das siebte allgemeine Konzil von Nizäa 787 (Denz. 302/DH 600 f.) nicht nur fest, dass Engelverehrung zulässig ist, sondern es empfiehlt sogar, die „Bilder der ehrwürdigen Engel“ zu verehren. Der ehrwürdigen also, nicht der anderen. Lesen wir uns diese Beschlüsse im Ganzen durch, da es die katholische Ansicht der Heiligen- und Bilderverehrung vorlegt. Man betet nämlich nicht das Bild an, sondern die Wirklichkeit, welches dieses Bild darstellt und welche existenter als das letztere ist. Weil der Mensch ein sinnliches Wesen ist, daher braucht er etwas Sinnfälliges, um sich zum Geistigen emporzuheben. Die weiß getünchte Wand einer calvinistischen Kirche oder einer Novus Order Kirche hat noch niemanden  näher zu Gott gebracht.  Das Konzil von Nizäa schreibt:

Gleichsam den königlichen Pfad schreitend und folgend der gottkündenden Lehre unserer heiligen Väter  und der Überlieferung der katholischen Kirche – denn wir wissen, daß diese vom Heiligen Geist, der in ihr wohnt, stammt – beschließen wir mit aller Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, in den heiligen Kirchen Gottes, auf den heiligen Geräten und Gewändern, Wänden und Tafeln, Häusern und Wegen, ebenso wie die Darstellung des kostbaren und lebendig machenden Kreuzes die ehrwürdigen und heiligen Bilder – seien sie aus Farben, Stein oder sonst einem geeigneten Material – anzubringen; <dies gilt> für das Bild unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus, unserer unbefleckten Herrin, der heiligen Gottesgebärerin, der ehrwürdigen Engel und aller heiligen und frommen Menschen.

Je häufiger sie nämlich durch eine bildliche Darstellung angeschaut werden, desto häufiger werden auch diejenigen, die diese betrachten, emporgerichtet zur Erinnerung an die Urbilder und zur Sehnsucht nach ihnen, und dazu, daß sie diesen einen Gruß und achtungsvolle Verehrung zuwenden, nicht jedoch die nach unserem Glauben wahre Anbetung, die allein der göttlichen Natur zukommt, sondern so, wie man der Darstellung des kostbaren und lebendig machenden Kreuzes, den heiligen Evangelien und den übrigen heiligen geweihten Gegenständen Weihrauch und Lichter zu ihrer Verehrung darbringt, wie es auch bei den Alten fromme Gewohnheit gewesen ist. »Denn die Verehrung des Bildes geht über auf das Urbild «1, und wer das Bild verehrt, verehrt in ihm die Person des darin Abgebildeten. (DH 600-601)

Das Tridentinum Sessio 25 (Denz. 984 ff./1821 ff.) hat nicht eigens von den Engeln gesprochen, sondern nur das Recht der Anrufung und Verehrung der „Heiligen“ gegen die Anfeindungen der Reformatoren in Schutz genommen. Aber die Gründe, die das Konzil dafür angeführt, nämlich die stete Überlieferung der Kirche und die höhere Würde und Macht der Heiligen, treffen auch bei den Engeln zu, und es fällt bei den Schutzengel noch ihre besondere treue Liebe, Fürsorge und Fürbitte ins Gewicht.

Das heilige Konzil trägt allen Bischöfen und allen anderen, die das Amt und die Aufgabe zu lehren haben, auf, sie sollen – entsprechend dem Brauch der katholischen und apostolischen Kirche, der von den ersten Zeiten der christlichen Religion überliefert ist, der übereinstimmenden Auffassung der heiligen Väter und den Beschlüssen der heiligen Konzilien – die Gläubigen vor allem über die Fürsprache und Anrufung der Heiligen, die Verehrung der Reliquien und den rechtmäßigen Gebrauch der Bilder sorgsam unterrichten und sie lehren:

Di e He i l i g e n , die zusammen mit Christus herrschen, b r i n g e n  i h r e  G e b e t e  f ü r  d i e  M e n s c h e n  G o t t  d a r ; es ist gut und nützlich, sie flehentlich anzurufen und zu ihren Gebeten, ihrem Beistand und ihrer Hilfe Zuflucht zu nehmen, um von Gott durch seinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn, der allein unser Erlöser und Erretter ist, Wohltaten zu erwirken; jene aber, die leugnen, daß d i e H e i l i g e n , die sich der ewigen Glückseligkeit im Himmel erfreuen, a n z u r u f e n s i n d ; oder die behaupten, sie würden für die Menschen nicht beten, oder ihre Anrufung, damit  sie für uns auch einzeln beten, sei Götzendienst, oder sie stehe im Widerspruch mit dem Wort Gottes und widerstreite der Ehre des einen Mittlers zwischen Gott und den Menschen, Jesu Christi [vgl. 1 Tim 2,5]; oder es sei töricht, die im Himmel Herrschenden mit Herz und Mund anzuflehen: die denken gottlos. (DH 1821-1822)

Die nachkonziliare Dürre der katholischen Engelverehrung kommt aber aus zweierlei Quellen. Die erste bildet der Modernismus samt der rationalistischen Einstellung, welche alles übernatürliche wie Wunder, Auferstehung oder Engel leugnet, die zweite Quelle bildet die Nichtberücksichtigung der himmlischen, triumphierenden Kirche, zu der die Engel gehören. Da das Vatikanum secundum weder die leidende Kirche im Fegefeuer noch die triumphierende Kirche im Himmel erwähnte, gedenkt kaum jemand derjenigen, welche diese beiden Kirchen bilden.

Die Hl. Schrift und Engel

Die Heilige Schrift erwähnt mehrfach Gebete und Ehrenbezeugungen vor den Engeln (Gen 48,16; Jos 5,13 ff.; Os 12,4), ohne sie im Geringsten zu tadeln, sodass man sagen kann, dass die Engelverehrung durch und durch biblisch ist. Es gab immer Engelbegegnungen und Engelverehrung.  Nur wo den Engeln ein abgöttischer oder abergläubischer, die Ehre Gottes und Christi schädigender Kult erwiesen wird, erfährt er eine Zurückweisung (Richter 13,15 f.; Kol 2,18; vgl. Apokalypse 19,10; 22,8 f .). Wie man also sehen kann, haben sich die Menschen immer schon der Verehrung der gefallenen Engel gewidmet, ohne es manchmal genau gewusst zu haben, dass es wirklich gefallene Engel sind.

Tradition und die Engel

Diekamp-Jüssen schreibt kurz: „Auch die alte Tradition verwirft nur diesen übertriebenen, unsinnigen Engelsdienst (z.B. Irenäus Adv. haer. II, 32,5; Origenes C. Cels. V,5; VIII, 13; Synode von Laodicea 372 Kanon. 35).“ Hinter diesem Satz steckt aber eine ausführliche antignostische Polemik der Kirchenväter, welche den gnostischen Engelkult gut kannten und bekämpften, insbesondere da dies der heilige Irenäus. Diekamp-Jüssen meint: „Es gab Anlass genug, die Christen davor zu warnen, weil die heidnischen Zeitgenossen geneigt waren, die Engel Götter zu nennen und ihnen göttliche Ehre zu erweisen.“ Sein Kommentar zeigt den Einfluss des Rationalismus. Denn die Väter warnten die Christen vor dem Engelkult nicht deswegen, weil er heidnisch war, sondern deswegen, weil die gefallenen Engel jede Spalte ausnützen wollen, damit Ihnen ein göttlicher Kult zuteil wird.

Eine angemessene Verehrung und Anrufung der Engel werden aber oft genug von den Vätern bezeugt und empfohlen. Schon Justin und sagt: „den Kampf der guten Engel verehren wir und wir beugen uns vor ihnen nieder“ (Apol. 1,6). Origenes schreibt: „Wir loben sie und segnen sie“ (C. Cels. VIII, 57). Eusebius bestätigt, dass wir Gott allein anbeten, den dienenden Mächten aber eine „angemessene Ehre erweisen“ (Praep. Evang. VII, 15). Augustinus schreibt: „Wir lieben die Engel und beglückwünschen sie … Wir ehren sie in der Liebe, nicht in der Knechtschaft (De vera relig. 55,110). Seit dem vierten Jahrhundert gab es auch schon Kirchen zu Ehren des heiligen Michael, was bestätigt, dass der katholische Engelkult sehr alt ist.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012,382-383.

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