Katholische Engellehre: (31). Die bösen Geister, ihre Sünde und ihre Sturz. (2) Lehramtliche Aussagen

Kirchliches Lehramt

Die erste Lehraussage zur Existenz des Teufels gab es im vierten Jahrhundert im Kontext der Falschlehre der Priscillianisten oder der Priscillianer. Sie waren eine gnostische Sekte,

so dass sie durch das unheilige geheime Treiben magischer Künste und die nichtigen Trügereien der Astrologen den Glauben der Religion und das Sittengesetz auf die Macht von Dämonen und auf die Wirkung von Sternen gründeten. (DH 283)

Wie alle Gnostiker versuchten sie das Böse, also den Teufel und die gefallenen Engel zu etwas Notwendigem zu erheben, zu einem dunklen Gegenprinzip Gottes, im Sinne des Dualismus. Das Gute, so diese Denkrichtung, braucht das Böse, um überhaupt gut sein zu können, so wie die Helligkeit den Kontrast der Dunkelheit braucht. Diese Annahme ist nur dann konsequent durchzuführen, wenn man die Existenz des Bösen als notwendig und präexistent von Anfang an annimmt. Der Teufel war, wie Gott, immer da und er war immer böse. Das ist die Denkrichtung auch mancher Falschmystiker und Philosophen wie: Jakob Böhme (1575-1624), Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1812) der dritten Periode, Franz von Baader (1765-1841), um nur einige an dieser Stelle zu nennen.

Demgegenüber hat die Kirche stets die Geschöpflichkeit und die Erschaffenheit der gefallenen Engel gelehrt. Sie sind nur Geschöpfe, nichts weiter. Keine ebenbürtigen Gegenspieler Gottes. Und so lesen wir im Brief »Quam laudabiliter« an Bischof Turribius von Astorga, 21. Juli 447 von Leo I. folgendes:

(Kap. 6) Die sechste Bemerkung bezieht sich auf ihre Aussage, der Teufel sei niemals gut gewesen und seine Natur sei kein Werk Gottes, sondern er sei aus dem Chaos und der Finsternis aufgetaucht; denn er habe ja keinen Urheber  seiner selbst, sondern sei selbst Ursprung und Substanz jeden Übels; dagegen bekennt der wahre Glaube …, daß die Substanz aller geistigen und leiblichen Geschöpfe gut ist und daß es keine Natur des Bösen gibt; denn Gott, der der Schöpfer von allem ist, hat nichts gemacht, was nicht gut ist. Daher wäre auch der Teufel gut, wenn er in dem, als was er gemacht wurde, verbliebe. Aber weil er seine natürliche Vortrefflichkeit schlecht gebrauchte »und nicht in der Wahrheit stand« [Joh 8,44], ist er nicht in eine entgegengesetzte Substanz übergegangen, sondern ist vom höchsten Gut, dem er hätte anhangen sollen, abgefallen, so wie auch die, welche solches behaupten, selbst vom Wahren in Falsches stürzen und darin, worin sie sich absichtlich vergehen, der Natur die Schuld geben, und angesichts ihrer willentlichen Verkehrtheit verurteilt werden. Das Übel wird allerdings in ihnen selbst sein, und das Übel selbst wird nicht die Substanz sein, sondern Strafe für die Substanz. (DH 286)

Das oben genannte Dogma besagt also, dass der Teufel keine Schöpferkraft besitzt und keine Ursubstanz des Bösen ist, aus der sich das Böse sozusagen fortbildet. Er hat seine ontologische Güte durch seine freie Handlung verwirkt, d. h. er ist nicht in der Wahrheit geblieben. Daher ist er wegen seiner „willentlichen Verkehrtheit verurteilt“ worden Interessanterweise lebte diese gnostische Lehre immer wieder im Laufe der Kirchengeschichte auf. Im 11. und 12. Jhd. tat sie es in der Lehre der Albigenser und Katharer, heute ist sie in Esoterik und New Age vorhanden. Hollywood ist sehr dualistisch und gnostisch, siehe die Netflix-Serie Luzifer aber auch das Star Wars Franchise. Demgegenüber stellte das Vierte Laterankonzil (1215) folgendes fest:

Wir glauben fest und bekennen aufrichtig, daß nur e i n e r der wahre, ewige, unermeßliche und unveränderliche, unbegreifliche, allmächtige und unaussprechliche Gott ist, der Va t e r, S o h n und He i l i g Ge i s t : zwar drei Personen, aber e i n e Wesenheit, Substanz oder gänzlich einfache Natur: der Vater Christi von keinem, der Sohn allein vom Vater und der Heilige Geist in gleicher Weise von beiden: ohne Anfang, immerwährend und ohne Ende: der Vater zeugt, der Sohn wird geboren und der Heilige Geist geht hervor: wesensgleich, gleichartig, gleich allmächtig und gleich ewig: e i n Anfang von allem: der Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, des Geistigen und des Körperlichen: er schuf in seiner allmächtigen Kraft vom Anfang der Zeit an aus nichts zugleich beide Schöpfungen, die geistige und die körperliche, nämlich die der Engel und die der Welt: und danach die menschliche, die gewissermaßen zugleich aus Geist und Körper besteht. Der Teufel nämlich und die anderen Dämonen wurden zwar von Gott ihrer Natur nach gut geschaffen, sie wurden aber selbst durch sich böse. Der Mensch aber sündigte aufgrund der Eingebung des Teufels. (DH 800)

Konsequenzen des Dualismus

Das oben genannte Zitat zeigt die hierarchische Schöpfungsordnung: Gott, Engel, Mensch. Die Leugnung der Geschöpflichkeit der gefallenen Engel führt zur Leugnung des Ein-Gott-Glaubens, des Monotheismus, wie auch zur Leugnung der Schöpfermacht Gottes. Denn sollte der Teufel präexistent gewesen sein, dann ist er kein Geschöpf, sondern eine Art Gegengott. Dann haben wir den Dualismus unter dem gewissermaßen Zwei-Gott-Glauben. Interessanterweise sind alle Geheimkulte, wie die Freimaurerei zum Beispiel, durch und durch dualistisch, sodass es, nach deren Ansichten, keine Rolle spielt, ob man sich auf der „hellen“ oder auf der „dunklen Seite der Macht“, um mit Star Wars zu sprechen, befindet. Aus dieser Sicht gesehen, die ebenfalls eine Sicht der Esoterik und der Magie ist, darf man jedes mögliche Böse tun, wenn man irgendwie für einen Ausgleich, beispielsweise durch Wohltätigkeit, sorgt. Das Böse ist aber in dem dualistischen Konzept kein Böses, sondern gleichsam das Gute mit umgekehrten Vorzeichen, weil „gut“ und „böse“ bloß austauschbare Etiketten des Einen darstellen. Solche Stichworte wie: „Harmonie des Universums“, Ying und Yang, „Gleichgewicht der Kräfte“ usw., das ist alles Dualismus. Das ist auch die Sichtweise von Bergoglio und seinem Team, da nur aus dieser Perspektive die derzeitige massive Zerstörung der Kirche moralisch zu rechtfertigen ist. So könnte man es jemanden vermitteln, der noch ein einigermaßen intaktes Moralempfinden besitzt.

Wir tun das Böse, um das Gute zu stärken.

oder um es mit Goethes Faust zu sagen

Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Natürlich stimmt dieses Zitat theologisch nicht, denn weder ist das Böse ein Teil des Guten, noch ist es ein Teil einer übergeordneten Einheit, die über dem Gegensatz von Gut und Böse steht, wie es beispielsweise Franz von Baden wollte.

Die Dualisten im derzeitigen Vatikan addieren die Kirche des „alten Gottes“ aus, um scheinbar die Kirche des neuen Gegen-Gottes zu errichten. Und so werden die Gegensätze zwischen Gut und Böse in einer gleichsam Hegelianischen Synthese aufgehoben und überwunden, worum man sich seit dem Konzil mehr oder weniger intensiv bemüht. Denn die Gleichmacherei aller Religionen durch den Ökumenismus und durch den sogenannten interreligiösen Dialog hebt den Unterschied zwischen „wahr“ und „falsch“ und konsequenterweise zwischen „gut“ und „böse“ auf. Während „wahr“ und „falsch“ logische Kriterien sind, so sind die Kriterien „gut“ und „böse“ die angewandte Logik im moralischen Bereich. Das moralisch Falsche ist das „Böse“ und das moralisch Wahre ist das „Gute“. Denn die Verkehrssicherheit der Sitten hängt immer mit der Verkehrssicherheit des Denkens zusammen. Man muss das Böse für das Gute ausgeben und das Gute für das Böse, damit man Menschen zu bestimmten Handlungen verleiten kann. Diese Verkehrtheit oder um es mit Nietzsche zu sagen „die Umwertung aller Werte“ haben schon die Gnostiker aller Zeiten gelebt und gelehrt, aber bislang sind sie nicht bis zur Spitze der Kirche vorgedrungen, was sicherlich ein spirituelles Geheimnis darstellt und uns vor die Frage stellt, warum Gott die derzeitige Übermacht des Bösen zulässt.

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