Katholische Engellehre: (34). Die bösen Geister, ihre Sünde und ihr Sturz. (4) Sünde der Engel war Superbia (i)

II. Die Sünde der Engel war eine Sünde der Hoffart (supérbia) (Sententia longe communior)

Die meisten Theologen hielten fest, dass die Sünde der Engel in der Hoffart oder im Stolz bestand. Die Dogmatik von Diekamp-Jüssen verwendet den Begriff „Hoffart“, welches ein älteres Synonym für das Wort „Stolz“ darstellt und weiter deutsche Entsprechungen stellen die Wiedergabe der lateinischen superbia dar.[1] Wir verwenden hier das Wort Superbia damit es klar wird, dass es sich um eine theologische Bedeutung handelt, die jenseits des Narzissmus und der Ambition steht.

Was ist Superbia?

Der heilige Thomas von Aquin definiert Sie wie folgt:

Superbia im eigentlichen Sinne ist das ungeordnete Streben nach der Vorzüglichkeit (inordinatus appetitus excellentiae), welcher Ehre und Hochachtung gebührt. Die Superbia im eigentlichen Sinne betrifft den Mangel der Unterwerfung des Menschen unter Gott (defectum subjectionis hominis ad Deum), sodass sich jemand überhebt darüber, was er ist und was ihm nach der göttlichen Regel und nach dem göttlichen Maß bestimmt wurde (aliquis se extollit supra id quod est sibi praefixum secundum divinam regulam vel mensuram). (Summ theol. 1 2 q.84. 2. O. et 22 q. 77.5. c. et 132.4. c. et q. 162 1. O. et 23 c. et 4. 5. 6. c)

Dies bedeutet: nicht jegliches Streben nach der Exzellenz ist schlecht, sondern nur das ungeordnete Streben. Die Ordnung wird aber von Gott durch die Regel (regula) und das Maß (mensura) bestimmt. Wäre jegliches Streben nach der Exzellenz verwerflich, auch der geistigen oder moralischen, so gebe es überhaupt keine Entwicklung oder Fortschritt. Manche Geschöpfe sind halt zum Höheren berufen und ihr Maß ist ein anderes als der tiefer stehenden Geschöpfe, denn die Schöpfung ist hierarchisch geordnet. Die Natur und die Aufgaben eines Serafin sind andere und höhere als die Aufgaben eines Erzengels. Bei Menschen ist es genauso. Die demokratische Gleichmacherei, bei der alle gleich und alle gleich gut sind kommt nicht von Gott, sodass alle Päpste bis zum Zweiten vatikanischen Konzil aus eben diesem Grunde, der Verkennung der göttlichen hierarchischen Ordnung, die Demokratie verurteilten. Der Stolz besteht also darin sich über das einem gebührende Maß zu erheben. So wollten die gefallenen Engel Gott gleich werden, sodass sie ihr Maß und ihre Natur verkannten.

Der Fachbegriff Sententia longe communior bedeutet, dass über eine längere Zeit hin die Mehrheit der Theologen der Meinung war, dass die Engel eben durch die Superbia gefallen sind. Dies ist jedoch kein Dogma, sodass es zulässig ist auch andere Gründe für den Engelfall anzuführen. Es stellt sich aber die Frage, welche Sünde schlimmer sein könnte als diejenige Gott gleich sein zu wollen und wie man sie anders als mit Stolz bezeichnen kann.

Heilige Schrift

Die Heilige Schrift sieht die Superbia als den Anfang allen Übels, was man als die Anfangssünde schlechthin deuten kann.

Tob 4,14 In ihr nämlich (der Superbia) nimmt jegliche Verderbnis ihren Anfang.

Sir 10,15: der Anfang jeder Sünde ist die Superbia.

1 Tim 3,6: Der Bischof soll kein Neophyt sein, damit er zum Stolz (superbia) erhoben nicht dem Urteil des Teufels verfällt.

Lukas 10,18 ff. Mahnt Jesus die Jünger, sich wegen der Wunderkraft nicht zu überheben, und leitet seine Mahnung mit den Worten ein: Ich habe gesehen wie der Satan wie ein Blitz vom Himmel stürzte.

Es kann also mit einiger Sicherheit angenommen werden, dass es die Superbia war, welche die Sünde der Engel darstellte.

Der heilige Thomas von Aquin schreibt zum Thema „der Stolz ist der Anfang aller Sünde“ folgendes (1 2 q. 84 a. 2):

Zweiter Artikel. Der Stolz ist der Anfang aller Sünde.

a) Das scheint zu sein:

I. Gegen den obigen Text bei Paulus. Denn Wurzel und Anfang bedeutet wohl das Gleiche.

II. Gegen Ekkli. 10.: „Der Anfang des menschlichen Hochmutes ist das Abfallen von Gott;“ was eine besondere Sünde ist.

III. Gegen Augustin (14. de civ. Dei ult.), der die ungeregelte Selbstliebe als den Baumeister des Babels der Sünde bezeichnet.

Auf der anderen Seite steht Ekkli. 10, 15.: „Der Anfang aller Sünde ist der Stolz.“

b) Ich antworte, nach einigen werde der Stolz in dreifacher Weise ausgesagt: 1) als ungeregelte Begierde nach Auszeichnung der eigenen Person; und so sei er eine besondere Sünde; — 2. als eine tatsächliche Verachtung Gottes, dessen Gebot man geringschätzt; und so sei es gemein allen Sünden; — 3) und als Hinneigung zu dieser Verachtung auf Grund der verdorbenen Natur; und so sei er der Anfang aller Sünde. Und danach ist der Stolz verschieden von der Geldgier; denn diese ist die Wurzel aller Sünde von seiten der Zuwendung zu einem vergänglichen Gute, von dem aus die Sünde genährt und gepflegt wird, was der „Wurzel“ zukommt; — der Stolz aber ist der Anfang der Sünde von seiten der Abwendung von Gott, dessen Gebote sich zu unterwerfen der Mensch vernachlässigt; und deshalb heißt er Anfang aller Sünde, weil von der Abwendung aus die Natur des Übels beginnt.

Dies Alles ist wohl wahr; entspricht jedoch nicht der Absicht des heiligen Geistes, der da sagt: „Der Anfang jeder Sünde ist der Stolz.“ Denn offenbar ist hier die Rede vom Stolze als einer besonderen Sünde, die da ist das ungeregelte Begehren nach Auszeichnung der eigenen Person; wie aus dem Folgenden hervorgeht: „Die Sitze der hochmütigen Anführer hat Gott zerstört;“ und in diesem Sinne wird im ganzen Kapitel gesprochen. Offenbar also ist der Stolz als solcher der Anfang der Sünde.

Denn man muß erwägen, daß bei der Sünde unterschieden werden  muss die Absicht von der Ausführung. Die Absicht nämlich und was ihr folgt richtet sich zuerst auf das Prinzip als den Zweck. Der Zweck aber für den Erwerb zeitlicher Güter ist der, dass der Mensch dadurch eine besondere hervorragende Stellung erhält. Von dieser Seite also her ist der Stolz als besondere Sünde der Anfang für alle Sünden. Bei der Ausführung aber ist das Erste das Geld, welches ja die Mittel gewährt, um den Zweck wirklich zu erreichen,

c) I. Ist beantwortet.

II. „Abfallen von Gott,“ Apostasie, ist der Anfang der Sünde von Seiten der Abwendung her. Denn weil der Mensch nicht sich Gott unterwerfen will, folgt er der Begier nach veränderlichen Gütern; und so ist da „Abfall von Gott“ keine besondere Sünde, sondern etwas Gemeinschaftliches für jede Sünde.

Oder „Abfallen von Gott“ wird gesetzt als erste Untergattung des Stolzes, dem es zukommt, zuallererst Gott nicht unterworfen sein zu wollen; und auf Grund dessen will dann der Stolze über sich selbst in ungeregelter Weise erhoben werden gemäß den anderen Gattungen von Stolz.

III. Darin liebt eben der Mensch sich selbst, dass er seine eigene Auszeichnung will; denn „sich lieben“ heißt „sich selber Gutes wollen“. Also ist es dasselbe, als Anfang der Sünde zu setzen den Stolz oder die ungeregelte Selbstliebe.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 384.

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